Perfektionismus: Fluch oder Segen?

Shownotes

Wusstest du, dass es eine gesunde (funktionale) und eine ungesunde (dysfunktionale) Form von Perfektionismus gibt? Während das eine antreibt und unterstützt, blockiert das andere und kann richtig belasten. In dieser Folge setze ich mich mit Perfektionismus im Kontext von Essstörungen auseinander. Wenn dich das Thema interessiert oder du dich darin vielleicht sogar ein Stück wiedererkennst, hör auf jeden Fall rein.

IG: @psychotherapie.wien Homepage: www.praxis-verhaltenstherapie.at

Links: Österreich: Essstörungshotline: https://www.wig.or.at/selbsthilfe-beratung/hotline-fuer-essstoerungen Österreichische Gesellschaft für Essstörungen: https://www.oeges.or.at/Essstoerungen/Hilfe-fuer-Betroffene/Beratungsstellen/

Deutschland: Hilfe bei Essstörungen: https://essstoerungen.bioeg.de/hilfe-finden/ Deutsche Gesellschaft für Essstörungen: https://www.dgess.de

Schweiz: Essstörungsinfos: https://www.pepinfo.ch/de/anlaufstellen/index.php Schweizer Gesellschaft für Essstörungen: https://sges-ssta-ssda.ch

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00:00:01: Herzlich willkommen zu meinem Podcast Lebenskunst, dem Podcast über Essstörungen und allem, was damit verbunden ist.

00:00:17: Hallo und herzlich willkommen bei einer neuen Folge meines Podcasts, Lebenskunst, Essstörungen im Fokus.

00:00:23: Ich bin Katja und heute möchte ich mit dir über ein Thema sprechen, das viele Menschen mit Essstörungen betrifft, aber oft im Hintergrund bleibt.

00:00:33: Und zwar geht es heute um den Perfektionismus.

00:00:35: Wir schauen uns an, was Perfektionismus genau ist, wie er entsteht und warum er Essstörungen verstärken kann.

00:00:43: Ich freue mich, dass du da bist und ich hoffe, dir gefällt diese Folge.

00:00:56: Viele Verhaltensweisen, die man bei Essstörungen findet, ich habe es vor allem in der Arbeit mit anorektischen und auch bulimischen Personen oft gesehen und dort beobachtet, deuten auf eine Annahme hin, dass Liebe und Zuneigung bzw.

00:01:15: gemocht werden oder akzeptiert zu werden an Bedingungen geknüpft ist.

00:01:20: Dass man sich all das gewissermaßen verdienen muss.

00:01:25: Es ist so, quasi als gäbe es eine innere oder so eine Art äußere Autorität, die ganz strenge Maßstäbe setzt.

00:01:34: Maßstäbe, die sich auf verhaltenen jeglicher Hinsicht, sei es schulisch oder berufliche Leistungen, sowie auf das Aussehen beziehen.

00:01:43: Und werden diese Standards dann nicht erfüllt, scheint die Konsequenz, Ablehnung zu sein, dass man dann uncool ist, dass man dann anders ist, nicht passend, nicht dazugehören oder dass man langweilig ist oder und so weiter.

00:01:57: Dass dieser Grundannahme erwächst quasi unmittelbar der Perfektionismus.

00:02:04: Also aus dieser Annahme, wir nennen das auch Grundannahme, nur wenn ich leiste, bin ich liebenswert.

00:02:12: Und ein solches inneres Schema fördert bei den Betroffenen wie so eine Art unterwürfiges Verhalten gegenüber Autoritäten oder gegenüber vermeintlich stärkeren Personen, cooleren Personen und so weiter.

00:02:29: Und es verstärkt eine besondere Empfindlichkeit oder Sensibilität gegenüber dem sozialen Druck.

00:02:38: beispielsweise auch schlank zu sein, gut auszuschauen, sich gesund zu ernähren und so weiter.

00:02:44: Perfektionismus kann sich aber nicht nur auf das Essverhalten beziehen, sondern auch auf Ordnung, auf Sauberkeit oder auch das Erreichen von akademischen Zielen oder beruflichen Zielen.

00:02:59: Also manche wünschen sich sehr, eine wirklich gute Schülerin zu sein oder ein guter Student, Studentin oder besonders fleißig und engagiert im Beruf zu sein, da einfach gute Schritte vorwärts zu machen und so weiter.

00:03:16: Charakteristisch ist dabei, dass das Denken eigentlich wie in so extremem passiert.

00:03:21: Es ist meistens so ein schwarz-weiß Denken.

00:03:27: werden entweder als Erfolg oder als Misserfolg, als Versagen, eingeordnet, als gut oder als schlecht.

00:03:35: Und die Freude über Erfolge geht meinen Beobachtungen zufolge, aber mit der Zeit leider verloren.

00:03:43: Da es ja quasi das Mindeste ist, was eintreten durfte.

00:03:48: Das heißt, den Erfolg zu haben, war das, was ja eigentlich als Mindestmaß angesehen wurde.

00:03:54: Und somit ist es halt akzeptabel und passend.

00:03:57: Aber Freude geht dann leider verloren.

00:04:00: Aber was ist jetzt dieser Perfektionismus genau?

00:04:03: Perfektionismus ist eigentlich ein psychologischer Begriff.

00:04:07: Er beschreibt Unterschiede darin, wie stark Menschen danach streben, alles perfekt zu machen und Fehler, um jeden Preis zu vermeiden.

00:04:19: Viele Betroffene entwickeln die Vorstellung eben nur geliebt oder akzeptiert zu werden, wenn sie dauerhaft gute Leistungen oder sehr gute Leistungen erbringen.

00:04:30: Wenn sie dauerhaft eigentlich keine Fehler machen.

00:04:34: Dadurch richten sie ihre Aufmerksamkeit vor allem auf ihre Fehler und nehmen eben eigene Erfolge kaum noch wahr.

00:04:42: Und diese überhöhten Ansprüche können aber oft, wenn die Adlerchen nicht wirklich so gut erfüllt werden, zumindest nicht auf Dauer.

00:04:49: Und dann entstehen ganz viele Ängste, vor allem Versagensängste.

00:04:55: Was oft auch eine Folge ist, es kommt dann manchmal zu einer Art Aufschieben, Prokrastination.

00:05:04: Ja, weil wenn ich es gar nicht erst versuche, kann ich auch nicht scheitern.

00:05:09: Ja, also diese Angst davor, dem eigenen Standard nicht zu genügen, mache ich es lieber gleich nicht, weil wenn ich es nicht versucht habe, ja, kann es nicht eintreten, dass ich nicht gut genug war.

00:05:23: Und Perfektionismus hat einfach tiefgreifende psychologische Wurzeln und beeinflusst, wie wir uns selbst sehen und vor allem auch wie wir uns behandeln.

00:05:34: Und wie wir handeln.

00:05:35: eigentlich auch, wenn ich jetzt so kurz überlege.

00:05:38: Und ein zentraler Punkt dabei ist der Zusammenhang zwischen Perfektionismus und dem Selbstwert.

00:05:43: Menschen mit einem ganz starken Perfektionismus, die neigen dazu, ihren Selbstwert eben an ihre Leistungen zu knüpfen.

00:05:50: Das kennst du vielleicht von dir?

00:05:54: Du fühlst dich nur dann wertvoll und akzeptiert, wenn du was besonders gut gemacht hast.

00:06:00: Wir kennen das alle wahrscheinlich, weil wir uns ja auch über Lob und Anerkennung und Bestätigung freuen.

00:06:06: Das ist ja auch bis zu einem gewissen Punkt absolut normal und auch in Ordnung, wenn man sich darüber freut oder es auch ja dem eigenen Selbstwert schmeichelt, wenn man etwas besonders gut gemacht hat.

00:06:19: Das Problem aber bei Betroffenen in der Praxis sind diese Standards so hoch, dass sie eigentlich kaum zu schaffen sind.

00:06:28: Und misslinkt etwas führt das ganz schnell zu einer sehr, sehr starken Selbstkritik und auch zu einem sehr starken Gefühl von eigener Ablehnung bis hin zu Selbsthass und dem Gedanken, nie gut genug zu sein.

00:06:45: Ich kriege nicht mal das hin.

00:06:48: ist oft auch ein Gedanke, den man her äußern.

00:06:50: Und dieses Gefühl und diese Gedanken, das verstärkt dann wiederum den Drang, noch härter zu arbeiten, noch strengere Regeln aufzustellen und so weiter.

00:07:02: Vielleicht kennst du das bei dir aus eigener Erfahrung aber in einer abgeschwächteren Form.

00:07:08: Und bei Essstörungspatientinnen äußert sich dies meist im Erreichen vom Gewichtsziel.

00:07:13: Nur das Problem ist dann eben egal, welches Gewicht die Person erreicht.

00:07:17: Es muss immer noch weniger sein.

00:07:19: Es ist noch nicht gut genug.

00:07:22: Und egal, was die Betroffenen machen, am Ende fühlen sie sich schlecht.

00:07:25: Es kommt kein Gefühl von Zufriedenheit.

00:07:28: Das bleibt einfach aus.

00:07:32: Und ein wichtiger weiterer Aspekt oder Punkt ist das starke Bedürfnis nach Kontrolle.

00:07:38: Wer die vorigen Folgen schon gehört hat, weiß, dass das Kontrollbedürfnis ein sehr zentrales ist und viele Perfektionisten... wollen nicht nur ihr Verhalten, sondern manchmal auch die Umgebung ein bisschen stauern.

00:07:51: Das zeigt sich auf den ganz festen, starren Regeln und Ritualen, wo die Familie sich dann am besten daran halten soll, weil diese Rituale sollen den Betroffenen helfen, Fehler zu vermeiden.

00:08:04: Fehler dann in ihrer S-Störungswelt beispielsweise zu vermeiden und eigene Unsicherheiten zu kontrollieren.

00:08:12: Und Familienmitglieder werden da gerne immer wieder in manche Dinge mit hineingezogen, was zwangsläufig zu Spannungen führt in der Familie.

00:08:22: Weil die Familienmitglieder, das auf Dauer oft nicht aushalten, ist auch nicht gut verstehen können, was da passiert.

00:08:29: Man, es ist ja auch dann irrational was aus so einem... Essstörungsgedanken rauskommt und viele Familienmitglieder werden dann einfach ja.

00:08:39: Viele Gefühle werden wütend, sind auch genervt, was auch ein Stück weit nachvollziehbar ist.

00:08:45: Kurzfristig kann aber eben all das, dieses Bedürfnis nach Kontrolle, nach Sicherheit beruhigen.

00:08:52: Und das ist meist halt auch das Problem, diese kurzfristige Beruhigung.

00:08:55: Langfristig kann es aber oder führt das, gerade wenn eben Perfektionismus und Essstörungen zusammenkommen, zu psychischen Schwierigkeiten, zu körperlichen Problemen und ja, der Mensch wird einfach krank.

00:09:10: Oder die Krankheit verstärkt sich noch mehr.

00:09:14: Das heißt, Perfektionismus erzeugt, wie man sehen kann, einen ganz enormen Druck.

00:09:20: Und wer hohe Standards an sich selbst stellt, setzt sich halt einfach auch ganz massiv unter Druck.

00:09:26: Und das löst Stress aus.

00:09:28: Dieser ständige Leistungsdruck kann dann auch chronisch werden und sich eben negativ auf die psychische Gesundheit auswirken.

00:09:36: Und bei anfälligen Menschen, also verletzlichen Menschen, kann der Perfektionismus einerseits bei der Entstehung einer Essstörung beitragen, also er kann beitragen dazu, oder er kann auch eine bereits vorhandene Essstörung noch mal verschlechtern.

00:09:56: Perfektionismus ist zwar nicht die einzige Ursache, allerdings kann es halt in Kombi mit anderen Faktoren einen ganz starken Beitrag dazu leisten.

00:10:06: Und auch unser Umfeld spielt eine große Rolle.

00:10:08: In Kulturen, die äußere Perfektion betonen, steigt der Druck halt noch weiter.

00:10:13: Und viele wollen einfach auch gesellschaftliche Erwartungen entsprechen.

00:10:17: Ich nehme mich da nicht raus.

00:10:18: Also das ist ja auch etwas, man möchte ja irgendwie da auch... Ja, dem gesellschaftlichen Bild der Erwartungshaltung entsprechen.

00:10:29: Und gerade dieses Schönheitsideal schlank zu sein, fit zu sein, marklos.

00:10:35: Es gibt immer wieder, finde ich, gerade auf Social Media so verschiedene Wellen an Trends.

00:10:39: Und ja, es kommt immer wieder auf mit all dieser perfekten Morgenroutine, perfekte Abendroutine, perfekte Skincare-Routine, perfektes Ernährungsverhalten, um möglichst gesund, und ich weiß es nicht.

00:10:53: zu essen und das verstärkt es halt, wenn wir das natürlich dann ständig auch noch sehen, füttert das natürlich, dieses Bedürfnis auch perfekt sein zu wollen.

00:11:05: Und wenn wir es eben in Bezug aufs Essen und Gewicht nochmal anschauen, viele mit Perfektionismus formulieren für sich wirklich strenge Diätregeln, um ihr Idealgewicht zu erreichen oder auch zu halten.

00:11:19: und Oft ist es aber so, dass der Mensch das dann halt langfristig nicht schafft, weil es einfach zu starre Regeln sind, was eigentlich auch nicht in den Alltag hineinpasst, was so eigentlich nicht durchfüllbar ist.

00:11:30: Und dann beginnt so ein blühter Teufelskreis aus Selbstabwertung.

00:11:35: Das heißt, wenn man es nicht schafft, greift das den Selbstwert an und verstärkt gleichzeitig das Bedürfnis, das Leben in den Griff zu bekommen und Kontrolle quasi wieder zurück zu gewinnen und Ordnung und Sicherheit.

00:11:49: Und da spielen auch Gefühle wie Schuldgefühle und Schamgefühle mit hinein, denn Schuld und Schamgefühle sind auch ein ganz zentraler Teil dieses Kreislaufs.

00:11:59: Viele empfinden Scham, wenn sie ihre Standards nicht erfüllen.

00:12:03: Und bei Essstörungen bedeutet das, jeder vermeintliche Diätfehler und der Anfangsein oder Essernfall löst Schuldgefühle aus.

00:12:13: Und dieses Gefühl verstärkt dann den Drang nach Kontrolle und nach strengeren Regeln.

00:12:18: Und dann verschärft sich die Essstörung weiter und auch die ständige Selbstkritik, das Bedürfnis nach Kontrolle und diese immer wiederkehrenden Schuld- und Schamgefühle erzeugen chronischen Stress.

00:12:32: Es erzeugt enorm viel Angst und kann auch Depressionen begünstigen.

00:12:37: Was sich alles auf das psychische Wohlbefinden natürlich auswirkt.

00:12:44: Ich habe immer wieder gelesen oder höre auch die Annahme, dass heutzutage Menschen immer mehr danach streben, ob das wirklich so ist, weiß ich ehrlich gesagt nicht, dass es vielen wichtig ist oder wichtiger ein Optimum herauszuholen.

00:12:59: Das kann schon sein, weiß ich jetzt nicht.

00:13:02: Ich müsste glaube ich auch noch mal länger darüber nachdenken, wie ich das so im Alltag sonst wahrnehme.

00:13:09: Aber ich finde es wichtig in der Folge auch zu betonen der Perfektionismus an sich.

00:13:13: ist grundsätzlich eigentlich nicht schlecht oder automatisch krank machen, ganz im Gegenteil.

00:13:19: Für viele Menschen können auch so perfektionistische Züge ein Motor sein, der hilft, tatsächlich den Alltag zu strukturieren, dass wir Ziele erreichen und dass wir erfolgreich sind.

00:13:32: Problematisch wird das jedoch dann eben, wenn Perfektionismus ganz einseitig gelebt wird.

00:13:42: Wenn es in so einer Extrem geht, wenn es um Spitzenleistung geht, um Fehlerfreiheit, dann wird es problematisch und wir unterscheiden da einfach zwei Formen.

00:13:56: Und ich erkläre das in der Praxis oft so.

00:14:00: Die meisten Dinge sind in einem bestimmten Rahmen gut.

00:14:05: Allerdings gibt es kaum etwas, was in einem extrem nicht irgendwann schädlich wird.

00:14:11: Selbst beim Wasser trinken kann man es übertreiben und sich selbst schaden.

00:14:16: Und beim Perfektionismus unterscheiden wir eben auch zwei Formen.

00:14:20: Den funktionalen Perfektionismus und den dysfunktionalen Perfektionismus.

00:14:25: Der funktionale, also der unteranführungszeichen normale Perfektionismus, beschreibt einfach leistungsorientierte Menschen, die einfach ihr Bestes geben wollen und sich dafür auch engagieren.

00:14:38: Und wenn aber etwas nicht ganz perfekt gelingt, machen sie sich darüber jetzt aber nicht übertrieben viele Sorgen und es führt auch nicht zu einem starken Gedankenkreislauf, sondern sie nehmen es halt an.

00:14:51: Aber es sind vielleicht auch trotzdem zufrieden, dass es gut gelaufen ist und sie für sich wieder weitergekommen sind.

00:14:59: Diese Form ist eine Art Streben nach Zielen, aber eben mit nur geringen Sorgen und mit wenig Angst vor Fehlern.

00:15:09: Das heißt, da ist der Perfektionismus dieses, hey, ich gebe mein Bestes, ich möchte wirklich vorankommen, ich schau, was ich da brauche, ich bin fleißig, ich gebe mir Mühe, ich bin engagiert, aber es wird nicht von sich selbst erwartet, alles perfekt zu machen.

00:15:22: und Rückschläge werden.

00:15:24: Auch hingenommen, werden angeschaut, reflektiert und oft auch als eine Art Lernmoment dann gesehen, mit dem wissen sie dann weitergehen und versuchen halt so ja für sich weiterzukommen.

00:15:36: Und dann gibt es eben den anderen Perfektionismus, den dysfunktionalen, der ungesunde.

00:15:41: Und das ist der, der ich vorher am Anfang jetzt beschrieben habe.

00:15:45: Hier sind sowohl das Streben nach hohen Standards als auch die Angst vor Fehlern extrem stark ausgeprägt und das ist eben das von vorher.

00:15:53: Das Selbstwert hängt dann eng, mit der eigenen Leistung und der Anerkennung durch andere zusammen.

00:15:59: Wertschätzung entsteht dann nicht aus dem eigenen Inneren selbst heraus, sondern erst durch das Urteil der Umgebung.

00:16:10: Und weil da so viel Angst sei es, irgendwie negative Bewertung zu bekommen, dass man ja irgendwie den Erwartungen nicht entsprechen könnte, kriegen viele enorm viel Angst.

00:16:22: Und versuchen dann manchmal auch schwierige Aufgaben zu vermeiden.

00:16:26: Oder lernen so über alle Maßen hinaus, dass es fast eigentlich unmöglich ist, es nicht mehr zu schaffen.

00:16:32: Also nicht nicht zu schaffen.

00:16:35: Genau.

00:16:38: Und was ist so?

00:16:39: die Grenze zwischen dem funktionalen und dem dysfunktionalen Perfektionismus?

00:16:44: Ich finde das jetzt nicht immer ganz so leicht zu ziehen.

00:16:48: Aber der Leidensdruck... den es möglicherweise auslöst.

00:16:52: Ich finde, das ist meistens ein guter Indikator.

00:16:55: Und Warnzeichen, während zum Beispiel ständige Unzufriedenheit oder auch ein dauerhaft hoher Stresspegel in Verbindung mit eigentlich fehlenden Bewältigungsstrategien.

00:17:09: Genau, also wenn man spürt, man leidet, man hat vermehrt Angst, man kann Dinge nicht mehr... gut absolvieren, weil einfach die Angst vorm Scheitern so groß ist, dann könnte es sein, dass man schon in einem dysfunktionalen Perfektionismus drinnen ist oder da langsam hinein kommt.

00:17:28: Also Perfektionismus kann ein echt guter innere Antreiber sein und vielleicht gehörst du zu jenen, die davon auch wirklich total profitieren, also so ein gutes Ausmaß an Perfektionsstreben zu haben.

00:17:44: Ja, das ist sicher etwas, was sich viele wünschen, weil man einfach auch weiterkommt, bei vielen Dingen und Zielenschaft gut zu erreichen.

00:17:53: Bei vielen meiner Patientinnen ist das leider dysfunktional und verstärkt auf die Essstörung und belastet dadurch das Leben einfach zusätzlich nochmal enorm.

00:18:03: Aber auch hier... Man kann wirklich viel verändern im Laufe des Lebens.

00:18:07: Der Mensch ist wandelbar, der Mensch kann sich verändern und auch Perfektionismus in dieser dysfunktionalen Form ist veränderbar, indem man einfach lernt, den Selbstwert unabhängig von Leistung zu definieren und unabhängig von äußeren Erfolgen, also mehr in Richtung Selbstakzeptanz und eine Form von Selbstliebe oder vielleicht auch Selbstmitgefühl.

00:18:34: Und wo Fehler auch mal erlaubt sind, dass Fehler nicht gleich ein Scheitern ist, vielleicht ist es ja einfach nur eine neue Info, aus der ich lernen kann.

00:18:43: Und das sagt sich jetzt alles immer so leicht.

00:18:45: Es braucht auch da Zeit, Geduld, Mitgefühl für Betroffene, um da Schritt für Schritt auch aus diesem dysfunktionalen Mechanismus ein bisschen rauszukommen.

00:18:57: Und damit sind wir auch am Ende dieser Folge.

00:19:00: Danke, dass du heute zugehört hast.

00:19:02: Ich hoffe, diese Folge hat dir neue Erkenntnisse gegeben.

00:19:10: Du schaffst es für dich vielleicht deinen inneren Antreiber zu erkennen und Wege zu finden, in einen konstruktiven inneren Antreiber zu kommen.

00:19:17: Oder vielleicht hast du auch für dich bemerkt, dass du das eh schon hast und kannst dich darüber freuen, dass das alles gut passt.

00:19:23: Ich wünsche, wie auch immer, es ist einen wunderschönen Tag, einen ruhigen Tag und einen zufriedenen Tag.

00:19:31: Bis zum nächsten Mal.

00:19:32: Tschüss!

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