Warum die Anorexie so hartnäckig ist

Shownotes

Was wäre, wenn ich dir sage: Hungert der Körper, hungert auch das Gehirn? Unterernährung hat tiefgreifende Auswirkungen auf unser Gehirn, auf Denken, Fühlen, Lernen und sogar unsere Persönlichkeit. In dieser Folge erfährst du, welche neurobiologischen Veränderungen Anorexie mit sich bringt, warum sie die Behandlung so erschwert.

IG: @psychotherapie.wien

Homepage: www.praxis-verhaltenstherapie.at

Links: Österreich: Essstörungshotline: https://www.wig.or.at/selbsthilfe-beratung/hotline-fuer-essstoerungen Österreichische Gesellschaft für Essstörungen: https://www.oeges.or.at/Essstoerungen/Hilfe-fuer-Betroffene/Beratungsstellen/

Deutschland: Hilfe bei Essstörungen: https://essstoerungen.bioeg.de/hilfe-finden/ Deutsche Gesellschaft für Essstörungen: https://www.dgess.de

Schweiz: Essstörungsinfos: https://www.pepinfo.ch/de/anlaufstellen/index.php Schweizer Gesellschaft für Essstörungen: https://sges-ssta-ssda.ch

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00:00:01: Herzlich willkommen zu meinem Podcast Lebenskunst, dem Podcast über Essstörungen und allem, was damit verbunden ist.

00:00:17: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Lebenskunst, Essstörungen im Fokus.

00:00:24: Schön, dass du wieder dabei bist.

00:00:25: Heute möchte ich über ein Thema sprechen, das viele beschäftigt, vor allem die mit Anorexie oder Anorexien zu tun haben, sei es als Betroffene, als Angehörigeperson oder als Wachperson.

00:00:39: Wir werfen heute nämlich den Blick darauf, warum die Behandlung von Anorexie oft so herausfordernd ist und welche Faktoren dazu beitragen, dass Veränderungen für Betroffene so extrem schwer fallen.

00:00:54: Also schön, dass du da bist, es wird eine wirklich spannende Folge.

00:00:58: Ja, und ich würde sagen, wir tauchen gleich in das Thema ein und beginnen ganz kurz mal mit einer Definition, was die Anorexie ist, weil vielleicht hast du ja die Folge über Anorexie noch nicht angehört.

00:01:10: Dann gibt es hier nochmal einen ganz kurzen Einblick.

00:01:21: Die Anorexie, oft kurz auch Magersucht genannt, ist eine Essstörung, die gekennzeichnet ist vor allem durch Unterernährung und durch eine ganz starke Angst vor Gewichtszunahme.

00:01:34: Betroffen haben leider oft ein ganz verzerrtes Körperbild und sie nehmen sich selbst als zu dick, zu viel, unpassend, unproportional war.

00:01:46: Obwohl eigentlich objektiv betrachtet von außen ihr Körpergewicht, ja, wenn man unter dem Normalbereich legt, sondern einfach untergewichtig ist.

00:01:55: Und häufig wird das Essen aber von den Betroffenen total stark kontrolliert.

00:02:00: Es gibt oft auch kompensatorische Strategien wie einfach viel Sport zum Beispiel, manche erbrechen auch, psychisch geht der Erkrankung vor allem mit Perfektionismus einher und mit ganz vielen Ängsten und leider auch oft mit einem sehr niedrigen Selbstwertgefühl.

00:02:20: Beginn tut die Anarexie oft im Jugendalter, manchmal auch im jungen Erwachsenenalter.

00:02:25: Natürlich kann es auch später, aber die meisten sind oft schon sehr jung.

00:02:30: Es betrifft eben Körper und Psychi eigentlich, würde ich mal sagen, gleichermaßen und kann leider ganz, ganz schwere gesundheitliche Folgen haben.

00:02:39: Zum Beispiel für Herzkreislaufprobleme, Hormonstörungen und so weiter.

00:02:43: Die Erkrankung ist tatsächlich wirklich sehr komplex.

00:02:47: und individuell sehr unterschiedlich auch ausgeprägt.

00:02:50: Man muss immer gut hinschauen, was die Geschichte der Person ist.

00:02:53: Die Ursachen sind meistens multifaktoriell, das heißt es gibt auch viele Ursachen und es ist so ein Zusammenspiel von verschiedenen Faktoren, die dann die Anorexie begünstigen.

00:03:04: Aber wenn dich das noch genauer interessiert, was die Anorexie so ausmacht, was da alles dazugehört, hörte gerne auch meine Episode zur Anorexie an.

00:03:15: Da erfährst du noch mal viel mehr dazu.

00:03:19: Aber um die Frage von heute zu beleuchten, warum ist die Behandlung von Anorexie so schwer, müssen wir einen Blick auf das Gehirn werfen, weil das ist tatsächlich ein ganz zentraler Punkt.

00:03:32: Das Hungern beeinflusst das Gehirn und zwar sehr stark.

00:03:36: Unser Gehirn braucht tatsächlich sehr viel Energie, um zu denken, um Informationen zu verarbeiten, Reize zu verarbeiten, Neues zu lernen usw.

00:03:49: Ich habe mal in meiner Recherche jetzt ein bisschen versucht rauszufinden, wieviel Kalorien das pro Tag sind.

00:03:54: Eine ganz genaue Zahl habe ich nicht, aber es kam immer irgendwas so um die Fünfhundert Kalorien pro Tag heraus, die das Gehirn eigentlich benötigt, um zu funktionieren.

00:04:05: Und wer jetzt zu wenig ist, entzieht gleichzeitig seinem Gehirn diese notwendige Energie.

00:04:11: Und ich sage oft auch in den Therapien Hunger der Körper, Hunger auch das Gehirn und das hat tatsächlich Folgen.

00:04:19: Viele bemerken recht schnell, dass die Konzentrationsfähigkeit zum Beispiel einfach schlechter wird oder dass sie sich Dinge nicht mehr so gut merken, auch dass die Aufmerksamkeit nicht mehr so gut ist, dass die Lernfähigkeit sinkt und es für viele auch deutlich schwerer wird, neue Einsichten oder neue Perspektiven oder auch andere Blickwinkel einfach einzunehmen oder auch Verhaltensänderungen zu verarbeiten.

00:04:44: Es ist einfach schwerer für die Personen und gleichzeitig reagiert das Gehirn aber auch auf den Hunger mit einem ganz krassen Spannungszustand.

00:04:55: Also die Spannung ist einfach erhöht.

00:04:59: Und viele berichten dann auch, dass sie einfach auch innerlich richtig müde sind.

00:05:06: Und diese Veränderungen im Gehirn haben leider auch eine direkte Folge für die Therapie.

00:05:11: Wenn wir uns jetzt vorstellen, du möchtest etwas Nahes lernen oder ein altes Muster verändern.

00:05:16: Dafür braucht ein Gehirn die Energie, Aufmerksamkeit und vor allem auch die Fähigkeit, Entscheidungen ganz bewusst zu treffen.

00:05:24: Und wenn das Gehirn jedoch durch Hunger eigentlich wie in so einer Art Alarmbereitschaft ist, fällt genau das extrem schwer.

00:05:35: Betroffene reagieren sehr schnell gestresst, fühlen sich innerlich oft leer oder auch sehr angespannt.

00:05:43: Und das Lernen neuer Verhaltensweisen wird wie, ja, es wird eigentlich wie blockiert.

00:05:51: Aber es ist nicht nur die Gehirn-Funktion sozusagen durch die Essstörung beeinträchtigt, es kann auch mit der Zeit passieren, dass die Größe des Gehirns sich verändert, dass die Größe des Gehirns sich mit der Zeit reduziert.

00:06:04: Es ist jetzt nicht bei jedem so, aber es kommt halt immer darauf an, wie lang jemand auch schon im Untergewicht ist und so weiter, aber das ist eine Folge, die ebenfalls passieren kann.

00:06:14: Und besonders die anspruchsvollsten und die komplexeren Aspekte der Gehirnfunktion, also so größere Netzwerke benötigen, Genau dieses, also eigentlich die volle Substanz des Gehirns.

00:06:29: Und wenn das beginnt ein bisschen wie zu schrumpfen, blöd gesagt, leiden darunter genau diese Bereiche, die für soziale Interaktion zuständig sind, Bereiche, die für die Emotionsregulation zuständig sind.

00:06:42: Und soziale und emotionale Funktionen und Fähigkeiten sind dadurch einfach reduziert und auch die Flexibilität, so wie will man sagen, die Fähigkeit, so dieses Gesamtbild zu sehen.

00:06:55: Das ist oft eingeschränkt und wir sagen dazu auch, jemand wird ganz rigide im Denken, ganz starr und unflexibel.

00:07:04: Aber es spielt nicht nur das Hungern an die Rolle, sondern auch wie und was gegessen wird.

00:07:10: Essenfälle, die zum Beispiel aus sehr schmackhaften, süßen oder fettreichen oder kohlenhydratreichen Speisen bestehen, können ebenfalls zu Das nennt sich neuroadaptive Veränderungen führen.

00:07:26: Das bedeutet, dass sich das Gehirn an wiederholte Erfahrungen oder auch Verhaltensweisen anpasst.

00:07:33: Bei Essstärkungen passiert Folgendes.

00:07:36: Wenn bestimmte Verhaltensweisen wie hungern, also restriktives Essen oder auch Essanfälle oder das Erbrechen, häufig wiederholt werden, gewöhnt sich das Gehirn daran.

00:07:48: Es verändert die Aktivität von Botenstoffen, Es verändert die Vernetzung von Nervenzellen und die Art, wie Belohnung und Kontrolle wahrgenommen werden.

00:08:01: Und das hat zur Folge, dass bestimmte Muster dann ganz automatisch ablaufen, dass das Gehirn quasi lernt, dass Essen, Fasten oder Essenfälle sozusagen ein Weg sind, mit Stress oder auch Gefühlen, Emotionen umzugehen.

00:08:17: Und diese Veränderungen machen es schwieriger, das Verhalten zu ändern, selbst wenn die Betroffenen es wollen, weil es einfach stark konditionierte Prozesse sind.

00:08:28: Also kurz gesagt, das Gehirn passt sich an wiederholte Verhaltensweisen an und genau diese Anpassung kann dann die Essstörung stabilisieren oder auch die Krankheitsspirale leider verstärken.

00:08:44: Es ist deshalb eigentlich wichtig, dass Die Bildung negativer Gewohnheiten und so negativer Muster irgendwie versucht wird zu verhindern, denn wenn sie sich erst einmal gebildet haben, ist es eben schwer, das auch wieder zu durchbrechen.

00:08:59: Aber es ist nicht unmöglich, nur ist es nicht leicht.

00:09:04: Und um den Kreislauf eben gar nicht erst entstehen zu lassen, kann es helfen, regelmäßige Essgewohnheiten mit einem ganz breiten Nahrungsmittelspektrum sicherzustellen.

00:09:16: Zum Beispiel Essenfälle, die auch gelegentlich bei anorektischen Personen vorkommen können, können auch zu suchtendlichen Veränderungen im Gehirn führen.

00:09:26: Also das Verlangen nach verbotenen Nahrungsmitteln steigt und somit sinkt die Schwelle für Essenfälle und die Frequenz nimmt in der Regel mit der Zeit zu.

00:09:36: Das ist das, was mir viele auch berichten, dass sich die Essenfälle im Laufe der Zeit oft verändern und mehr werden, auch bei anderen Formen von Essstörungen, bei der Binge-Eating-Störung oder bei der Bulimie.

00:09:51: Somit kann es auch vorkommen, dass ursprünglich anorektische Personen in eine Bulimie oder ins Binge-Eating hineinrutschen können.

00:10:00: Und all diese Faktoren wirken dann zusammen und erzeugen eine Art Krankheitsspirale.

00:10:06: Das Hungern verursacht Veränderungen im Gehirn, diese wiederum lösen ganz viel Ängste aus und Stress.

00:10:14: Das problematische Essverhalten reduziert dann aber die Angst kurzfristig, aber das heißt gleichzeitig, dass langfristig die Veränderungen im Gehirn verfestigt werden.

00:10:26: Und so geht die Spirale dann weiter.

00:10:27: Je länger das Hungern besteht, desto mehr Probleme müssen letzten Endes in der Therapie eigentlich überwunden werden, weil sich bestimmte Prozesse einfach ganz stark konditionieren und, ja, wie sagt man, im Alltag manifestieren.

00:10:43: Die gute Nachricht ist aber, diese Krankheitsspirale kann trotzdem, auch wenn es hartnäckig ist, unterbrochen werden.

00:10:50: Ganz wichtig ist aber, dass die Mangelernährung im Verlauf einer Essstörung, das muss zuerst ausgeglichen werden, so früh wie möglich.

00:11:01: Und es ist egal jetzt, wie der Menschen die Unterernährung gekommen ist, die Unterernährung muss aufgehoben werden.

00:11:08: Um einfach dem Gehirn auf diese Chance zu geben, sich zu erholen.

00:11:12: Weil wie gesagt, um so unterernärter ein Mensch ist, um so unterernärter ist das Gehirn und um so weniger kann man andere Blickwinkel einnehmen, andere Perspektiven.

00:11:22: Aber das ist genau wichtig auch für die Therapie, um neue Dinge zu lernen.

00:11:27: Wenn das Gehirn da blockiert, wird es natürlich schwer, sich gegen das Gehirn zu wehren.

00:11:32: Das heißt, es braucht ein ernährtes Gehirn, damit auch die Psychotherapie gut funktionieren kann.

00:11:40: Und ein weiterer Aspekt ist auch ganz wichtig, gerade bei der Anorexie, weil die ja oft auch im Jugendalter entsteht.

00:11:46: Und das ist gar nicht so eine zufällige Phase, weil gerade in dieser Lebensphase suchen wir nach unserer eigenen Identität.

00:11:53: Wir wollen selbstständig sein, gleichzeitig aber auch dazugehören und das erzeugt einen inneren Druck und das Selbstwertgefühl ist gerade in der Zeit, wenn wir uns jetzt selbst so zurückdenken, ja nicht wirklich stabil.

00:12:07: Und wenn dann aber Eigenschaften mit Perfektionismus oder ein starkes Kontrollbedürfnis oder auch das Bedürfnis nach Anerkennung noch dazukommt, kann einfach sich die Anfälligkeit für Essstörungen erhöhen.

00:12:20: Und viele Jugendliche haben einfach auch noch nicht gelernt mit all diesen Gefühlen gut umzugehen.

00:12:26: Viele erleben ja Gefühle von Scham und vieles ist peinlich und vor vielem haben sie Angst von Verlustängste oder Versagenstängste.

00:12:35: Manche sprechen auch von einer inneren Lehre und haben keine Ahnung, wie sie mit all diesen Gefühlen umgehen sollen.

00:12:42: Und dann ist es halt leider oft so, dass wenn man was kontrollieren kann, ist es halt das Essen oder eben auch das Nicht-Essen.

00:12:49: Und weil das eben kurzfristig all diese Gefühle mal reguliert.

00:12:53: Das heißt, kurzfristig gibt es Sicherheit, gibt es Kontrolle, es ist wie eine Art Ventil für all diese Emotionen.

00:13:00: Und viele berichten oft auch, dass gerade die Magersucht total identitätsstiftend ist und sagen, was habe ich denn, wenn meine Essstörung nicht mehr da ist, wenn meine Anorexie nicht mehr da ist, wer bin ich dann?

00:13:13: Das heißt, es ist auch so ein Identitätsfaktor, der da noch dazukommt.

00:13:18: Das macht es jetzt auch nicht so leicht in der Behandlung, jemandem quasi einen Teil der Identität dann auch wieder wegzunehmen.

00:13:25: Und wenn wir noch kurz den Blick auch auf das Umfeld werfen, Freunde, Freundinnen, soziale Medien oder auch die Familie vermitteln oft ein bestimmtes Körperideal.

00:13:38: Und das ist ... vielleicht auch nicht immer ganz so leicht zu erreichen.

00:13:44: Das ist natürlich nicht in allen Familien so.

00:13:47: Ja, es sind jetzt immer nur Aspekte, die halt teilweise vorkommen, manchmal auch nicht.

00:13:52: Es gibt aber einfach einen, manchmal ein Umfeld, das sehr kritisch ist.

00:13:57: Es gibt einen Umfeld, wo eine Person manchmal auch gemobbt wird oder ausgegrenzt wird.

00:14:01: Und das sind Situationen, die einfach Ärgste und Unsicherheiten nochmal verstärken.

00:14:06: Und wenn wir da zum Beispiel auch auf queere Jugendliche schauen, für queere Jugendliche können da zum Beispiel noch weitere Belastungen hinzukommen wie die Angst vor Ablehnung oder auch so eine innerliche Botschaft, also eine innerliche negative Botschaft über die eigene Sexualität, man nennt das auch internalisierte Homo-Negativität.

00:14:31: Es vielleicht sogar eh homosexuell zu sein, okay ist, solange seinen selbst nicht betrifft.

00:14:36: Und viele haben dann Angst, wenn sie merken, oh, das stimmt, also stimmt was nicht, im Sinne von vielleicht bin ich doch nicht hetero, so wie andere, kann das total viel auslösen, wenn man das für sich vielleicht sogar abwärtet.

00:14:49: Und das schwächt das Selbstwertgefühl halt einfach noch mal zusätzlich und die Anfälligkeit erhöht sich auch hier dann für Essstörungen.

00:14:56: Das heißt, wenn die Identität sucht in der Jugend, Auch in eine Richtung geht, die die betroffene Person gar nicht möchte, kann halt eine Essstörung ein Fluchtweg sein.

00:15:09: Und was passiert, wenn die wieder wegfallen würde?

00:15:12: Dann müsste sich die Person mit diesen ursprünglichen Themen wieder befassen und vielen macht das einfach extrem viel Angst.

00:15:22: Und wenn wir also diese Aspekte jetzt mal zusammen denken, wird klar, warum die Behandlung von Anorexie aber auch anderen Formen von Essstörungen so herausfordernd ist.

00:15:31: Zum einen verändert das Hungern selbst das Gehirn, wie zuvor gesagt.

00:15:36: die Konzentrationsfähigkeit, die Lernfähigkeit, die Flexibilität gehen zurück und damit wird es schwer neue Sichtweisen aufzunehmen oder eben auch andere Verhaltensmuster zu verankern.

00:15:48: Zum anderen stabilisieren sich die Verhaltensweisen durch diese neuroadaptive Veränderung, die ich vorher erklärt habe.

00:15:56: Das heißt, das Gehirn gewöhnt sich an das Hungern oder auch an die Essernfälle und speichert sie als vermeintlich, ich würde sagen, funktionale Bewältigungsstrategie ab.

00:16:06: Auch wenn das das eigentlich nicht ist.

00:16:08: Gleichzeitig erfüllt die Anorexie aber auch psychologische Funktionen, sie vermittelt.

00:16:14: der Menschenkontrolle, es betäubt Emotionen und kann eben sogar identitätsstiftend sein.

00:16:21: Und schließlich fällt dann die Erkrankung auch noch eben in eine Lebensphase, in der der Mensch einfach besonders verletzlich ist.

00:16:31: In der Jugend, die Jugend ist eigentlich eine furchtbare Lebensphase, finde ich persönlich.

00:16:38: Man ist so unsicher und so auf der Suche nach sich selbst versteht sich oft nicht.

00:16:43: Man ist so unsicher.

00:16:45: Man will in Dingen gut sein, ist es dann aber wieder nicht.

00:16:47: Man muss so viele Rückschläge auch aushalten.

00:16:51: Der Druck von außen ist manchmal enorm groß und auch den gesellschaftlichen Erwartungen zu entsprechen ist echt nicht immer leicht.

00:17:00: Und eben all das Zusammenspiel von all diesen Faktoren.

00:17:06: von den biologischen über psychologische über soziale Faktoren.

00:17:10: Das macht die Anorexie so hartnäckig.

00:17:16: Ich hoffe, das war ein Nachvollziehbar.

00:17:18: Also, wenn all diese Dinge zusammenkommen, ist... die Essstörung einfach wirklich sehr, sehr hartnäckig und nicht etwas, was man so leicht einfach behandeln kann, sondern man muss da an so vielen Punkten ansetzen, um da langsam Schritt für Schritt eben rauszukommen.

00:17:34: Aber, und das ist wichtig auch, wenn die Behandlung schwer ist, ist sie halt einfach echt nicht unmöglich, es geht.

00:17:41: Je früher die Essstörung erkannt wird und umso früher sie behandelt wird, desto größer sind die Chancen, diese Krankheitsspirale zu unterbrechen und auch neue gesunde Entwicklungswege sozusagen eigentlich wieder frei zu legen und zugänglich zu machen.

00:17:57: Und genau darin liegt, finde ich, auch die Hoffnung, Heilung ist möglich.

00:18:02: Auch wenn der Weg dorthin echt viel Zeit braucht, es braucht Geduld und es braucht, finde ich, Hilfe, weil einfach dieser Mechanismus so, so stark ist.

00:18:13: Aber ich habe schon gesehen, wie Menschen auch aus einer wirklich schweren Anorexie herausgekommen sind.

00:18:20: Ja, das ist dann immer sehr, sehr schön.

00:18:24: Das war es nun auch mit dieser Folge.

00:18:26: Ich hoffe, es hat euch ein bisschen einen Einblick gegeben in die Behandlung und was es so schwierig macht und warum gerade die Behandlung von anorektischen Personen auch oft sehr lange dauert.

00:18:38: Vielen Dank fürs Zuhören und ich hoffe, du hörst auch in der nächsten Folge wieder mit rein.

00:18:42: Ich würde mich freuen und ich wünsche dir noch einen schönen Tag.

00:18:46: Tschüss!

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