Menschliche Grundbedürfnisse - was uns im Innersten bewegt

Shownotes

Was brauchen Menschen psychisch, um sich sicher, verbunden und stabil zu fühlen? In dieser Folge geht es um die vier menschlichen Grundbedürfnisse nach Klaus Grawe: Bindung, Orientierung und Kontrolle, Selbstwert sowie Lustgewinn und Unlustvermeidung. Wir schauen darauf, was passiert, wenn diese Bedürfnisse verletzt werden, und warum dieses Modell helfen kann, psychisches Leiden und auch Essstörungen besser zu verstehen.

IG: @psychotherapie.wien

Homepage: www.praxis-verhaltenstherapie.at

Links: Österreich: Essstörungshotline: https://www.wig.or.at/selbsthilfe-beratung/hotline-fuer-essstoerungen Österreichische Gesellschaft für Essstörungen: https://www.oeges.or.at/Essstoerungen/Hilfe-fuer-Betroffene/Beratungsstellen/

Deutschland: Hilfe bei Essstörungen: https://essstoerungen.bioeg.de/hilfe-finden/ Deutsche Gesellschaft für Essstörungen: https://www.dgess.de

Schweiz: Essstörungsinfos: https://www.pepinfo.ch/de/anlaufstellen/index.php Schweizer Gesellschaft für Essstörungen: https://sges-ssta-ssda.ch

Transkript anzeigen

00:00:01: Herzlich willkommen zu meinem Podcast Lebenskunst, dem Podcast über Essstörungen und allem was damit verbunden ist.

00:00:15: Hallo und herzlich Willkommen zu einer neuen Folge meines Podcasts Lebenskunsten!

00:00:20: Schön dass du da bist.

00:00:21: in dieser Folge geht es um ein Thema das in der Psychotherapie eine sehr wichtige Rolle spielt und unglaublich hilfreich sein kann wenn man menschliches Verhalten besser verstehen möchte.

00:00:31: und fahren das eigener.

00:00:32: Die menschlichen Grundbedürfnisse nach Klaus Grawe.

00:00:37: Vielleicht habt ihr schon einmal erlebt, dass ihr euch selbst in bestimmten Situationen nicht ganz versteht?

00:00:42: Warum euch Ablehnung so tief trifft?

00:00:44: Warum vielleicht aufs Unsicherheit euch so stark stresst?

00:00:47: Warum Kontrolle so beruhigend wirkt?

00:00:50: Warum Anerkennung so wichtig ist oder warum bestimmte Beziehungen sich so existenziell anfühlen?

00:00:56: Oft geht es dabei nicht nur um einzelne Auslöser oder konkrete Situationen.

00:01:01: Oft werden in solchen Momenten tiefe psychische Grundbedürfnisse berührt und genau darum soll es heute gehen, welche Grundbedörfnisse bestreiten Grabe?

00:01:10: Warum sind sie so bedeutsam?

00:01:12: Was passiert wenn Sie dauerhaft verletzt werden?

00:01:15: und wie kann dieses Wissen helfen sich selbst und auch psychische Erkrankungen besser zu verstehen?

00:01:20: Viel Spaß beim Hören!

00:01:28: Der Psychotherapieforscher Klaus Grawe hat die Annahme vertreten, dass es bestimmte psychische Grundbedürfnisse gibt, die für alle Menschen zentral sind.

00:01:38: So wie der Körper, Nahrung, Schlaf und Schutz braucht auch die psychiebestimmte Erfahrungen um sich sicher, um sich verbunden und innerlich stabil entwickeln zu können.

00:01:49: Und diese Bedürfnisse sind nicht einfach Luxus sondern sie sind auch nicht nur schön Wenn sie erfüllt sind, sondern sie sind grundlegende psychische Voraussetzung für Wohlbefinden.

00:02:02: Für Entwicklung und vor allem auch für die psychische Gesundheit!

00:02:06: Wenn diese Bedürfnisse ausreichend erfüllt werden entsteht meist eher ein Gefühl von Sicherheit oder auch so einer inneren Stabilität und Lebendigkeit.

00:02:17: Wenn diese bedürfnisse dauerhaft frustriert verletzt oder gar nicht erst richtig wahrgenommen werden kann das genau ins Gegenteil führen, nämlich zu einer inneren Anspannung.

00:02:29: Zu psychischem Leiden und langfristig auch zu psychischen Symptomen.

00:02:35: Grave beschreibt dabei vier zentrale psychische Grundbedürfnisse.

00:02:39: Das Bedürfen ist nach Bindung das Bedürfnis nach Orientierung und Kontrolle Das Bedürfnis nach Selbstwärterhöhung und Selbstwertschutz.

00:02:48: Und das Vierte ist, dass Bedürfeness nach Lustgewinn- und Unlustvermeidung.

00:02:53: Aber was bedeutet das jetzt überhaupt?

00:02:55: Das sind vier Bedürfe.

00:02:58: auf die ich jetzt nah an auf jeden Fall näher eingehen werde.

00:03:01: Diese vier Bedürfnisse wirken ständig eigentlich im Hintergrund unseres Erlebens und unseres Verhaltens, sie beeinflussen was wir suchen, was wir vermeiden, was uns verletzt oder vielleicht auch beruhigt und warum wir in bestimmten Situationen zu reagieren wie wir halt eben reagieren.

00:03:20: In dieser Folge möchte ich mit euch diese vier Grundbedürfnissen genauer anschauen.

00:03:24: Nicht Ich versuche es nicht trocken und theoretisch zu machen, sondern dass es deutlich ist was sie mit dem Alltag, mit Beziehungen, mit inneren Konflikten oder auch mit psychischen Erkrankungen WS-Störungen zu tun haben.

00:03:37: Beginnen wir mit der Bedürfnis nach Bindung.

00:03:41: Menschen sind Beziehungswesen sage ich immer.

00:03:44: Wir brauchen Verbindung!

00:03:46: Wir brauchen das Gefühl gesehen zu werden, angenommen zu werden.

00:03:51: Wir brauchen dieses Gefühl gemeint und emotional aufgehoben zu sein.

00:03:56: Und das beginnt nicht erst im Erwachsenenalter, sondern von Anfang an.

00:04:01: schon kleine Kinder sind darauf angewiesen dass jemand da ist, dass sie jemand beruhigt schützt spiegelt und vor allem zuverlässig reagiert ab der Geburt.

00:04:14: Bindung bedeutet dabei mehr als nur so soziale Kontakte zu haben.

00:04:19: Es geht nicht einfach darum von Menschen umgeben zu sein, sondern es geht um das Erleben von emotionaler Sicherheit in der Beziehung.

00:04:27: Um das Gefühl ich bin nicht allein!

00:04:29: Ich darf mich zeigen – ich darf da sein!

00:04:32: Ich werde nicht sofort zurückgewiesen wenn ich bedürftig oder mal traurig bin oder wütend oder verletzlich bin.

00:04:42: Und wenn dieses Bedürfnis gut erfüllt wird, entsteht oft so ein inneres Gefühl von Sicherheit.

00:04:48: Dann wird Beziehung nicht als etwas gefährlicheres erlebt sondern in Beziehungen treten als etwas Schönes, also etwas Positives oder auch eine Art Quelle und der man Trost findet oder Halt oder auch Menschen die einen dann regulieren weil man sich sowohl und so sicher fühlt mit diesen Personen.

00:05:09: Wenn das Bedürftnis nach Bindung aber immer wieder verletzt wird etwa durch Unzuverlässigkeit oder weil jemand sehr oft emotional kalt reagiert, weil man viel zurückgewiesen wird.

00:05:21: Oder auch Silent Treatment also Schweigen.

00:05:25: wenn man mit Schweigen bestraft wird ganz oft.

00:05:28: Instabilität oder auch Überforderung dann kann das ganz tiefe Spuren hinterlassen und Menschen meistens dann bereits schon so im Kinders- und Jugendalter entwickeln oft Schutzstrategien.

00:05:43: Manche klammern sich ganz stark an andere zum Beispiel und haben ganz große Angst vor dem Verlassen werden.

00:05:50: Andere ziehen sich zurück, machen sich sehr unabhängig oder lassen näher gar nicht erst richtig zu irgendwann ab einem gewissen Zeitpunkt.

00:05:59: Wieder andere passen sich extrem an um die Bindung ja nicht zu gefährden als eine starke Anpassung.

00:06:07: Auch bei Essstörern kann das Bedürfnis nach Bindung eine wichtige Rolle spielen.

00:06:11: Manchmal wird die Essstörung zu etwas, dass die Person emotional reguliert wenn menschliche Nähe beispielsweise vielleicht nicht sicher genug ist oder nicht sicher genügt erlebt wird.

00:06:25: Das Symptomgeschehen steht in einer engen Verbindung mit Angst, zu viel und bedürftig zu sein oder keinen sicheren Platz in der Beziehung zu haben.

00:06:35: Also die Essstörung als Hilfsmittel, dass man in dieser Beziehungen bleiben kann.

00:06:42: Bindung ist aber kein nettes Extra oder so sondern es ist wirklich ein ganz zentrales menschliches Grundbedürfnis.

00:06:53: Das zweite Grundbedürfnis ist das Bedürfnissen nach Orientierung und Kontrolle.

00:06:58: Menschen brauchen ein gewisses Maß an Vorhersieberkeit, wir müssen uns in der Welt irgendwie orientieren können – sonst sind wir verloren und es fühlt sich dann auch echt nicht gut an!

00:07:07: Wir brauchen ein bisschen das Gefühl einen Gespür dafür zu haben was passiert warum etwas passiert und ob wir Einfluss auf unser Leben nehmen können.

00:07:17: Dieses Bedürfen ist ganz eng verbunden mit Sicherheit.

00:07:21: wenn ich Ungefähr verstehe, was um mich herum geschieht wenn ich Zusammenhänge erfassen kann.

00:07:28: Wenn ich erlebe dass mein Handeln etwas bewirkt dann gibt das Stabilität es gibt einem ein Gefühl von Sicherheit und dass man die Situation der Welt oder gerade der Lebensrealität dem Ganzen nicht einfach ausgeliefert ist sondern dass man handlungsfähig ist, dass man ein Stück weit Kontrolle hat vorhersehbarkeit.

00:07:54: Wenn dieses Bedürfnis stark frustriert wird, zum Beispiel durch Chaos, durch Unberechenbarkeit, durch das Gefühl der Ohnmacht, durch wiederholte Kontrollverluste oder widersprüchliche Erfahrungen.

00:08:11: Dann entsteht oft eine starke innere Anspannung.

00:08:17: Menschen versuchen dann häufig Sicherheit irgendwie anders zu kriegen Sei es über Regeln, über eine starke Struktur, über viel organisieren.

00:08:28: Über sehr viele Wissensaneignungen, Planen verschiedenste Apps oder auch durch viel aufräumen sortieren Ordnung schaffen um einfach ein Gefühl von Kontrolle herzustellen.

00:08:44: gerade bei Essstörung ist dieses Bedürfnis oft sehr sichtbar Kontrolle über Essen Gewicht Bewegung über Routinen übers Kompensationsverhalten, da geht es nicht um Oberflächlichkeiten oder so.

00:09:00: Da geht es wirklich um ein starkes Bedürfnis nach Ordnung, nach Einfluss, nach innerer Stabilität was sonst einfach gerade nicht gegeben ist und wenn das Leben emotional unsicher überfordert Superkaotisch erlebt wird, kann Kontrolle über den Körper wie ein letzter Bereich erscheinen in dem noch zumindest irgendetwas stauerbar ist.

00:09:25: Das erklärt nämlich auch warum Kontrolle so beruhigend wirken kann und warum sie so schwer loszulassen ist weil es dann wichtige Aufgabe erfüllt.

00:09:32: Es ist der Versuch einen Grundbedürfnis zu erfüllen.

00:09:37: Und genau das kann gleichzeitig leider dann zur Falle werden, denn wenn Sicherheit fast nur noch über Kontrolle erlebt wird, wird das System in dem man sich befindet.

00:09:46: Das Leben, in dem er lebt immer enger und dann wird leider irgendwann die Kontrolle nicht mehr nur zu einer Hilfe sondern zu einem Zwang aus dem man dann nicht mehr so frei rauskommt.

00:10:01: Das Bedürfnis selbst ist also absolut kein Problem!

00:10:05: Problematisch wird es, wenn es dauerhaft nicht auf eine gesunde Weise erfüllt werden kann.

00:10:11: Also das Bedürfnis nach Orientierung und Kontrolle – und Sicherheit!

00:10:16: Und sich deshalb dann starre Schutzstrategien entwickeln.

00:10:22: Das dritte Grundbedürfnisse auch ein ganz wichtiges betrifft den Selbstwert.

00:10:28: Menschen brauchen das Gefühl wertvoll zu sein.

00:10:31: Du brauchst das ich brauche das alle anderen brauchen das auch.

00:10:35: Nicht perfekt.

00:10:36: Man muss auch wirklich nicht immer erfolgreich sein, aber im Kern als Person von Bedeutung.

00:10:43: Wir brauchen schon das Gefühl dass wir etwas können Dass wir gesehen werden, dass wir nicht nur Defizite oder Schwächen haben und wir brauchen Schutz vor Beschämung Vor Blossstellen Vor Abwertungen Und dem Gefühl vor allem nicht zu genügen.

00:11:02: Das Selbstzeit eines Menschen ist etwas sehr, sehr verletzliches.

00:11:08: Er hängt oft eng damit zusammen wie wir in früheren Beziehungen gespiegelt wurden, welche Erfahrungen wir mit Leistung gemacht haben – mit Kritik, mit Anerkennung, Zugehörigkeit – also alle Erfahrungen die wir da gemacht haben und welche inneren Überzeugungen sich daraus entwickelt haben.

00:11:27: Wenn das Bedürfnis nach Selbstwärtsschutz häufig verletzt wird kann das ganz, ganz unterschiedliche Folgen haben.

00:11:35: Aber es hat in der Regel Folgen.

00:11:37: Manche Menschen werden sehr leistungsorientiert zum Beispiel und versuchen ihren Wert ständig zu beweisen über gute Ergebnisse.

00:11:46: Andere ziehen sich zurück weil Kritik oder Vergleich kaum auszuhalten sind.

00:11:51: wie die anderen entwickeln einen sehr harten inneren Kritiker oder Kritikerin, der ständig bewertet kontrolliert und antreibt also meistens wirklich Eine ganz starke innere Stimme.

00:12:06: Auch Essstörungen sind oft eng mit Selbstwert verbunden, der Körper das Essen, die Disziplin und das Gewicht.

00:12:13: Irgendeine Zahl auf der Waage werden zu Faktoren, die über den Wert reguliert wird.

00:12:23: Dünn sein kann sich mit Erfolg anfühlen Kontrolle kann sich wie Stärke anfühlen.

00:12:28: Verzicht, wie Überlegenheit und eine Disziplin die anderen nicht aufbringen.

00:12:33: Umgekehrt können Essen, Gewichtszunahme oder auch Kontrollverlust ganz massive Charme dann auslösen.

00:12:39: Das bedeutet es geht häufig nie nur um den Körper Es geht um Würde, es geht um Vergleich, es ist geht um Anerkennung Und die Frage ob man sich selbst als genug erleben darf.

00:12:56: Und wenn der Selbstwert halt wirklich sehr fragil ist, wird das Leben oft sehr mühsam und sehr anstrengend.

00:13:01: Dann hängt viel davon ab wie man wirkt was man leistet, wie man im Vergleich dasteht oder ob man Fehler macht.

00:13:09: Und innere Ruhe wird dann schwer zu erreichen weil der eigene Wert sich nicht ganz sicher anfühlt.

00:13:14: Weil man immer in so einer achtsamen Stellung ist um zu schauen dass man ja nicht einknickt, dass man keinen Fehler macht dass man sich ja nicht die Blöße gibt irgendwie nicht gut genug zu sein Und dann kommt man nicht zur Ruhe.

00:13:27: Das Bedürfnis nach Selbstwert ist also ein zutiefst menschliches und wir haben es alle!

00:13:35: Das vierte Bedürftnis, das ich am Anfang genannt habe, ist das Bedürfenes nach Lustgewinn-und Unlustvermeidung.

00:13:43: Was bedeutet das?

00:13:44: Menschen streben natürlicherweise eher nach angenehmer Erfahrungen und versuchen unangenehme Zustände eh zu vermeiden oder zu reduzieren.

00:13:56: Das ist erstmal sehr nachvollziehbar.

00:13:57: Wir suchen natürlich Freude, Entlastung, Genussruhe, Spaß, Nähe, Lebendigkeit und Leichtigkeit – und versuchen im gleichen Zug Schmerz zu vermeiden, Angst über Forderungsscham oder innere Anspannung möglichst nicht zu spüren, möglichst nicht allzu lange aushalten zu müssen!

00:14:19: Dieses Bedürfnis ist sehr grundlegend und beeinflusst unglaublich viel Verhalten, oft auch sehr unbewusst.

00:14:26: Das Problem ist nicht jede Form von Unlustvermeidung ist langfristig hilfreich – kurzfristig kann etwas sehr entlastend wirken, langfristiger Probleme aufrechterhalten.

00:14:38: Und genau das sieht man bei vielen psychischen Erkrankungen, auch bei Essstörungen!

00:14:42: Restriktion also dass wenig essen?

00:14:47: Kann kurzfristige Gefühle

00:14:49: dämpfen?!

00:14:50: Es kann Anspannung reduzieren und eben auch ein vermeintliches Gefühl von Kontrolle geben.

00:14:56: Essentfälle können kurzfristig beruhigen oder eine Lehre füllen, es kann betäuben.

00:15:02: Erbrechen oder andere Kompensationen.

00:15:05: das kann kurzfristige Angst reduzieren vor einer möglichen Gewichtszunahme zum Beispiel oder auch eine Art Wiedergutmachung sein, oder ein Gefühl von Erleichterungen dann geben.

00:15:18: Dass da es einen Fall von davor quasi wieder auf Null gesetzt wird.

00:15:23: und all diese Verhaltensweisen erfüllen oft zumindest vorübergehend die Funktion im Sinne der Unlustvermeidung.

00:15:32: Das macht sie so wirksam und leider auch oft sehr schwer aufzugeben.

00:15:38: Denn wenn ein Verhalten kurzfristig Entlastung bringt, wird das von unserer Psyche leicht verstärkt.

00:15:46: Wie finden es angenehm?

00:15:48: Es wird mit etwas Positiven abgespeichern – auch wenn es langfristig schädlich ist!

00:15:52: Aber da sind wir meistens oft ganz kurz nur im Denken oder wie fühlen nicht weit.

00:15:58: Unser Gehirn merkt sich, ah, das bringt Entlastungen wunderbar und das geht relativ schnell, dann ist das erledigt.

00:16:04: Das speicher ich

00:16:05: ab.".

00:16:06: Und diese langfristigen Konsequenzen sind in dem Moment einfach nicht relevant.

00:16:12: Umgekehrt kann das Bedürfnis nach Lust gewinnen, bei manchen Menschen kaum noch Raum bekommen weil die Unlustvermeidung also die Vermeidung von Schmerz und anderen Gefühlen so die Überhand gewinnt.

00:16:26: Gerade wenn jemand beginnt Dinge ganz stark zu kontrollieren oder bei Depressionen, Essstörungen, Zwangsstörungen chronischem Stress.

00:16:37: Ich kann mich nicht erinnern, wenn ich das letzte Mal was Genussvoll gemacht habe oder als Genuss voll erlebt hab.

00:16:43: Leichtigkeit ist oft auch nicht wirklich da.

00:16:47: Freude wird oft misstrauisch betrachtet oder gar nicht mehr richtig gespürt und das Leben wird dann eh herfunktional.

00:16:57: aber es bleibt halt leider leer weil andere Momente, andere Situationen usw.. nicht mehr diese Möglichkeit haben, dazu sein.

00:17:08: Spaß, Freude, Erfahrungen sammeln im positiven Sinne – das ist dann nicht mal ganz so vorhanden!

00:17:15: Auch das ist wichtig zu sehen finde ich.

00:17:17: Psychische Gesundheit bedeutet nicht nur Symptome zu reduzieren sie bedeutet auch wieder Zugang zu positiven Erfahrungen zu bekommen eben zur Lust, zur Lebendigkeit, zur Verbundenheit, zu Genuss und zu Freude.

00:17:30: Wenn wir diese vier Bedürfnisse zusammen betrachten wird deutlich Es sind keine isolierten Kategorien, es hängt alles immer irgendwie zusammen.

00:17:41: Wer wenig sichere Bindung erlebt hat oft auch Probleme mit Selbstwert.

00:17:44: Wer sich innerlich unsicher fühlt sucht vielleicht stärker nach Kontrolle.

00:17:49: Wer sie stark schämt für viele Dinge vermeidet eher unangenehme Gefühle, vielleicht durch Symptome die dann entwickelt werden.

00:17:57: Wer weniger Lust und Lebendigkeit erlebt klammert sich vielleicht auch stärker an Leistung nach oder klammert sie stärker an Ordnung, oder zieht sich zurück.

00:18:07: Wenn Grundbedürfnisse über längere Zeit nicht ausreichend erfüllt werden entsteht häufig einfach eine Art innere Daueranspannung.

00:18:16: und es ist eh logisch jeder von uns entwickelt dann natürlich Strategien um mit dieser Spannung umzugehen weil irgendwas muss man ja tun.

00:18:25: Und diese Strategien sind zunächst eigentlich auch immer sinnvoll Sie schützen, stabilisieren, helfen, irgendwie damit zurechtzukommen.

00:18:35: Und das Problem ist ja nur dann da eigentlich, wenn sich Strategien verfestigen die irgendwann dann starre werden und sich nicht mehr verändern lassen.

00:18:47: Und einen Menschen wie in ein Korsett zwingen wo sich der Mensch nicht mehr bewegen kann weil dann wird es auf Dauer sehr belasten.

00:18:54: Bei einer Essstörung kann das zum Beispiel eine Strategie sein um Kontrolle zu sichern selbstwert zu regulieren Bindungskonflikte zu umgehen dass man gar nicht erst streitet Unlust zu vermeiden.

00:19:06: andere Menschen entwickeln starke Anpassung, Rückzug, Perfektionismus, ständige Selbstkritik oder auch eine Art emotionale Abspaltung.

00:19:15: Das heißt nicht dass man psychische Symptome von einziges unerfülltes Bedürfnis reduzieren kann.

00:19:19: so einfach ist es natürlich nicht.

00:19:21: aber ich finde das Modell von Grave hilft tiefer zu verstehen worum es eigentlich geht und hinter vielen Symptomen stehen nicht einfach falsche Verhaltensweisen sondern Versuche zentrale menschliche Bedürfnisse irgendwie zu regulieren.

00:19:39: Und ich finde anhand der Bedürfenesse, sich Dinge anzuschauen ist deswegen so hilfreich weil es weg führt von moralischen Bewertungen.

00:19:47: Statt zu fragen warum bin ich so schwierig?

00:19:49: Warum reagiere ich so über?

00:19:51: Warum bekomme ich das nicht hin?

00:19:53: Kann man anfangen zu fragen welches Bedürftnis ist hier gerade berührt worden?

00:19:58: Worum geht es eigentlich auf einer tieferen Ebene?

00:20:01: Vielleicht geht es gar nicht um das Essen sondern die Kontrolle, vielleicht nicht nur um Kontrolle sondern auch um Angst.

00:20:08: Vielleicht nicht nur Umangst, sondern auch Umbindung oder Selbstwert.

00:20:14: Diese Perspektive macht Verhalten nicht automatisch einfacher aber es gibt einem ein Stück weit Verständlichkeit und ich finde man kriegt ein bisschen mehr die Chance vielleicht auch irgendwann mit fühlender Mit sich selbst umzugehen.

00:20:31: Auch in der Therapie ist das bedeutsam denn Veränderung gelingt ja oft nicht dadurch, dass Symptome einfach bekämpft werden.

00:20:39: Also natürlich arbeitet man auf Symptom orientiert aber das alleine ist auch nicht ausreichend sondern es geht schon noch darum, das dahinter zu verstehen.

00:20:48: welchen ... das einfach auch verstanden mit welchem Sinn diese Symptomen haben welchen Sinn diese Erkrankung hat was die zugrunde liegende Bedürfnisse sind und wie können diese Bedürfenisse auf andere gesündere Weise erfüllt werden?

00:21:06: Wenn jemand zum Beispiel über Kontrolle Sicherheit sucht, dann reicht es nicht zu sagen lasst die Kontrolle los.

00:21:12: Dann braucht das Wege Sicherheit anders zu erleben.

00:21:14: Wenn jemand über den Körper selbst wird reguliert, dann braucht er andere Erfahrungen von Wert und andere Punkte die auch wichtig sind.

00:21:25: also darüber identifiziere ich mich.

00:21:27: Da geht es ganz viel auch um Identität und Identitätsentwicklung.

00:21:32: Wenn jemand Symptome nutzt, um Unlust zu vermeiden, dann braucht das neue Möglichkeiten im Umgang mit Gefühlen!

00:21:38: Dann braucht es Strategien die langfristig nicht schaden – andere Strategien.

00:21:42: Und wenn Bindung unsicher ist, dann brauchen oft korrigierende Beziehungserfahrungen eventuell gezielte Traumaarbeit.

00:21:51: Das macht Therapie so komplex aber auch sinnvoll.

00:21:56: Genau Also, vielleicht könnt ihr aus dieser Folge vor allem eines mitnehmen hinter vielen was der Mensch so fühlt.

00:22:02: Was du so fühlst und was ich so fühle oder was man so tut steht oft auch ein sinnvolles Bedürfnis, auch wenn die Art damit umzugehen leidfolge worden ist.

00:22:13: Und das ist ein wichtiger Unterschied.

00:22:15: Ein Bedürftnis ist nicht falsch!

00:22:17: Das Bedürfenis nach Nähe ist nicht falsch!

00:22:19: Das bedürfenes nach Kontrolle ist ebenfalls nicht

00:22:22: falsch!!

00:22:25: Nach Selbstwärtsschutz ist nicht falsch und auch das Bedürfnis Schmerz zu vermeiden, ist nicht falsch.

00:22:32: Die Frage ist eher wie versuche ich dieses Bedürfenes zu regulieren?

00:22:37: Hilft mir das langfristig oder kostet es mich auf Dauer mehr als es mir

00:22:41: gibt?".

00:22:45: Und manchmal kann es schon zumindest eine erste Reflexion sein wenn man sich fragt was brauche ich gerade eigentlich wirklich?

00:22:55: Geht es hier um Bindung?

00:22:56: Geht das hier um Sicherheit und was geht es hier?

00:23:02: Solche Fragen führen oft ein bisschen weg von dieser Oberflächlichkeit zu etwas tieferen, worum es vielleicht dann tatsächlich geht.

00:23:09: Aber ab einer bestimmten Belastung würde ich wirklich empfehlen da einfach sich auch professionell begleiten zu lassen, um das in einem geschützten Rahmen aufarbeiten zu können.

00:23:23: Genau!

00:23:24: Danke, dass ihr heute zugehört habt.

00:23:26: Vielleicht hat euch diese Folge geholfen, euch selbst oder andere ein Stück besser zu verstehen?

00:23:31: Vielleicht konntet ihr an der einen oder anderen Stelle erkennen das hinter bestimmten Reaktionen nicht einfach Schwierigkeit steckt sondern etwas sehr grundlegendes ja menschliches.

00:23:40: Ich freue mich auf jeden Fall, dass du bis zum Schluss zugehört hast.

00:23:44: Passt generell alle gut auf euch auf und bis zur nächsten Folge Tschüss!

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