Selbstmitgefühl als Werkzeug in der Behandlung
Shownotes
Die innere Kritikerin ist laut, der Selbstwert brüchig, Fehler werden kaum verziehen – viele Menschen mit Essstörungen kennen das. In dieser Folge geht es um Selbstmitgefühl: was es wirklich bedeutet, warum es kein Selbstmitleid ist und weshalb ein freundlicherer Umgang mit sich selbst ein wichtiger Teil von Genesung sein kann. Eine Folge über innere Härte, Scham und die Frage, wie Veränderung ohne Selbstbestrafung möglich wird.
IG: @psychotherapie.wien
Homepage: www.praxis-verhaltenstherapie.at
Links: Österreich: Essstörungshotline: https://www.wig.or.at/selbsthilfe-beratung/hotline-fuer-essstoerungen Österreichische Gesellschaft für Essstörungen: https://www.oeges.or.at/Essstoerungen/Hilfe-fuer-Betroffene/Beratungsstellen/
Deutschland: Hilfe bei Essstörungen: https://essstoerungen.bioeg.de/hilfe-finden/ Deutsche Gesellschaft für Essstörungen: https://www.dgess.de
Schweiz: Essstörungsinfos: https://www.pepinfo.ch/de/anlaufstellen/index.php Schweizer Gesellschaft für Essstörungen: https://sges-ssta-ssda.ch
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00:00:01: Herzlich willkommen zu meiner Podcast Lebenskunst, dem Podcast über Essstörungen und allem was damit verbunden ist.
00:00:15: Hallo und herzlich Willkommen zu einer neuen Folge meines Podcasts Lebenskunstes Störungen im Fokus!
00:00:21: Mein Name ist Katja Und in der heutigen Folge geht es um das Thema Selbstmitgefühl.
00:00:27: Vielleicht löst dieser Begriff bei manchen sofort etwas Positives aus, vielleicht gibt es aber auch Skepsis denn selbst mit Gefühl wird manchmal missverstanden als etwas zu softes, selbst mit Leid oder seine Haltung die dazu führen könnte sich nicht mehr anzustrengen.
00:00:45: Genau darum soll es heute gehen, was selbst mit Gefühl eigentlich bedeutet.
00:00:48: Warum es gerade bei Essstörungen so wichtig sein kann und weshalb es in der therapeutischen Arbeit oft auch ein zentraler Baustein ist – besonders vor allem dann wenn die innere Kritikerin oder der innere Kritiker sehr laut ist, der selbstwert brüchig ist und der Umgang mit sich selbst v.a.
00:01:06: von Härte geprägt ist.
00:01:14: Wenn Menschen an eine Essstörung denken steht, von außen oft zuerst das Verhalten im Vordergrund.
00:01:21: Doch wenn man genauer hinschaut, merkt man schnell es ist wesentlich mehr.
00:01:26: Sie haben also betroffen, haben fast immer auch mit inneren Bewertungen zu kämpfen – mit Charme und Selbstkritik, mit dem Gefühl nicht gut genug zu sein, mit einem sehr harten Blick auf sich selbst, Schwierigkeiten im Umgang mit Gefühlen, im Alltag oder in verschiedenen
00:01:43: Belastungssituationen.".
00:01:45: Und viele Betroffene erleben innerlich einen ganz enormen Druck.
00:01:49: Sie haben das Gefühl, vielleicht stark sein zu müssen sich zusammenreißen zu müssen immer funktionieren zu müssen.
00:01:55: Fehler werden kaum verziehen schwächer oder Schwächen haben sollte eigentlich nicht sein.
00:02:00: es wird eh ja weniger als etwas menschliches erlebt sondern tendenziell eher als persönliches versagen.
00:02:07: und genau in diesem inneren Klima kann selbst mit Gefühl eine wichtige Rolle spielen Denn wenn der Umgang mit sich selbst v.a.
00:02:14: aus Kritik, Auskontrolle und Abwertung besteht dann wird die Genesung zusätzlich erschwert.
00:02:21: nicht weil Selbstkritik der einzige Grund für eine S-Störung wäre das ist es nicht aber weil sie häufig schon ein Faktor ist der die Erkrankungen mit aufrechterhält.
00:02:33: Und Selbstmitgefühl bedeutet in diesem Zusammenhang nicht die S-Steuerung zu verharmlosen.
00:02:38: Das ist mir total wichtig anzumerken.
00:02:40: Selbstmitgefühl bedeutet auch nicht, alles einfach so anzunehmen wie es ist.
00:02:45: Es bedeutet auch Nicht Anforderungen aufzugeben oder Entwicklung unwichtig zu finden.
00:02:51: Vielmehr geht das eher darum eine andere innere Haltung zu entwickeln – eine Haltung die ein bisschen weniger von härter geprägt ist und ein bisschen mehr mit Verständnis einhergeht.
00:03:07: Und gerade deshalb ist Selbstmitgefühl in der Behandlung von Essstörungen nicht nur ein netter Zusatz, sondern schon auch ein sehr wichtiges therapeutisches Werkzeug.
00:03:19: Aber was bedeutet Selbstmit-Gefühle überhaupt?
00:03:21: Wenn von selbst mit Gefühl gesprochen wird, ist damit gemeint sich selbst in schwierigen Momenten mit Verständnis und Freundlichkeit und Fürsorge zu begegnen so... wie man es vielleicht bei einem geliebten Menschen, einer guten Freundin, einem guten Freund tun würde.
00:03:39: Das klingt zunächst einfach!
00:03:41: In der Praxis ist es aber für viele Menschen alles andere als selbstverständlich.
00:03:47: Viele können sehr mitfühlend mit anderen sein – sie können super viel Verständnis zeigen, Trost spenden, Geduld haben... Aber wenn es dann um Sie selbst geht verändert sich der Tonfall sofort Denn wird die Sprache härter, es wird vordener, abwertender.
00:04:04: Fehler werden so viel strenger beurteilt, Schwächen werden weniger verziehen, Leid wird eher kritisiert als gehalten.
00:04:14: und Selbstmitgefühl bedeutet das diesen Unterschied wahrzunehmen und schrittweise einen anderen Umgang mit sich selbst zu entwickeln.
00:04:25: Die Psychologin Christine Neff, die das Konzept des Selbstmitgefühls unter anderem geprägt hat, beschreibt da drei zentrale Elemente.
00:04:33: Das erste ist die Achtsamkeit – damit es gemeint, dass eigene Leiden überhaupt mal wahrzunehmen ohne es direkt zu bewerten, ohne sofort wegzudrücken und zu bagatellisieren oder sich vollständig darin zu verlieren.
00:04:46: Achtsamtkeit heißt in diesem Zusammenhang, da ist gerade Schmerz, da sind Überforderungen, da isst Charme, da iss Angst.
00:04:54: Es geht also darum, das innere Erleben zu bemerken ohne gleich dagegen anzukämpfen oder sich von diesem Gefühl mitreißen zu lassen.
00:05:04: Das zweite Element ist das gemeinsame Menschsein.
00:05:07: dahinter steht die Erkenntnis dass Schmerz- oder Fehlerunsicherheit und Verletzlichkeit zum Menschsein dazugehören.
00:05:15: Menschen leiden, Menschen scheitern, Menschen fühlen sich manchmal überfordert und nicht gut genug.
00:05:20: Das ist kein Markl, sondern Teil menschlicher Erfahrung.
00:05:24: Gerade bei Essstörungen wo Charme und Isolation oft so eine große Rolle spielen finde ich kann dieser Gedanke entlastend sein.
00:05:32: Viele Dinge sind menschlich!
00:05:35: Und das dritte Element ist die Selbstfreundlichkeit.
00:05:37: gemeint es damit so ein eher wohlwollender unterstützender Umgang mit sich selbst besonders dann wenn es vor allem sehr schwer ist.
00:05:44: also an stelle von setzen wie warum bekomme ich das wieder nicht hin?
00:05:47: Was stimmt schon wieder nicht mit mir?
00:05:49: Könnte irgendwann vielleicht entstehen, boah das ist gerade schwer.
00:05:54: Ich leide gerade dass es gerade echt schwer auszuhalten aber ich muss mich dafür nicht auch noch bestrafen.
00:06:03: Selbst Mitgefühl bedeutet also nicht sich einfach gut zu reden sondern es ist eine Form einer Beziehung zu sich selbst, eine Art sich selbst nicht zusätzlich zu verletzen wenn ohnehin schon Schmerz da ist.
00:06:20: Und gerade weil der Begriff manchmal auch missverstanden wird, ist es vielleicht euch wichtig zu klären was Selbstmitgefühl nicht bedeutet.
00:06:26: Es ist Nicht-Selbst-Mitleid.
00:06:28: Selbstmitleid kreist oft stark um das eigene Leid und kann mit einem Gefühl der Ohnmacht anhergehen.
00:06:34: Selbst Mitgefühl hingegen verbindet!
00:06:37: Es sagt nicht nur ich habe es so schwer, es sagt es ist schwer und es schwer zu haben gehört jetzt grad dazu.
00:06:47: Das habe ich jetzt gerade in meinem Alltag und es gehört vielleicht auch zum Menschsein.
00:06:51: Selbstmitgefühl ist auch nicht Gleichgültigkeit, das bedeutet nicht Probleme kleinzureden oder sich nicht weiterentwickeln zu wollen – ganz im Gegenteil!
00:07:02: Wer mit sich selbst freundlich umgeht schafft oft erst diese innere Sicherheit die es braucht damit man überhaupt in eine Veränderung gehen kann.
00:07:13: Und selbst mit Gefühl ist auch nicht Nachgebigkeit.
00:07:16: Viele Menschen haben Angst, dass sie ohne innere Härte die Kontrolle verlieren würden.
00:07:21: Dass sie dann faul und undiszipliniert und schwach werden wenn sie ein bisschen freundlicher mit sich wären.
00:07:27: Diese Sorge ist verständlich ich kann es auch nachvollziehen aber meine persönliche Erfahrung in meiner Arbeit ist das oft nicht ganz so zutreffend ist Denn in Wirklichkeit führt innere Herter nicht automatisch zu einer gesunden Entwicklung.
00:07:44: Sehr oft führt sie zu noch mehr Scham, noch mehr Druck, nochmal Rückzug und nochmal Symptomatik.
00:07:51: Und selbst mit Gefühl kann dagegen helfen Verantwortung zu übernehmen ohne sich dabei aber selbst zu zerstören.
00:07:59: Es ist also nicht das Gegenteil von Veränderungsbereitschaft, sondern ich finde es kann eher die Grundlage dafür sein.
00:08:09: ist selbst mit Gefühl bei Essstörungen so wichtig.
00:08:13: Viele Personen, die zu mir in der Praxis kommen haben einen so harten inneren Kritikerin und hart das innere Klima.
00:08:24: Und viele beschreiben dass sie sehr streng mit sich selbst sind, dass sie sich kaum Fehler erlauben, dass ihr Selbstwert stark davon abhängt ob Sie etwas richtig gemacht haben.
00:08:34: Egal um was es jetzt geht, ob in der Schule oder in der Lehre, in der Arbeit wenn es um den Körper geht, ums Essen oder sonst irgendwas.
00:08:42: Leistung!
00:08:44: Die Erststörung ist dabei nicht nur ein Symptom sondern auch Ausdruck von dieser inneren Dynamik, Ausdrucks von diesem Inneren Gespräch.
00:08:52: und die Kontrolle der Verzicht oder der Perfektionismus oder Selbstbestrafung stehen häufig in einem ganz engen Zusammenhang mit dem Umgang mit sich selbst, der eben oft ganz fordernd ist.
00:09:06: Gerade deshalb finde ich es selbst mit Gefühl so relevant.
00:09:09: Es setzt nicht nur an der Oberfläche an, sondern an einer tieferen Ebene an der Art wie ein Mensch innerlich mit sich in Beziehung steht!
00:09:16: Wenn jemand gelernt hat, sich selbst fast nur über Leistungen oder Anpassungen oder Kontrolle einen Wert zu geben, dann ist selbst mit Gefühlen zunächst sowas von fremd.
00:09:26: Manchmal sogar super bedrohlich und ganz unangedehm – und es fühlt sich vielleicht auch sehr unverdient an… Oder schwach?
00:09:33: ungewohnt oder wie etwas, das man sich erst verdienen müsste.
00:09:37: Und genau darin zeigt sich oft, wie wichtig es wäre!
00:09:41: Denn die Genesung von einer Essstörung bedeutet nie eigentlich nur dieses blöde Essverhalten zu verändern – es bedeutet auch die innere Haltung zu sich selbst zu verendern Weg von permanenter Härte, weg von dieser massiven Bestrafung.
00:09:59: Weg von einem Selbstwert der an Bedingungen geknüpft ist hin zu einer Beziehung mit sich selbst und das ist nicht einfach wenn man es lange anders gemacht hat aber es ist oft ein ganz wichtiges Werkzeug oder ein zentraler Teil im Genesungsprozess.
00:10:20: natürlich ist es nicht alles Aber es ist halt eine wichtige Aspekt meines Erachtens Und ein wichtiger Punkt in diesem Zusammenhang ist das Selbstwert.
00:10:28: Viele Menschen mit Essstörungen erleben ihren Selbstwert als instabil oder als brüchig, dass Gefühl wertvoll zu sein hängt dann häufig stark von äußeren kontrollierbaren Faktoren ab – vom Gewicht, vom Zahl auf der Waage, vom Aussehen wie die Kleidung fällt, vom Essverhalten, von der Schrittanzahl und der Leistung, von einer Disziplin oder davon wie andere reagieren.
00:10:51: Das Problem daran ist, dass an solher Selbstwert sehr verletzlich ist, also sehr vulnerabel.
00:10:57: Und er schwankt schnell und er erzeugt oft einen ganz enormen inneren Druck.
00:11:05: Ein Selbstwert, der nur auf Leistung und Kontrolle aufbaut bleibt oft fragil.
00:11:30: Selbst Mitgefühl kann helfen eine stabilere innere Basis zu entwickeln.
00:11:36: Und es werden nicht alle Unsicherheiten dann sofort verschwinden.
00:11:39: natürlich nicht sondern weil der eigene Wert ja... wie soll ich sagen?
00:11:44: Der eigene Wert ist dann nicht mehr ausschließlich davon abhängig ob alles gelingt Und gerade bei Essstörungen, wo Schamvergleich Selbstabwertung oft sehr präsent sind kann das eine ganz wichtige Veränderung sein.
00:12:01: Viele Menschen mit Essstörung kennen einfach eine ganz starke innere Kritikerin oder einen inneren Kritiker der so laut ist und quasi sie innerlich anschreit und die Stimme bewertet und die stimme kontrolliert und treibt an und beschämt und bestraft Du bist nicht gut genug, du hast keine Kontrolle.
00:12:21: Du müsstest disziplinierter sein!
00:12:23: Du darfst nicht schwach
00:12:24: sein.".
00:12:26: Diese innere Stimme entsteht auch nicht einfach aus dem Nichts.
00:12:31: Oft hat diese Stimme schon eine Geschichte.
00:12:33: Sie kann mit frühen Erfahrungen zusammenhängen – mit Leistungserwartungen von außen und mit Scham oder verinnerlichtem Botschaften aus dem Umfeld oder mit dem Versuch darüber Kontrolle oder Sicherheit herzustellen.
00:12:48: Und auch wenn diese Stimme oft verletzend ist, hat sie in vielen Fällen ursprünglich auch wieder mal eine Funktion gehabt.
00:12:53: Sie wollte vielleicht vor etwas schützen.
00:12:55: Vor Ablehnung, vor Fehlern, vor Vorm Scheitern, vorkontrollverlust, vielleicht vor Schmerzen, vor dem Geschimpft werden oder vor enttäuschenden Blicken.
00:13:05: In der Therapie geht es deshalb nicht immer darum, die Stimme einfach weg zu machen.
00:13:09: Es geht eher darum, sie halt zu verstehen ihren Einfluss zu erkennen und die Entstehungsgeschichte zu verstehen nach und nach vielleicht eine andere innere Stimme an die Seite zu stellen, quasi zusätzlich zu ergänzen.
00:13:28: Und genau hier kommt wieder selbst mit Gefühl ins Spiel.
00:13:30: Selbst mit Gefühl stärkt eine innere Haltung weniger verurteilend mehr unterstützend.
00:13:36: Es hilft innerlich einen Ton zu entwickeln der nicht antreibt durch Angst sondern eher durch Verständnis Nicht ein jetzt dreist dich zusammen sondern okay Du hast gerade vielleicht Angst, es fällt dir gerade schwer.
00:13:52: Aber was ist das jetzt, was du brauchst um durch diese Situation durchzukommen?
00:13:57: Das klingt manchmal als nichts – also wäre es nichts!
00:14:03: Ist das aber nicht.
00:14:03: und die Art wie Menschen innerlich mit sich umgehen, innerlich mitsich sprechen hat schon einen Einfluss darauf, wie sie Belastungen verarbeiten, wie man mit Rückschlägen umgeht und ob Sie sich selbst als jemanden erleben der Unterstützung verdient.
00:14:19: Und viele glauben eben, dass diese Selbstkritik notwendig ist.
00:14:23: Dass sie nur deshalb funktionieren und nur deshalb kämpfen, nur deshalb nicht aufgehen weil sie so streng mit sich sind.
00:14:32: Gerade wenn Härte an Leistung über Jahre zusammengehört haben kann Freundlichkeit zu sich selbst zunächst wirklich eher als gefährlich anfühlen also ob man dadurch viel zuviel verlieren würde.
00:14:44: Aber langfristig ist die Selbstkritik halt überhaupt kein hilfreicher Motor, ganz im Gegenteil.
00:14:48: Es macht unglaublich müde und verhindert oft sogar je nach Ausprägung auch Erfolg weil irgendwann da die eigene Erwartungshaltung so hoch ist dass man Dinge vielleicht gar nicht mehr erst beginnen möchte.
00:15:03: Und selbst Kritik verstärkt auch ganz massiv Schamgefühl Und Scham wiederum ist bei Essstörung oft auch so ein zentraler Faktor.
00:15:12: Wer sich schämt, zieht sich halt zurück.
00:15:14: wer sich innerlich abwärtet greift eher auf alte Bewältigungsstrategien zurück weil man ist es ja nicht wert das neue auszuprobieren diese Anstrengung für sich selbst zu tun.
00:15:24: und wer ständig das Gefühl hat nicht gut genug zu sein erlebt Veränderungen halt nicht als Entwicklung sondern dann klappt das halt einfach nicht.
00:15:33: Dann ist es eh ein Gefühl von Scheitern Und selbst mit Gefühl ist ein Werkzeug.
00:15:41: Es ist ein Aspekt in der Behandlung, der integriert werden kann und das ist natürlich nicht das aller Heilmittel.
00:15:48: es reduziert nicht automatisch alle Symptome aber es schafft einen inneren Rahmen eine innere Beziehung in der vielleicht das Leben ein bisschen weniger von Angst geprägt ist und ein bisschen mehr von Fürsorge vielleicht getragen wird.
00:16:08: Und gerade das kann in so Rückschlagsmomenten, finde ich sehr wichtig sein.
00:16:12: Denn Rückfälle oder schwierige Phasen werden häufig nicht besser dadurch, dass ein Mensch sich noch härter verurteilt – ganz im Gegenteil!
00:16:19: Es braucht gerade da dann Stabilität Verständnis und einen Blick der nicht sofort alles als Versagen interpretiert.
00:16:30: Und selbst mit Gefühlspiel glaube ich in vielen therapeutischen Ansätzen eine zunehmend wichtige Rolle.
00:16:35: Es ist als eigenes Wort im Mittelpunkt, aber inhaltlich taucht das in vielen Behandlungen auf.
00:16:42: Zum Beispiel dann wenn es um den Umgang gerade mit Charmeben und Perfektionismuskörperbild oder Rückfallen geht... Es gibt auch spezifische Ansätze und Übungen, die gezielt mit Selbst-Mitgefühl arbeiten.
00:16:54: Dazu gehören Elemente aus achtsamkeitsbasierten Verfahren – Mitgefühlstraining oder therapeutischen Methoden, die die innere Kritikerin oder den inneren Kritiker in den Blick nehmen.
00:17:05: Der Hintergrund ist klar wenn jemand gelernt hat sich selbst über Härte zu steuern dann braucht das oft eine neue innere Erfahrung Die Erfahrung, dass Veränderung auch ohne Abwertungen möglich ist.
00:17:16: Dass es möglich ist, Grenzen wahrzunehmen und sich dafür zu hassen, dass Verantwortung übernommen werden kann, ohne in Selbstverachtung zu kippen.
00:17:26: Gerade in der Behandlung von Essstörungen ist das wertvoll weil viele Symptome mit Selbstbestrafung, unglaublich starker Kontrolle, Einschränkungen und Scham verbunden sind.
00:17:37: Und selbst Mitgefühl wirkt dann nicht als Ersatz... für Therapie, sondern es ist ein Werkzeug innerhalb des therapeutischen Prozesses und kann eben helfen gerade Rückschläge oder Rückfälle an das Einzuordnen.
00:17:50: Es kann die Bereitschaft fördern Hilfe anzunehmen, es kann den Umgang mit dem Körper ein bisschen weicher machen, es eine Grundlage schaffen auf der einen stabilerer Selbstwert überhaupt mal wachsen kann.
00:18:02: Und weil das alles total schwierig ist braucht es oft viele kleine Schritte.
00:18:08: Genau.
00:18:09: Und auch hier gilt es dann wiederum nicht, es geht nicht um Perfektion.
00:18:12: Es geht nicht darum sich sofort zu lieben – es geht hier auch nicht um Liebe per se, sondern nur mal darum ein bisschen sanfter mit sich umzugehen.
00:18:23: Ein bisschen mehr Wärme!
00:18:26: Genau.
00:18:28: Also Selbstmitgefühl bedeutet sich selbst in schwierigen Momenten mit Freundlichkeit und Achtsamkeit, mit Verständnis zu begegnen.
00:18:35: Gerade bei Essstörungen ist das wichtig weil dieser innere Kritiker oft so laut schweigt und das Selbstwert häufig stark an das Außengeknüpft ist.
00:18:45: Und selbst mit Gefühl ist eben kein Selbstmitleid, keine Nachgiebigkeit sondern es ist eine innere Haltung, eine Beziehung zu sich selbst was die Selbstabwertung und die Härte verringern soll.
00:19:01: Vielleicht liegt ein wichtiger Gedanke genau darin, das Genesung nicht nur bedeutet Verhalten zu verändern sondern auch die Beziehung zu sich selbst.
00:19:09: Denn ein Mensch kann noch so viele Regeln einhalten – noch so viel verstehen und so sehr kämpfen wenn die innere Stimme weiterhin nur abwärtet beschämt antreibt dann bleibt oft ein großer Teil des inneren Leidens bestehen.
00:19:25: Danke, dass du zugehört hast und bis zum Schluss geblieben bist.
00:19:29: Ich freue mich wenn du auch in der nächsten Folge wieder rein hörst und ich wünsche noch einen schönen Tag!
00:19:35: Tschüss.
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