Der Mythos der „fertigen" Heilung: Warum Genesung kein Endpunkt ist
Shownotes
Wann ist man eigentlich „geheilt"? In dieser Folge hinterfragen wir die Vorstellung einer perfekten, abgeschlossenen Heilung. Wir sprechen über die Narben, die bleiben, über die Sensibilität, die auch nach Jahren noch da sein kann, und darüber, warum gerade das Loslassen des Perfektionsanspruchs echte Freiheit ermöglicht. Eine Folge über Integration, Selbstmitgefühl und ein gutes Leben mit der eigenen Geschichte.
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00:00:01: Herzlich willkommen zu meinem Podcast Lebenskunst, dem Podcast über Essstörungen und allem was damit verbunden ist.
00:00:15: Hallo und herzlich Willkommen bei einer neuen Folge meines Podcasts Lebenskunsten!
00:00:19: Schön dass ihr da seid.
00:00:21: mein Name ist Katja und heute möchte ich über ein Thema sprechen das viele Menschen betrifft die sich auf den Weg der Genesung befinden sei es von einer Essstörung oder einer anderen psychischen Erkrankung.
00:00:31: und zwar geht es um die Frage Wann ist man eigentlich geheilt?
00:00:35: Wann ist man fertig mit der Therapie?
00:00:38: Fertig mit der Arbeit an sich selbst.
00:00:40: Wann kann man sagen, so das war's ich bin gesund!
00:00:43: Das Kapitel ist abgeschlossen.
00:00:46: Diese Fragen sind verständlich nach Monaten oder vielleicht auch Jahren in der Therapie, nach unzähligen schwierigen Momenten.
00:00:53: Vielleicht nach sehr vielen Rückfällen und neuen Fängen.
00:00:55: Da ist der Wunsch schon sehr groß irgendwann an einen Punkt anzukommen – an einem Punkt an dem alles gut ist, an dem die Essstörung endgültig der Vergangenheit angehört, an den man unter Anführungszeichen normal ist!
00:01:08: Aber was wenn dieser Punkt so vielleicht nicht existiert?
00:01:11: Was wenn die Vorstellung einer vollständigen, perfekten Heilung selbst ein Mythos ist.
00:01:17: Einer der vielleicht manchmal mehr schadet als dass es hilft?
00:01:19: und genau darum soll es heute gehen um die Frage was Genesung bedeutet?
00:01:25: Um das Leben mit Narben, um die Akzeptanz dessen was war und um die Freiheit die daraus entstehen kann.
00:01:37: Viele Menschen die von einer Essstörung betroffen sind oder auch Waren kennen glaube ich, dieser Sehnsucht, dieser Wunsch wieder so zu sein wie vorher.
00:01:48: Zurück zu einem Zustand in dem vielleicht das Essen einfach gar kein Thema war, indem der Körper einfach nur ein Körper war und nicht ein Schlachtfeld, in dem die Gedanken auch frei waren – alles was jetzt ein Essstörungsgedankender, aber gar kein Thema waren und für andere Dinge viel Zeit da war.
00:02:09: Und vielleicht auch der Wunsch nach Leichtigkeit?
00:02:12: Und ich finde dieser Wunsche oder diese Sehnsucht ist nachvollziehbar!
00:02:16: Die Essstörung nimmt einem enorm viel oder hat einem sehr viel genommen, vor allem sehr viel Zeit, sehr viel Energie – oft auch Beziehungen, oft auch Möglichkeiten und Erfahrungen.
00:02:31: Ich finde, es ist dadurch natürlich sich zu wünschen das alles ungeschehen zu machen oder zurückzukehren zu einem unbelasteten Selbst.
00:02:40: Aber hier liegt oft ein Problem dieses Vorher existiert oft nicht mehr oder es hat so vielleicht auch nie existiert.
00:02:49: viele Essstörungen beginnen nämlich schleichend sie entwickeln sich über Jahre manchmal nämlich auch seit der Kindheit.
00:02:56: Also ich hatte schon einige, die sagen meine ersten Gedanken diesbezüglich waren in der Volksschule.
00:03:02: Das heißt die Schwierigkeiten vielleicht mit dem Körperbild, mit dem eigenen Selbstwert?
00:03:06: Mit vielen Gefühlen!
00:03:08: Mit dem wie man ist, wie man aussieht und so weiter... das war oft schon da bevor dass es Verhalten überhaupt auffällig wurde.
00:03:18: Die Essstörung war nicht der Anfang des Problems sondern letzten Endes das Symptom von Dingen oder etwas Entstandes, das Ergebnis, fundert Zeit davor.
00:03:29: Das heißt zurück zu einem Vorherr zu wollen bedeutet manchmal zurückzuwollen zu einem Zustand der selbst eigentlich schon belastet war oder zu einer idealisierten Version der Vergangenheit die es aber so vielleicht auch nicht gegeben hat.
00:03:43: Genesung bedeutet deshalb eigentlich nicht einen früheren Zustand wieder herzustellen, es bedeutet etwas Neues zu entwickeln.
00:03:50: Also eine neue Art mit sich selbst umzugehen vielleicht auch eine neue Beziehung zu sich selbst zu entwickeln zum Körper zum Essen zu den eigenen Gefühlen.
00:04:01: also keine Rückkehr in eine Vergangenheit sondern eine Entwicklung im Hier und Jetzt Und diese Entwicklung verbindet die Vergangenkeit als etwas, das wir vergessen oder auslöschen müssen sondern also einen wertvollen Teil unserer eigenen Geschichte.
00:04:20: Und der Begriff Heilung finde ich persönlich sowieso etwas schwierig weil der Begriffeilung suggeriert einen Endpunkt, einen Zustand, der erreicht wird und dann stabil bleibt wie bei einem gebrochenen Knochen erbricht, erheilt und dann ist er wieder ganz.
00:04:38: aber bei psychischen Erkrankungen Funktioniert das oft nicht so.
00:04:43: Natürlich gibt es Genesung, natürlich können sich Menschen erholen von Essstörungen.
00:04:47: Sie können lernen wieder regelmäßig zu essen sie können ein sehr stabiles Gewicht erreichen Die Gedanken können ruhiger werden.
00:04:54: dass Esverhalten kann sich normalisieren Das Leben kann wieder Farbe gewinnen und an Möglichkeiten.
00:04:59: Und all das ist real und all das is möglich.
00:05:03: Ich finde, es ist schon wichtig zu betonen.
00:05:04: Denn manchmal kann das sich anfühlen als wäre Genesung unerreichbar – das ist sie nicht!
00:05:09: Aber Genesungen bedeutet nicht unbedingt dass alles perfekt wird, dass nie wieder ein schwieriger Gedanke auftaucht, dass der Körper immer nur neutral oder positiv wahrgenommen wird?
00:05:19: Oder dass es keine verletzlichen schwierigen Momente mehr gibt.
00:05:23: und für viele Menschen die eine Essstörung hatten bleibt eine gewisse Sensibilität auch
00:05:28: bestehen?!
00:05:29: das stressige Lebensphasen, vielleicht alte Muster wieder aktivieren können oder zumindest der Gedanke danach.
00:05:36: Oder ein Impuls zum Essverhalten zu greifen wie man es von früher halt gekannt hat aus Krisenzeiten auch nach Jahren der Stabilität dieser Impulse kann durchaus immer wieder kommen und die Beziehung zum Körper kann Schwankungen unterliegen im Laufe unseres Lebens.
00:05:54: Das bedeutet nicht dass die Genesung gescheitert ist Genesung halt kein statischer Zustand ist, sondern eher ein fortlaufender Prozess.
00:06:04: Ein Prozess der Aufmerksamkeit braucht er selbst für Sorgebrauch das Wissen um die eigenen Warnsignale dass man frühzeitig erkennt oh man schlittert da vielleicht den alte Muster hinein und einen Wahrnehmen für die eigenen Bedürfnisse.
00:06:20: Und ich finde, es ist vielleicht hilfreicher statt von Heilung eher eben den Begriff Genesung oder Recovery zu verwenden.
00:06:27: Ich tue mir leichter damit weil es für mich irgendwie gefühlt mehr Bewegung zulässt.
00:06:35: Heilung ist schon ein absoluter Zustand, so einen Endpunkt und Genesungen oder Recovery Lässt für mich persönlich.
00:06:45: Aber das ist sowas ganz persönlich, jetzt einfach mehr Spielraum zu.
00:06:50: und ein Aspekt über den finde ich auch wenig gesprochen wird sind die Narben der eine S-Störung hinterlassen kann.
00:06:56: Die sind also... Ich meine damit nicht per se nur körperliche Narben obwohl auch die existieren können.
00:07:03: es geht aber auch um die Spuren die die Erkrankung im Leben hinterlässt.
00:07:08: Das sind Jahre, die verloren gegangen sind.
00:07:10: Jahre in denen das Leben von der Essstörung bestimmt wurde – die Schulzeit, das Studium, erste Beziehungen vielleicht, berufliche Anfänge, Phasen, die andere eigentlich zum Wachsen genutzt haben für erste Erfahrungen in der Sexualität während man selbst ums Überleben gekämpft hat.
00:07:34: Gelitten haben Freundschaften, die vielleicht auch kaputt gegangen sind und der Essstörung nicht standgehalten haben oder familiäre Bindungen, die dadurch super stark belastet wurden.
00:07:44: Oder auch später Partnerschaften, Die an der Erkrankung gescheitert sind oder immer wieder auch Krisen erleben in der Partnerschaft weil die Essstörerung einfach so oft so stark Einzug nimmt auch ins familiäre Leben.
00:07:59: Das sind die körperlichen Folgen mit denen Menschen langfristig leben müssen, sind natürlich auch da wie Zahnprobleme oder Osteoporose oder hormonelle Störungen Verdauungsproblemen und so weiter.
00:08:10: Der Körper vergisst das halt nicht aber es sind einerseits einfach Folgen sowohl psychisch als auch physisch und vor allem die physischen Namen, das sind Erinnerungen an die dunkelsten Zeiten eigentlich, die manchmal dann auch Jahre später einen noch belasten.
00:08:29: Das wissen darüber wozu man vielleicht doch mal fähig war.
00:08:33: Sowohl Ja, Gute ist also auch schlechter.
00:08:36: Also es ist natürlich auch trauer zu empfinden über das was hätte sein können.
00:08:41: und diese Narben sind echt sie verschwinden nicht einfach auch wenn sich das Essverhalten wieder normalisiert hat.
00:08:46: Sie gehören zur eigenen Geschichte dazu.
00:08:48: Und hier kommt schon noch eine wichtige Erkenntnis Diese Narben anzuerkennen finde ich ein wichtiger mutiger Schritt.
00:08:56: zu Ehrlichkeit, zu sagen ja das war ein Teil meines Lebens.
00:09:00: Ja es hat Spuren hinterlassen!
00:09:01: Ja ich trage diese Erfahrungen mit mir und das bedeutet nicht sich selbst als Opfer zu sehen.
00:09:07: Es bedeutet die eigene Geschichte anzunehmen mit all ihren Facetten um von dort aus einen neuen Weg zu gehen.
00:09:15: und das klingt jetzt mal so einfach aber sie ist enorm schwer.
00:09:21: Ein Thema, das damit auch zusammenhängt ist eine gewisse Verletzlichkeit oder Sensibilität die viele Menschen nach einer Essstörung eigentlich für sich noch wahrnehmen und spüren.
00:09:30: Weil selbst nach längeren stabilen Phasen kann es Situationen geben, die innerlich etwas in Bewegung bringen.
00:09:37: Das können Kommentare übers Gewicht sein oder aussehen Gespräche über Diäten im Umfeld belastende Lebensphasen oder größere Veränderungen wie eine Trennung ein Jobwechsel oder eine Schwangerschaft oder auch momentan, meines Erachtens immer wieder neu aufkommende Trends auf Social Media wie momentan dieser Magerwaren.
00:10:00: Der löst in vielen Personen die vielleicht eine Essstörung jetzt schon länger hinter sich haben und sie schon lange stabil sind trotzdem etwas ausgefühle Und in solchen Momenten können eben alte Gedanken wieder präsenter werden.
00:10:15: Vielleicht wird da auch eine innere Unsicherheit dann wieder stärker, vielleicht meldet sich der Wunsch zurück auf frühere Bewältigungsstrategien zurückzugreifen oder die Beziehung zum eigenen Körper kann dann wieder einfach zumindest für einen bestimmten Zeitraum angespannter sein und ich finde... Das macht trotzdem die bisherigen Fortschritte nicht wett.
00:10:38: Also das ist, die bisherige Fortschuhte sind trotzdem da, wurden trotzdem geschafft und es schmälert das was man erreicht hat überhaupt nicht.
00:10:46: Es zeigt eher dass manche Erfahrungen einfach tiefe Spuren hinterlassen Und das bestimmte Muster über einen längeren Zeitraum so stark eingeübt wurde Dass man sie halt vielleicht auch nie zur Gänze loslässt.
00:10:57: und wenn dann im Außen etwas kommt Was das einfach noch mal triggert Dann kann halt so eine Impulse kommen noch lange nicht nur, weil der Impuls mal da ist.
00:11:05: Dass die Menschen dem dann auch nachgehen.
00:11:07: aber es kann sein dass dann der Gedanke danach wieder aufkommt und ich finde wichtig das man sich dadurch nicht entmutigen lässt.
00:11:16: im Gegenteil es kann schon sehr hilfreich auch sein das wissen darüber wo so die eigene Sensibilität liegt wenn man das für sich auch spürt.
00:11:24: oh okay das tut mir vielleicht auch gerade nicht gut haben dass mein Warnzeichen früh bemerkt und dann auch achtsamer mit sich umgeht.
00:11:32: Also so leichte Krisensituationen zeigen aber immer wieder, was kann man vielleicht noch sehr gut aus der Therapie?
00:11:40: Was hat man nicht wieder verlernt oder vergessen sondern worauf greift man nach wie vor zurück?
00:11:48: Um halt doch den Krisen die im Leben halt auch immer wieder auftauchen tatsächlich auch gut zu meistern!
00:11:57: Und ich finde es wichtig bei Betroffenen nicht ständig auch darum geht, Angst zu haben vor vielleicht einem möglichen Rückfall.
00:12:06: Es geht eher darum sie selbst so gut kennenzulernen und fürsaglich mit sich umzugehen dass man sollte sich ein Rückfall anbahnen das einfach auch möglichst früh erkannt wird ja einfach auch aus Selbstversorge für sich.
00:12:23: Und ich finde ein achtsamer liebevoller Umgang mit sich selbst ist da ein ganz toller Schritt einfach in der Entwicklung, um ebenso früh Warnzeichen auch zu erkennen.
00:12:38: Und wenn die Vorstellung einer vollständigen marklosen Heilung nicht trägt stellt sich jetzt auf die Frage was dann bleibt ob das nicht auch etwas entmutigend sein könnte oder die Idee von Freiheit infrage stellt und gerade hier liegt.
00:12:53: Doch finde ich ein wichtiger Perspektivenwechsel, die Entlastung entsteht häufig nämlich genau dann wenn der Anspruch auf Perfektion an Bedeutung verliert.
00:13:02: Die Vorstellung erst in einem völlig fertigen Zustand ein gutes Leben führen zu können setzt einen sehr hohen oft unerreichbaren Maßstab und sie kann dazu führen dass das Leben im Hier-und-Jetzt schwerer zugänglich wird.
00:13:17: Ein erfülltes Leben ist auch mit Erfahrungen von Verletzlichkeit, von einer erhöhten Sensibilität oder der bewussten Auseinandersetzung mit sich selbst möglich.
00:13:26: Also viele Menschen, die eine Essstörung hinter sich haben berichten heute von stabilen Beziehungen, beruflichen Wegen und sehr viel Sinn in ihrem Leben und Lebensfreude auf nicht in einem Zustand völliger innerer Ruhe Superperfekt läuft, sondern ehe in einer vor allem von ausreichend Stabilität und vor allem ausreichende Verbundenheit mit sich selbst.
00:13:47: Und in einem guten Umgang mit sich selber.
00:13:51: Dabei geht es eben nicht um einen abgeschlossenen Zustand, sondern es ist und bleibt ein ganz lebendiger Prozess!
00:14:00: Viele bleiben einfach wirklich aufmerksam.
00:14:02: Im Umgang mit sich selbst entwickeln Strategien für herausfordernde Phasen, kennen ihre eigenen Grenzen gut und dennoch ist da ein Leben das wieder aktiv gestaltet wird, dass viel Freude, viel Spaß, viel Spontanität dabei hat und ein Leben mit Lebensqualität.
00:14:19: Also Freiheit entsteht weniger durch das Erreichen eines idealen Zustands, finde ich.
00:14:23: Sondern vielmehr durch die Möglichkeit, das eigene Erleben anzunehmen und sich trotzdem weiter zu bewegen.
00:14:31: Auch wenn ich immer wieder merke – oh da kommt jetzt wieder der Gedanke oder so!
00:14:34: Das darf vielleicht auch da sein und trotzdem kann ich mich anders entscheiden.
00:14:38: Die eigene Geschichte darf Teil des Lebens sein ohne dass sie alles bestimmen muss Und ich finde gerade so ein mitfüllender Blick auf sich selbst kann, genau in schwierigen Momenten da den Unterschied machen.
00:14:53: Das ist keine Resignation sondern eher eine realistische und zugleich finde auch eine sehr entlastende Perspektive.
00:15:05: möchte auf einen zentralen Aspekt, diesbezüglich nämlich eingehen und zwar auf das Selbstmitgefühl.
00:15:10: Viele Menschen mit Essstörungen kennen eine wahnsinnig kritische innere Stimme die kommentiert, die bewertet, die alles möglich hinfragt stellt und es ist einfach nie genug.
00:15:20: und andere schaffen sowieso immer alles besser.
00:15:23: und warum bin ich nicht weiter?
00:15:24: Und warum kann ich das und dass nicht?
00:15:26: Warum sind alle anderen in allem immer besser, schöner, toller?
00:15:31: Auch wenn sich das Essverhalten verändert, bleibt diese innere Stimme häufig bestehen und zwar oft sehr lange.
00:15:37: Sie verlagert manchmal, finde ich nur ihren Fokus, richtet sich dann beispielsweise auf den Genesungsprozess selbst – warum dauert es so lange?
00:15:44: Warum bin ich nicht schon weiter?
00:15:46: Warum sind diese Gedanken immer noch
00:15:48: da?".
00:15:49: Also die Form der Selbstkritik erhöht meistens Druck und erschwert Veränderung eher als dass sie sie eigentlich unterstützt.
00:15:56: Und Selbstmitgefühl bietet hier eine andere innere Haltung!
00:16:00: Es bedeutet nicht, etwas zu beschönigen oder Schwierigkeiten zu ignorieren.
00:16:07: Es bedeutet vielmehr sich selbst mit einer gewissen Freundlichkeit zu begegnen auch dann wenn etwas herausfordernd ist so wie man einem nahestehenden Menschen in einer ähnlichen Situation begegnet würde.
00:16:22: Das kann heißen es gibt noch schwierige Gedanken und gleichzeitig ist er bereits viel geschafft worden.
00:16:27: Beides darf ja nebeneinander stehen.
00:16:30: Schwierigkeiten sind kein Scheitern, sondern es ist einfach ein Teil dieses ganzen Veränderungsweges, dieses Prozesses.
00:16:38: Und diese Haltung kann sehr stabilisierend wirken weil sie einen inneren Raum schafft in dem Entwicklung möglich wird weil einfach insgesamt ein bisschen weniger Druck entsteht.
00:16:52: Und auch Forschungsergebnisse deuten daraufhin, dass Selbstmitgefühl mit einer höheren psychischen Stabilität und einem besseren Umgang mit Rückschlägen verbunden ist.
00:17:01: Es kann also wirklich ein wichtiger unterstützender Faktor im Genesungsprozess sein.
00:17:08: Weiterer wichtiger Gedanke betrifft den Umgang mit der eigenen Geschichte.
00:17:12: Eine Essstörung ist Teil des bisherigen Lebensverlaufs, sie hat Erfahrungen geprägt und den Alltag beeinflusst beziehungen die Selbstwahrnehmung verändert.
00:17:20: Die Frage ist daher weniger wie diese Zeit umgeschehen gemacht werden kann weil das geht nicht sondern eher wie Sie Ihren Platz in der eigenen Lebensgeschichte finden können.
00:17:29: Das heißt, man muss es in die Biografie integrieren und Integration bedeutet dass diese Erfahrungen nicht verdrängt oder idealisiert werden sollten aber auch nicht das gesamte Selbstbild bestimmen.
00:17:43: Sondern sie wird zu einem Teil der Biographie neben vielen anderen Erfahrungen.
00:17:49: Manche Menschen können im Rückblick auch Aspekte erkennen, die ihnen heute Orientierung geben.
00:17:53: Nicht in dem Sinne einer Verharmlosung sondern eher als ein Verständnis dafür was sie über sich selbst dadurch gelernt haben etwa über Grenzen oder Bedürfnisse und Belastbarkeit.
00:18:04: Und für einige entsteht daraus auch der Wunsch andere zu unterstützen oder eigene Erfahrungen weiterzugeben zum Beispiel im beruflichen oder ehrenamtlichen Kontext.
00:18:13: das ist jedoch keine Notwendigkeit sondern eine mögliche Entwicklung.
00:18:17: unter vielen Andere entscheiden sich bewusst dafür, die Vergangenheit einfach ruhen zu lassen und den Fokus stärker auf das gegenwärtige Leben zu richten.
00:18:25: Auch das ist ein stimmiger Weg!
00:18:27: Entscheidend ist es dass die Erfahrungen oder die Erfahrung nicht mehr alles über die eigene Person aussagt – sie bleibt Teil der Geschichte ohne das ganze Leben zu definieren.
00:18:37: Wenn wir das jetzt kurz zusammenfassen... Der Mythos der fertigen Heilung besagt, dass es einen Endpunkt gibt.
00:18:44: Also einen Zustand in dem alles wieder perfekt ist, indem die S-Störung vollständig verschwunden ist und keine Spuren hinterlassen hat.
00:18:51: Und dieser Mythos finde ich kann mehr schaden als helfen weil er unmöglichen Standardsets.
00:18:58: Die Realität ist einfach oft anders, Genesung ist möglich aber sie bedeutet nicht unbedingt immer seinem früheren Zustand zurückzukehren sondern es bedeutet etwas Neues zu entwickeln.
00:19:10: Narben bleiben.
00:19:12: Die Essstörung hinterlässt Spuren, sowohl körperlich als auch emotional in der Lebensgeschichte und diese Narben anzuerkennen ist finde ich persönlich ein ganz mutiger Schritt hin zu sehr viel Ehrlichkeit gegenüber sich selbst.
00:19:27: Auch eine erhöhte Sensibilität kann bestehen bleiben.
00:19:30: also bestimmte Situationen können auch Jahre später noch herausfordernd sein Und das ist normal und kein Zeichen dafür, dass die Genesung gescheitert ist.
00:19:41: Es heißt einfach nur das da noch eine bestimmte Sensibilität vorhanden ist – wie ich dann damit umgehe, ist das Entscheidende!
00:19:49: Und die Freiheit liegt nicht in der Perfektion, sie liegt darin zu akzeptieren was es ist und trotzdem ein erfülltes Leben zu führen mit den Narben, mit der Sensibilitet, mit dem Wissen um die eigene Geschichte.
00:20:02: Ich finde selbst mit Gefühl Ein zentrales Werkzeug sich selbst nicht zu verurteilen, wenn es schwierige Momente gibt.
00:20:10: Sich halt wirklich auch mal so zu behandeln wie man eine gute Freundin oder einen guten Freund behandeln würden.
00:20:17: und schließlich Integration.
00:20:19: die Erfahrung der Essstörungen wird Teil der eigenen Geschichte Nicht das einzige definierende Merkmal aber auch nicht etwas dass ausgelöscht werden muss.
00:20:29: Ja!
00:20:30: Das war die heutige Folge.
00:20:32: Ich hoffe sie hat euch gefallen diese Folge etwas angesprochen hat, die Sehnsucht nach Perfektion oder die Angst nie fertig zu sein.
00:20:41: Die Scham über die Narben, die geblieben sind.
00:20:43: dann seid ihr damit nicht allein?
00:20:45: Viele Menschen, die eine Essstörung hatten oder haben glaube ich kennen diese Gefühle aber vielleicht kann es ein kleiner Trost sein zu wissen ein gutes Leben ist möglich auch ohne perfekte Heilung.
00:20:56: und ja Das ist keine Schwäche, das ist vielleicht einfach nur Menschlichkeit.
00:21:01: Und vielen Dank fürs Zuchern!
00:21:03: Passt gut auf euch auf und ich hoffe ihr seid auch bei der nächsten Folge wieder mit dabei.
00:21:08: Schönen Tag noch!
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