Wenn Essstörungen chronisch werden: Hilflosigkeit auf beiden Seiten

Shownotes

Wenn Essstörungen chronisch werden: Hilflosigkeit auf beiden Seiten

Was passiert, wenn eine Essstörung über Jahre bestehen bleibt? In dieser Folge sprechen wir über Chronifizierung, und über die Hilflosigkeit, die dabei entstehen kann: bei Betroffenen, Angehörigen und Behandelnden. Warum verfestigen sich Essstörungen? Wie fühlt sich das an? Und was bleibt trotzdem wichtig, wenn der Weg nicht geradlinig verläuft? Eine Folge über das Aushalten, das Dranbleiben und den Wert von Begleitung.

IG: @psychotherapie.wien

Homepage: www.praxis-verhaltenstherapie.at

Links: Österreich: Essstörungshotline: https://www.wig.or.at/selbsthilfe-beratung/hotline-fuer-essstoerungen Österreichische Gesellschaft für Essstörungen: https://www.oeges.or.at/Essstoerungen/Hilfe-fuer-Betroffene/Beratungsstellen/

Deutschland: Hilfe bei Essstörungen: https://essstoerungen.bioeg.de/hilfe-finden/ Deutsche Gesellschaft für Essstörungen: https://www.dgess.de

Schweiz: Essstörungsinfos: https://www.pepinfo.ch/de/anlaufstellen/index.php Schweizer Gesellschaft für Essstörungen: https://sges-ssta-ssda.ch

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00:00:01: Herzlich willkommen zu meinem Podcast Lebenskunst, dem Podcast über Essstörungen und allem was damit verbunden ist.

00:00:16: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge meines Podcasts Lebenskunst Esstürungen im Fokus.

00:00:21: Schön, dass du heute wieder dabei bist!

00:00:23: In dieser Folge geht es um ein Thema das schwer ist, das oft sehr schmerzhaft ist und über das gleichzeitig viel zu selten offen gesprochen wird – und zwar die Chronifizierung von Essstörungen und das Gefühl von Hilflossigkeit, das dabei auf beiden Seiten entstehen kann.

00:00:39: Also auf der Seite der Betroffenen, die vielleicht schon lange, lange kämpfen, viel versucht haben ähnlichen Punkten wiederfinden, aber auch auf der Seite der behandelnden Personen der Angehörigen des gesamten Helfersystems das begleiten, stützen und helfen möchte – und dabei manchmal an Grenzen kommt.

00:01:04: Wenn über Essstörungen gesprochen wird dann oft mit einem starken Fokus auf Behandlung Veränderung und Hoffnung Und das ist auch wichtig.

00:01:12: Es ist wichtig zu betonen, dass Genesung möglich ist, dass Menschen Wege aus einer Essstörung finden können und dass Therapie etwas bewirken kann.

00:01:20: Gleichzeitig gibt es aber auch Verläufe die... langwierig sind, verläufe in denen die Erkrankung über viele Jahre bestehen bleibt.

00:01:30: Verläuve in den Fortschritten und Rückschritte sich abwechseln und verläufle in denen der Hoffnung auf Veränderungen manchmal brüchig wird nicht weil sich niemand bemüht sondern weil die Erkrankung sehr tief verwurzelt ist.

00:01:43: Und gerade bei Essstörungen ist das besonders belastend denn sie betreffen Essen, sie greifen eben in den Körper ein.

00:01:50: In die Beziehungen... ...in den kompletten Alltag, in das Selbstbild,... ...in die Lebensplanung und oft auch in das Gefühl überhaupt noch frei entscheiden zu können.

00:02:01: Und wenn eine Essstörung chronisch wird dann ist es nicht nur eine medizinische oder therapeutische Frage Es ist auch eine emotionale Realität für die betroffene Person selbst vor Angehörigen doch oft eben auch für Fachpersonen Die über eine lange Zeit begleiten.

00:02:18: In dieser Folge soll es also wirklich darum gehen, was Chronifizierung bei Essstörungen eigentlich bedeutet.

00:02:24: Warum sie entstehen kann, weshalb das Gefühl von Hilflosigkeit so verständlich ist und was trotz allem wichtig bleibt wenn der Weg nicht geradlinig verläuft?

00:02:35: Aber was ist denn Chronifozierung überhaupt?

00:02:38: Wenn von Chronifuzierung gesprochen wird, ist damit gemeint dass eine Erkrankung über einen langen Zeitraum bestehen bleibt oder immer wiederkehrt, ohne dass es zu einer stabilen und anhaltenden Besserung kommt.

00:02:53: Bei Essstörungen kann das ganz unterschiedlich aussehen – manche Menschen erleben über Jahre hinweg eine relativ konstante Symptomatik, andere durchlaufen verschiedene Behandlungen, erleben zwischenzeitliche Verbesserungen, fallen dann wie den alten Gewohnheiten zurück, wieder.

00:03:09: andere wechseln zwischen unterschiedlichen Ausprägungen der Erkrankung Oder entwickeln zusätzlich weitere psychische Belastungen wie Depressionen, Angststörungen oder auch Zwänge.

00:03:21: Chronifizierung bedeutet nicht immer Stillstand.

00:03:25: Es bedeutet auch nicht dass nie etwas geholfen hat.

00:03:29: es ist eher ein Verlauf in dem es immer wieder Veränderungen gibt aber keine stabile Entlastung und gerade das macht diese Verläufe so schwer zu greifen.

00:03:39: von außen wirkt es manchmal so als hätte sich gar nichts verändert, für die betroffene Person selbst kann es sich auch teilweise so anfühlen.

00:03:47: Manchmal aber auch anders als ein ständiger Kampf, als auf und ab, als eine massive Erschöpfung durch diesen ständigen Kampf, durch dieses Ringen das irgendwie kein klares Ende findet.

00:04:00: Und bei Essstörungen kommt hinzu dass sie oft früh beginnen und sich mit zentralen Entwicklungsthemen verbinden Themen also wie Identität, Selbstwert Sexualität, Beziehung, Reisen, Leistungen, Körperbild.

00:04:18: Erwachsen werden, Gefühlsverarbeitung und all das spielt häufig eine große Rolle.

00:04:24: Und wenn sich die Erkrankung über Jahre mit diesen Bereichen verknüpft wird sie nicht einfach zu einem Problem dass man löst sondern so etwas das so stark in der Lebensstruktur eingebettet ist dass ja es sehr viele Wege braucht um das irgendwie verbessern zu können.

00:04:42: Und das macht die Chronifizierung so ernst, nicht nur wegen der Dauer sondern weil die Erkrankung mit der Zeit oft in alle Lebensbereiche durchtrinkt.

00:04:52: Die Frage warum es Störungen chronisch werden lässt sich nicht, finde ich, mit einer einzigen Erklärung beantworten.

00:04:58: Meistens ist ein Zusammenspiel verschiedener und vieler Faktoren.

00:05:03: Ein wichtiger Punkt ist, dass Essstörungen häufig eine Funktion erfüllen.

00:05:07: Sie sind nicht einfach nur destruktives Verhalten – eher ein Versuch mit in einem Stressangst über Forderung, Scham oder auch Lehre umzugehen?

00:05:18: Für manche geben sie Struktur, ein Gefühl von Halt, Sicherheit, Kontrolle.

00:05:24: Wieder andere sagen es ist eine Möglichkeit Gefühle zu dämpfen oder Glücksgefühl zu erleben und wenn eine Erkrankung über längere Zeit solche Funktionen übernimmt wird sie schwer aufzugeben selbst dann wen gleichzeitig ganz großes Leid besteht.

00:05:41: den Veränderungen braucht dann nicht nur Symptome loszulassen, sondern auch auf etwas zu verzichten, das über lange Zeit da war und schon so vertraut ist.

00:05:52: Hinzu kommt, dass Essstörungen häufig mit anderen Belastungen verbunden sind – also traumatische Erfahrungen, depressive Symptomatik, soziale Ängste, vielleicht Perfektionismus in der Persönlichkeitsstruktur, Bindungsschwierigkeiten Ein sehr fragiler Selbstwert können den Verlauf erheblich beeinflussen und wenn mehrere Themen gleichzeitig bestehen, wird der therapeutische Prozess oft wesentlich komplexer und viel, viel langsamer.

00:06:20: Auch körperliche Faktoren können eine Rolle spielen.

00:06:23: bei länger bestehendem Untergewicht zum Beispiel in Mangelzuständen oder wiederholtem kompensatorischen Verhalten ist nicht nur die Psyche betroffen sondern da gesamte Organismus.

00:06:35: Denken, fühlen, Belastbarkeit, Emotionsregulation können dadurch zusätzlich beeinträchtigt sein.

00:06:42: Das bedeutet die Erkrankung hält sich nicht nur psychisch aufrecht sondern oft auch körperlich.

00:06:49: und schließlich darf nicht vergessen werden dass nicht jede Behandlung früh genug beginnt.

00:06:53: Meine Betroffene warten lange bevor sie Hilfe in Anspruch nehmen bevor Sie vielleicht einen Platz kriegen.

00:07:00: Manchmal wird es auch länger nicht erkannt.

00:07:02: Manche erleben lange Wartezeiten oder viele Wechsel, unpassende Behandlungen und Brücher in der Versorgung.

00:07:11: Auch das kann dazu beitragen, dass sich Symptome verfestigen.

00:07:16: Chronifizierung ist deshalb nicht einfach ein Ausdruck eines fehlenden Willens der betroffenen Person.

00:07:23: Das ist mir enorm wichtig zu sagen!

00:07:25: Sondern es ist oft das Ergebnis einer Erkrankung, die sich über lange Zeit in vielen Ebenen des Lebens quasi eingeschrieben hat.

00:07:36: Und für Menschen, die seit vielen Jahren teils Jahrzehnten mit einer Essstörung leben ist die Belastung oft kaum in Worte zu fassen.

00:07:46: Da ist zum einen diese Erschöpfung da das ständige Kreisen um Essen Gewicht Kontrolle Bewegung Körper oder Kompensation all das kostet so viel Kraft.

00:07:57: Über Jahre hinweg kann das zu einem Zustand führen, in dem kaum noch Energie für anderes übrig bleibt.

00:08:02: Für Beziehungen oder es gibt oft so viele Konflikte auch in Beziehung in der Familie die auch wieder enorm viel Kraft und Anstrengung benötigen.

00:08:12: Es beeinflusst die Interessen, Hobbys den Beruf, die Ausbildung und Zukunftspläne.

00:08:20: Und dazu kommt häufig ein ganz schmerzhafter Innerer Widerspruch, einerseits gibt es auf den Wunsch nach Veränderung.

00:08:26: Den Wunscht endlich frei zu sein!

00:08:28: Den Wunscht ein normales Leben zu führen.

00:08:31: andererseits kann die Angst vor Veränderungen genauso groß oder sogar größer sein.

00:08:35: Denn wenn die Essstörung über lange Zeit einen so stabilisierender Faktor war fühlt sich ihr Verlust nicht nur befreiend an sondern eigentlich auch ganz massiv bedrohlich Und viele Betroffene beschreiben außerdem Scham, Scham darüber immer noch krank zu sein.

00:08:50: Scham da rüber Rückfälle zu erleben.

00:08:52: Scharm darüber Erwartungen nicht zu erfüllen die der Familie, der Behandelenden oder die eigenen.

00:09:00: gerade wenn schon viele Behandlungen stattgefunden haben kann sich das Gefühl einstellen versagt so haben oder nicht mehr therapierbar zu sein.

00:09:08: Und dazu kommt oft auch Einsamkeit, weil chronische Verläufe werden von außen nicht immer verstanden.

00:09:15: Manche Menschen im Umfeld verlieren mit der Zeit die Geduld oder ziehen sich zurück.

00:09:21: andere reagieren – mit Druck und gut gemeinten Ratschlägen oder mit einer Ungeduld sieht zusätzlich Schmerz auslöst, Leid auslösst.

00:09:29: Gleichzeitig ist es aber auch die Gefühlsregung teilweise nachvollziehbar.

00:09:35: So kann aber die betroffene Person sich unverstandener fühlen, gerade dann wenn eigentlich Unterstützung so notwendig wäre.

00:09:43: und nicht selten kommt es auch zu einer Identitätsfrage.

00:09:47: Wer bin ich eigentlich jetzt oder wer werde ich bleiben?

00:09:51: Oder gibt es überhaupt mich noch irgendwann ohne meine Essstörung?

00:09:56: Oder was bleibt tatsächlich von mir erhalten, wenn all diese Struktur wegfällt?

00:10:02: Was um Himmels Willen soll mir dann halt geben?

00:10:05: Wer bin ich dann, wenn nicht seit zwanzig Jahren oder vielleicht sogar seit dreißig Jahren in dieser Struktur so drin bin?

00:10:15: Und diese Frage ist eine so enorm große.

00:10:20: Chronifizierung bedeutet nicht einfach nur dass eine Krankheit schon sehr lange da ist sondern das die Krankheit ganz stark verwoben ist mit dem eigenen Leben.

00:10:34: Worüber deutlich seltener noch gesprochen wird, ist die Hilflosigkeit auf Seiten der behandelnden Personen.

00:10:40: TherapeutInnen, ErdInnen auch Pflegepersonen Ernährungsfachkräfte oder andere begleitende Personen gehen meist mit viel Engagement in diese Arbeit.

00:10:52: Sie wollen helfen sie wollen stabilisieren sie wollen Entwicklung möglich machen helfen Und sie wissen gleichzeitig wie ernst es Störungen sein können, psychisch, physisch und manchmal nämlich auch lebensbedrohlich.

00:11:08: Wenn dann über lange Zeit keine stabile Verbesserung eintritt kann das sehr belastend sein nicht nur fachlich sondern auch emotional.

00:11:15: Es kann das Gefühl entstehen dass man nicht gut genug ist Dass einerseits der Wunsch da nicht aufzugeben weiter dazu sein weiter zu begleiten andererseits wächst mit der zeit vielleicht manchmal ein gefühl von ohne macht Angst, Unsicherheit.

00:11:32: Weil die Grenzen der Behandlung spürbar werden, weil Fortschritte klein sind, weil Rückfalle passieren, weil die Gefährdung nicht vollständig verschwindet.

00:11:42: und auch diese Hilflosigkeit auf der Helfer-Innenseite ist menschlich.

00:11:46: Sie beratdet jetzt nicht dass die behandelnde Person ungeeignet ist oder nicht gut genug.

00:11:52: es zeigt viel mehr wie ernst und hartnäckig diese Erkrankungen sein können Und ich glaube das ist wichtig.

00:11:57: wenn man an so einem Punkt ist für sich auch Supervision in Anspruch zu nehmen, zu schauen bin ich tatsächlich mit meinem Wissen und mit meinem Ansatz in dem Moment noch hilfreich.

00:12:10: Was würde es für Alternativen geben?

00:12:13: Es ist auch wichtig einen Menschen nicht von heute auf morgen quasi zu entlassen sondern gemeinsam zu überlegen was wäre vielleicht ein anderer Ansatz der jetzt im Moment vielleicht auch sinnvoll wäre.

00:12:25: also da auch hinschauen, ist man tatsächlich an der eigenen Grenze angekommen.

00:12:30: Ich glaube da braucht es auch ganz viel Ehrlichkeit gegenüber sich selbst und der Person die zu einem kommt.

00:12:37: Und ich finde gerade Supervision ist dabei sehr wichtig und hilfreich dafür sich zu schauen was kann man tun?

00:12:44: Woran könnte das liegen?

00:12:45: Was hat diese Hilflosigkeit mit mir zu tun?

00:12:50: Weil manchmal kann diese Ohnmacht, die man verspürt auch zu ungünstigen Dynamiken führen.

00:12:55: Zum Beispiel zum Mehrdruck, zu schneller Frustration, zu einem Rückzug oder so einen inneren Abstand als eigene Schutzreaktion.

00:13:05: und das ist glaube ich nicht böse gemeint also nicht aufs Böswilligkeit sondern weil dauerhafte Konfrontation mit schwerem Leiden wo man das Gefühl hat man schafft es nicht eine Verbesserung reinzukriegen auch helfende Personen belastet.

00:13:21: Und gerade deshalb ist es so wichtig, auch die Belastung des Helfersystems ernst zu nehmen.

00:13:25: und eben Supervisionen, Teamarbeit, Austausch realistische Zielsetzungen eine gute gemeinsame Reflexion – das ist nicht ein Luxus sondern es ist notwendig um Menschen über lange Zeit gut begleiten zu können.

00:13:39: und es ist auch wichtig der Patientin oder des Patienten gegenüber dass wir diese Verantwortung schon ernst nehmen und uns da selbst auch hinterfragen und schauen, wo bin ich gerade?

00:13:51: Wo stehe ich grad?

00:13:52: in wiefern kann ich hilfreich sein.

00:13:56: Weil rein nur helfen zu wollen ist halt nicht ausreichend.

00:14:00: Auch Angehörige erleben oft eine Form von Hilflosigkeit die schwer auszuhalten ist.

00:14:04: Wer einen Menschen mit Erststörung begleitet, sieht oft sehr deutlich wie viel Leid da ist.

00:14:08: Gleichzeitig ist es nur begrenzt möglich direkt einzugreifen.

00:14:13: Man kann nicht für jemanden gesund werden, man kann nicht jede Mahlzeit kontrollieren und jeden Gedanken verändern oder jede Angst nehmen.

00:14:21: Das ist für Eltern, Partnerinnen, Geschwister, enge FreundInnen oft sehr schmerzhaft und schwierig.

00:14:27: Viele schwanken auch immer zwischen einer Sorge mal mal auch Wut dann wieder Mitgefühl, einer Schöpfung, Hoffnung... Dann wieder vielleicht auch Hoffnungslosigkeit und Überforderung.

00:14:38: Manche versuchen besonders viel zu kontrollieren, andere ziehen sich zurück weil sie nicht mehr wissen was sie noch sagen oder tun sollen.

00:14:45: Oft entstehen daraus eben auch Spannungen in Beziehungen.

00:14:48: Gespräche kreisen sich oft dann nur noch um bestimmte Themen.

00:14:52: die Konflikte nehmen zu nähe und Vertrauen können leiden und gleichzeitig bleibt meist so ein Gefühl ich möchte helfen, ich möchte da sein Ich möchte eine gute Freundin oder ein guter Freund sein aber ich weiß nicht wie.

00:15:05: Auch auf angehörigen Seite ist es wichtig, dieses Gefühl ernst zu nehmen.

00:15:08: Hilflosigkeit bedeutet nicht Gleichgültigkeit im Gegenteil – das ist eh schon so ein starker Ausdruck davon, dass ein Mensch einem wichtig ist und ich finde Angehörige brauchen deshalb ebenfalls oft Orientierung Entlastung und manchmal auch eigene Unterstützung um ihre Rolle in dem Leben mit dieser Person zu finden, wo man selbst gut bestehen kann und unterstützend sein kann.

00:15:38: Aber langfristig die Freundschaft, die Partnerschaft usw.

00:15:43: bestehen können.

00:15:47: Besonders schwierig wird das wenn sich die Hilflosigkeit auf beiden Seiten gegenseitig verstärkt, wenn die betroffene Person spürt dass andere frustriert erschöpft oder ratlos sind.

00:16:00: Daraus Ein Schuldgefühl entsteht oder Rückzug, oder das Gefühl selbst eine Belastung zu sein.

00:16:06: Gleichzeitig spüren Behandelnde oder Angehörige vielleicht dass ihre Unterstützung nicht ankommt oder Nicht zur Veränderung führt und daraus kann wiederum Druck, Anspannung und Distanz entstehen.

00:16:18: So entsteht manchmal so ne blöde Dynamik in der alle beteiligten Leiden aber aus unterschiedlichen Gründen Und oft ohne es klar anzusprechen Und die betroffene Person fühlt sich vielleicht dann auch unverstanden, gedrängt oder als hätte man die Person aufgegeben.

00:16:34: Das Umfeld fühlt es sich vielleicht aufgeschlossen machtlos und ständig in Alarmbereitschaft und Behandelnde stehen vielleicht zwischen professioneller Verantwortung und selber emotionaler

00:16:47: Belastung.".

00:16:49: In solchen Situationen hilft es, auf die Hilflosigkeit überhaupt erst benennen zu dürfen.

00:16:54: Nicht als Vorwurf sondern als Realität zu sagen Es ist gerade schwer!

00:16:58: Es gibt keine einfache Lösung.

00:17:00: aber schauen wir das wird trotzdem im Gespräch bleiben und dafür ist eben gerade auch fürs Helfer-System Supervision so wichtig zu schauen.

00:17:08: okay wo steht man jetzt?

00:17:09: was ist jetzt sinnvoll?

00:17:10: wie könnte man in diesen Prozess noch mit hinein integrieren?

00:17:14: Was wäre vielleicht, wenn schon viel ausprobiert wurde ein anderer Ansatz den man noch nicht probiert hat.

00:17:22: Aber offen auch dafür zu sein das Thema chronischer Verlauf oder eigene Hilflosigkeit das Thema auch mal aufzubringen damit quasi dieser Elefant im Raum den manchmal an alle Spüren wirklich auch zubenennen kann helfen da mal eine Entlastung reinzubringen.

00:17:40: Auch wenn Chronifizierung schwer ist, bedeutet sie nicht dass nichts mehr möglich ist.

00:17:44: Vielleicht verändert sich aber auch die Perspektive darauf was Fortschritt bedeutet.

00:17:48: In chronischen Verläufen sind es manchmal nicht die großen Durchbrüche die entscheidend sind sondern vielleicht kleine Verschiebungen, mehr Offenheit in Gesprächen etwas mehr medizinische Stabilität vielleicht eine bessere Krisenwahrnehmung, ein bisschen weniger Isolation.

00:18:03: Ein etwas freundlicher Umgang mit sich selbst oder eine Phase mit etwas mehr Alltag, etwas mehr Kontakt und etwas mehr Leben außerhalb der Erkrankungen.

00:18:12: Und solche Schritte wirken von außen manchmal ganz unspektakulär für die betroffene Person kann es aber sehr viel

00:18:18: bedeuten.".

00:18:19: Wichtig ist außerdem, dass Behandlung nicht nur unter dem Blickwinkel von Heilung oder Scheitern gesehen wird.

00:18:26: Gerade bei chronischen Verläufen kann es um Lebensqualität gehen, um Schadensbegrenzung, um Stabilisierung und Beziehungsaufbau und das Offenhalten von Entwicklungsmöglichkeiten.

00:18:40: Es ist kein Aufgeben!

00:18:42: Vielleicht eher ein realistischer, oft sehr menschlicher Zugang.

00:18:44: Nicht jede Veränderung geschieht schnell, nicht jede Veranderung ist sichtbar und nicht jede wertvolle Begleitung zeigt sich sofort in der Symptomatik.

00:18:53: Gerade deshalb ist es so wichtig Menschen nicht vorschnell innerlich abzuschreiben – auch wenn eine Essstörung lange besteht können sich Dinge verändern!

00:19:01: Manchmal später, manchmal langsamer, manchmal anders als erwartet.

00:19:04: Das habe ich schon gesehen.

00:19:05: Auch nach einer dreißigjährigen Essstörung war anscheinend aus welchem Grund auch immer gerade?

00:19:11: der richtige Moment, wo es einen Schalter umgelegt hat.

00:19:15: Und ich glaube nicht dass ich jetzt so weiß ich nicht wie toll war sondern ich war vielleicht zur richtigen Zeit am richtigen Ort mit dem richtigen oder richtigen für diese Person in diesem moment passenden Ansatz wo plötzlich irgendwas ein Schalter Umgelegt wurde und nochmal eine ganz starke Veränderung zu wesentlich mehr Lebensqualität möglich war auch nach wirklich jahrzehntelanger Essstörung.

00:19:45: Hoffnung muss, finde ich nicht immer etwas sein was man so nach außen trägt, was so superlaut ist, was superoptimistisch sein muss.

00:19:54: Manchmal ist Hoffnung vielleicht auch einfach ein beständiges dran bleiben als wie ein großes Versprechen.

00:20:03: und vielleicht ist einer der schwierigsten aber auch wichtigsten Gedanken bei chronischen Essstörungen dieser Nicht alles leid lässt sich schnell auflösen, nicht jede Hilfe führt So, wie man es sich wünscht zu einer klaren Verbesserung und Genesung.

00:20:18: Und trotzdem hat Begleitung einen Wert.

00:20:22: Dasein hat einen Wert bzw.

00:20:25: hat einen wert.

00:20:26: Kleine Veränderungen haben ebenfalls einen Wert.

00:20:29: Ein Mensch ist nicht erst dann erfolgreich behandelt wenn alle Symptome verschwunden sind und ein Mensch isst nicht gescheitert weil der Weg lang ist.

00:20:38: Gerade bei chronischen Verläufen braucht es oft eine Sprache, die wenige in Erfolg und Misserfolg denkt oder sondern vielmehr in Beziehung, Stabilisierung, Würde, Sicherheit.

00:20:47: Und zwar so step by step!

00:20:49: Denn ich finde am Ende geht's halt darum, ob eine Erkrankung verschwindet ist, geht auch darum wie Menschen inmitten dieser Erkrankung gesehen begleitet und ernst genommen

00:20:59: werden.".

00:21:02: Wenn wir das Gesagte ganz kurz zusammenfassen, zeigt sich Chronifizierung bei Essstörungen ist eine schwere oft sehr belastende Realität.

00:21:11: für Betroffene weil die Erkrankung sich ganz tief ins Leben hineinbegeben hat.

00:21:16: Für Angehörige oft auch weil sie helfen möchten und an Grenzen stoßen und für Behandlungen der langfristigen Verläufe viel Geduld, Viel Kraft und manchmal auch dass Aushalten von Ohnmacht verlangen.

00:21:29: Hilflosigkeit auf Beiden Zeiten ist dabei nichts Ungewöhnliches.

00:21:35: Es ist auch nicht Gleichgültigkeit oder es ist kein Beweis dafür, dass niemand sich bemühlt.

00:21:43: Die Hilflosigkeit gehört oft zu einer Erkrankung, die einfach komplex, hartnäckig und so tiefgreifend ist.

00:21:49: Trotzdem bleibt etwas wichtig Menschen nicht aufzugeben.

00:21:54: Fortschritt!

00:21:55: in kleinen Schritten zu sehen und anzuerkennen, dass Begleitung, Beziehung und Stabilisierung ebenso wertvoll sind.

00:22:03: Und auch dann wenn nicht alles schnell geht.

00:22:08: Danke, dass du heute zugehört hast!

00:22:10: Vielleicht war diese Folge an manchen Stellen ein bisschen schwer?

00:22:15: Es war keine leichte Folge auch in der Vorbereitung.

00:22:19: Vielleicht hat das für manche ein bisschen Entlastung dabei.

00:22:23: Egal wer gerade... zuhört, aus welcher Personengruppe du bist.

00:22:28: Angehörige oder helfende Personen?

00:22:30: Oder vielleicht auch betroffene Personen?

00:22:32: Ich hoffe die Folge hat euch gefallen und ihr hört auch beim nächsten Mal wieder mit rein!

00:22:39: Und ich wünsche euch noch einen schönen Tag!

00:22:42: Tschüss!

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