Zwischen Anpassung und Kontrollverlust: Weibliches ADHS und Essstörungen

Shownotes

In dieser Folge spreche ich über weibliche ADHS und warum die Verbindung zu Essstörungen so oft lange unerkannt bleibt. Ich schaue darauf, wie sich ADHS bei Frauen häufig anders zeigt, welche Rolle gesellschaftliche Erwartungen, innere Unruhe, Perfektionismus und emotionale Überforderung spielen und warum Essstörungen oft eine Funktion übernehmen. Außerdem geht es um aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse, typische Muster im Alltag und darum, weshalb eine ADHS-Diagnose für viele Frauen eine völlig neue Sicht auf sich selbst ermöglichen kann.

Quelle/Buchempfehlung: Weibliche AD(H)S: Wie Frauen mit AD(H)S erfolgreich, selbstbewusst und stabil leben können, von Dr. med. Astrid Neuy Lobkowicz

Das Buch bietet einen klaren Einstieg in ADHS bei erwachsenen Frauen und verbindet Fachwissen mit praktischen Alltagstipps zu Konzentration, Emotionsregulation und Struktur. Es eignet sich für alle, die mehr über sich erfahren oder Orientierung suchen.

IG: @psychotherapie.wien

Homepage: www.praxis-verhaltenstherapie.at

Links:

Österreich:

Essstörungshotline: https://www.wig.or.at/selbsthilfe-beratung/hotline-fuer-essstoerungen

Österreichische Gesellschaft für Essstörungen: https://www.oeges.or.at/Essstoerungen/Hilfe-fuer-Betroffene/Beratungsstellen/

Deutschland:

Hilfe bei Essstörungen: https://essstoerungen.bioeg.de/hilfe-finden/

Deutsche Gesellschaft für Essstörungen: https://www.dgess.de

ADHS-Deutschland: https://adhs-deutschland.de

Schweiz:

Essstörungsinfos: https://www.pepinfo.ch/de/anlaufstellen/index.php

Schweizer Gesellschaft für Essstörungen: https://sges-ssta-ssda.ch

Transkript anzeigen

00:00:01: Herzlich willkommen zu meiner Podcast-Lebenskunst, dem Podcast über Essstörungen und allem was damit verbunden ist.

00:00:17: Hallo und herzlich Willkommen zu meiner podcaste Lebenskunst!

00:00:20: In der letzten Folge ging es um ADHS und heute möchte ich an diese Folge anschließen und zwar mit einem besonderen Fokus – und zwar ADHS bei Frauen.

00:00:30: beziehungsweise möchte ich mir auch hier wieder den Zusammenhang mit Essstörungen anschauen.

00:00:35: Gerade weiblich gelesene Personen sind in Forschung und Praxis leider nach wie vor unterrepräsentiert.

00:00:42: Und das führt häufig dazu, dass ADHS bei Ihnen nicht erkannt oder erst sehr spät diagnostiziert wird – genau darum geht es heute!

00:00:51: Ganz viel Spaß beim Zuhören!

00:01:02: man es sich genauer anschaut, eigentlich zwei ziemlich komplexe Störungsbilder die tatsächlich deutlich häufiger gemeinsam auftreten als man auch lange Zeit gedacht hat.

00:01:12: Und gleichzeitig ist das aber schon noch so dass genau diese Verbindung erstaunlich oft übersehen wird oder eben erst relativ spät erkannt wird und das gilt ganz besonders bei Mädchen!

00:01:26: Aber warum?

00:01:28: Viele Mädchen passen nämlich auf den ersten Blick irgendwie nicht in dieses klassische Bild von ADHS, sondern sie wirken eher angepasst ruhig vielleicht sogar unauffällig.

00:01:38: Natürlich nicht alle Mädchen aber es gibt eine Tendenz und genau darin liegt eigentlich oft auch schon würde ich mal sagen so dieses zentrale Problem.

00:01:47: ADHS kann nämlich im Hintergrund eine Rolle spielen, ohne dass es sofort sichtbar ist und viele Betroffene kompensieren das über ein ganz lange Zeithingwerk wirklich sehr erfolgreich.

00:01:58: Und in solchen Fallen kann es dann sein, dass die S-Störung eine bestimmte Funktion übernimmt.

00:02:04: also sie kann zum Beispiel einen Versuch sein Kontrolle zu erleben oder auch innere Anspannung irgendwie zu regulieren oder auch mit emotionaler Überforderungen umzugehen.

00:02:15: Und wenn man sich diesen Zusammenhang ein bisschen genauer anschaut, dann lohnt es sich eigentlich noch einen Schritt zurückzugehen und auch den gesellschaftlichen Kontext mitzudenken.

00:02:26: Denn ein ganz entscheidender Punkt ist nämlich der gesellschaftliche Rahmen in dem ADHS bei Frauen stattfindet.

00:02:34: Wenn man da eine feministische Perspektive einnimmt, dann ist die Anerkennung von ADHS bei Frauen tatsächlich eigentlich fast schon ein politischer Akt.

00:02:42: Über viele Jahrzehnte hinweg wurden weibliche Verläufe einfach in der Forschung und in der Diagnostik kaum berücksichtigt.

00:02:50: Das heißt das was lange als typische ADHS-Symptomatik gegolten hat basierte vor allem auf Beobachtungen bei Jungen Und viele Frauen konnten sich darin auch nicht wiederfinden wurden deshalb meistens auch nicht diagnostiziert oder haben ganz andere Diagnosen bekommen.

00:03:12: Dass heute mehr Diagnose gestellt werden, finde ich bedeutet eigentlich nicht dass ADHS plötzlich häufiger geworden ist oder dass die Kriterien aufgeweicht worden sondern vielmehr zeigt es das sich sowohl das medizinische Wissen als auch die gesellschaftliche Wahrnehmung weiterentwickelt haben.

00:03:31: Man könnte sagen, es wurde ein blinder Fleck plötzlich sichtbar gemacht und für viele Betroffene hat das eine enorme Bedeutung.

00:03:39: Eine Diagnose ist nämlich nicht nur eine Beschreibung von Symptomen sondern kann auch so etwas wie sozusagen eine Neubewertung der eigenen Lebensgeschichte ermöglichen.

00:03:53: Viele Frauen beginnen dadurch, sich selbst anders zu sehen.

00:03:57: Also nicht mehr als zu viel oder zu chaotisch oder zu sensibel sondern eher als Menschen mit einem Nervensystem das einfach anders funktioniert und das kann wiederum helfen den Selbstwert zu stärken.

00:04:13: alte Zuschreibungen werden da nämlich dann hinterfragt und eigenen Narrative sozusagen eine neue Geschichte die man über sich erzählt wird entwickeln anstatt sich weiterhin durch eigentlich eine defizitäre Brille zu betrachten.

00:04:31: Und genau aus diesem größeren Kontext heraus wird dann auch verständlicher, warum sich ADHS bei Frauen oft anders zeigt.

00:04:39: Kindesalter ja deutlich häufiger bei jungen Diagnostiziert, was unter anderem daran liegt, dass deren Symptome oft stärker nach außensichtbar sind.

00:04:48: Also Unruhe, Impulsivität, Lautstärke oder auch Regelverletzungen – das fällt einfach viel schneller auf!

00:04:55: Mädchen und Frauen zeigen dagegen häufig ein anderes Bild.

00:04:58: Das bedeutet aber nicht, dass sie weniger betroffen sind sondern eher, dass sich die Symptomen anders ausdrücken.

00:05:07: Viele erleben zum Beispiel eine starke innere Unruhe, sehr intensive Emotionen und auch Impulsivität die aber weniger sichtbar nach außen gelebt wird.

00:05:20: Und hier spielen gesellschaftliche Erwartungen eine ganz zentrale oder eigentlich ziemlich große Rolle.

00:05:27: von Frauen wird oft erwartet angepasst zu sein emotionen zu kontrollieren und irgendwie für Harmonie zu sorgen Und viele Mädchen lernen deshalb relativ früh, dass sie nicht zu viel sein dürfen.

00:05:40: Daraus entstehen dann wiederum Muster wie das Unterdrücken von Emotionen oder auch eine starke Überanpassung oder eigentlich auch ein ausgeprägtes Kontrollverhalten.

00:05:53: und wenn man es vereinfacht sagt könnte man sagen Männer mit ADHS Externalisieren häufiger, also gehen wir nach außen.

00:06:02: Während Frauen eher internalisieren als wo sie hier nach innen geht.

00:06:07: Männer explodieren eher nach Außen und Frauen implodieren eh nach Innern.

00:06:13: Wobei das aber – und das ist mir ganz wichtig – Tendenzen sind und keine feste Regel.

00:06:17: Es gibt natürlich genau andersrum es genauso.

00:06:23: Wenn man diesen Blick aber vielleicht noch ein bisschen mehr vertieft, dann wird auch die emotionale Ebene noch einmal besonders deutlich.

00:06:30: Viele Frauen mit ADHS erleben ihre Gefühle nämlich als besonders intensiv – zumindest habe ich diese Beschreibungen in der Praxis so schon öfters gehört.

00:06:40: also große Begeisterung und dann aber auch relativ schnell tiefe Traurigkeit oder starke Kränkungen, aber auch wiederum ganz intensive Freude!

00:06:51: Und all das kann sehr präsent sein im Alltag.

00:06:54: Diese emotionale Dynamik ist aber oft belastet und wird von außen nicht selten noch missverstanden, Aussagen wie eben du bist so sensibel oder zu dramatisch oder übertreibst du nicht vielleicht ein bisschen?

00:07:10: Und Zuschreibungen können dazu führen dass sich ein eher negativer Selbstbild entwickeln.

00:07:17: Viele Frauen mit ADHS sind deshalb eher selbstkritisch stark auf Anpassung auch bedacht und bemüht Erwartungen zu erfüllen.

00:07:26: Nach außen wirken sie dann oft ziemlich funktional, während sie innerlich aber eigentlich total unter Druck stehen ganz viele Gefühle der Überforderung spüren und auch Erschöpfung.

00:07:39: also viele sind einfach richtig müde und erschöpft davon.

00:07:45: Und wenn man sich dann den Alltag und so typische Muster anschaut, wird das Ganze finde ich jetzt noch etwas konkreter.

00:07:52: Es gibt nämlich einige Muster die bei vielen Frauen mit ADHS häufiger vorkommen wobei die Ausprägung natürlich ganz individuell ist und sehr unterschiedlich sein kann.

00:08:03: Häufig werden zum Beispiel viele Aufgaben begonnen aber es fällt schwer sie wirklich zu Ende zu bringen Oder nur unter besonders großem Zeitdruck, dann klappt es bei vielen doch irgendwie.

00:08:16: Aber es braucht diesen Druck von außen.

00:08:19: Begeisterung entsteht oft sehr schnell und kann aber auch recht schnell wieder abflachen.

00:08:24: Struktur und Organisation haben ja schon viele beschrieben.

00:08:28: das das Eherschwerfeld, dass es viel Gedankenkreisen gibt und dass vor allem auch das Abschalten nicht wirklich gut gelingt.

00:08:38: Und häufig zeigt sich auch ein Wechsel zwischen extremen, also so ein alles oder nichts erleben.

00:08:44: Gepaart mit Impulsivität oder auch Ungeduld und entweder einer starken Reizsuche oder eben auch einem Rückzug bei Überforderung.

00:08:57: Und genau in dieser Stelle beginnen dann viele betroffene Strategien zu entwickeln um damit irgendwie umzugehen was ja auch Sinn macht weil man muss das Ganze ja irgendwie aushalten.

00:09:07: Und viele Frauen entwickeln im Laufe ihres Lebens verschiedene Strategien, um ihre Schwierigkeiten zu kompensieren.

00:09:14: Dazu gehören zum Beispiel Perfektionismus über Anpassung starkes Kontrollverhalten oder auch People-Pleasing und diese Strategien funktionieren oft ziemlich lange und werden gesellschaftlich eigentlich oft sogar belohnt.

00:09:30: Aber sie haben halt auch ihre Grenzen.

00:09:32: Spätestens in belastenden Lebensphasen zum Beispiel, bei hoher beruflicher Verantwortung oder auch in der Mutterschaft brechen diese Strategien häufig zusammen und dann wird sichtbar was eigentlich ganz lange Zeit überdeckt war.

00:09:50: Und neben dieser eher klinischen Beobachtung gibt es inzwischen eine wachsende Studienlage die diesen Zusammenhang auch unterstützt.

00:10:02: Also auch wissenschaftlich wird die Verbindung zwischen ADHS und S-Störungen zunehmend belegt.

00:10:07: Studien zeigen, dass Kinder und Jugendliche mit ADHS ein erhöhtes Risiko für S-Sstörungen haben.

00:10:14: Besonders deutlich ist der Zusammenhang bei Binsh-Eating Störungen gefolgt von Bulimie und in einem geringerem aber dennoch finde ich schon auch relevanten Ausmaß auch bei der Anorexie.

00:10:26: Und diese Zahlen sind allerdings einfach durchschnittswerte und jetzt keine individuellen Vorhersagen, aber ich finde sie machen schon deutlich dass diese Überschneidung klinisch relevant ist.

00:10:38: Und wenn man sich die Hintergründe genauer anschaut wird deutlich das es sich um ein ziemlich komplexes Zusammenspiel handelt.

00:10:48: also die Verbindung zwischen ADHS-und Essstörungen entsteht nämlich durch mehrere Faktoren gleichzeitig.

00:10:55: Neurologisch spielen da einfach Veränderungen im Dopaminstoffwechsel eine Rolle bzw.

00:11:00: Veränderung im Belohnungssystem, genauso wie eine eingeschränkte Impulskontrolle und das kann zu impulsivem Essverhalten führen beziehungsweise auch zu Schwierigkeiten mit Sättigung, also Sättigung zu spüren und auch zu einem starken Bedürfnis nach unmittelbarer Bedürfsbefriedigung.

00:11:23: Als es da ewig lange zu warten, bis das Bedürfnis befriedigt wird ist tendenziell schwieriger.

00:11:28: Psychologisch kommen häufig dann Misserfolge dazu, Selbstzweifel, emotionale Überforderungen und Essen kann dann halt leider auch beruhigen.

00:11:39: Essen kann ablenken, essen kann ein Gefühl von Kontrolle vermitteln und in manchen Fällen entsteht Kontrolle gerade durch das Nicht-Essen.

00:11:49: und ja zusätzlich können dann halt auch noch genetische Faktoren sowohl ADHS eigentlich auch als auch das S-Verhalten beeinflussen.

00:11:58: Das heißt, wenn ADHS in der Familie, in der Genetik schon vorhanden ist, ist das Risiko ebenfalls höher genau so, wenn es schon andere Personen oder in der weiteten Familie gab mit S-Störung.

00:12:12: Ist das Risico ebenfalls erhöht?

00:12:15: Ein Punkt, der dabei oft übersehen wird ist die Wechselwirkung zwischen beiden Bereichen.

00:12:20: Es ist nämlich so dass die Beziehung zwischen ADHS und S-Störungen eigentlich bidirektional ist.

00:12:28: das heißt adhs kann eine S- Störung begünstigen Und S-Sstörungen können wiederum ADHS Symptome verstärken.

00:12:38: Das heisst nicht dass das eine automatisch das andere verursacht Aber sie beeinflussen sich gegenseitig.

00:12:47: Und wenn man sich die Auswirkungen anschaut, wird deutlich eigentlich wie vielschichtig das Ganze ist und die Kombination aus ADHS-und S-Störung kann sich dann schon auf verschiedenste Ebenen auswirken – und es wird auch auf verschiedenen Ebeninnen gesehen.

00:13:07: Körperlich zum Beispiel durch Gewichtsschwankungen oder auch erhöhte Gesundheitsrisiken.

00:13:12: Psychisch Durch vielleicht viel Schuldgefühle, Schamgefühlen.

00:13:17: Ein niedriges Selbstwertgefühl Perfektionismus-Tendenzen Sozialeventuell durch Rückzug oder Schwierigkeiten im Alltag.

00:13:27: und auch hier ist die Ausprägung aber natürlich total individuell und von Person zu Person unterschiedlich.

00:13:35: Und um das Ganze jetzt ein bisschen greifbarer zu machen kann man sich ein Beispiel oder habe ich ein Beispiel vorbereitet?

00:13:43: Dieses Fallbeispiel ist tatsächlich erfunden und zwar einfach zusammengestellt aus verschiedensten Erfahrungen, die ich im Laufe der Zeit in der Praxis gemacht habe.

00:13:55: Stellt jetzt einmal eine Mädchen vor und ich hab es jetzt einfach mal Sarah genannt.

00:13:59: Einfach weil ich mich gerade nicht erinnern kann, wenn ich das letzte Mal eine Sarah in der praxis hatte.

00:14:06: Also, dieses Ader auf jeden Fall ist fünfzehn Jahre alt und wird mit ungefähr zwölf Jahren erstmals mit ADHS diagnostiziert.

00:14:14: Eher im Sinne einer leichten Ausprägung und sie fällt eigentlich zuerst nicht stark auf, stört den Unterricht auch nicht, ist eh also verträumt, kriegt dann viele Dinge nicht mit, vergisst viele Dinge und ist schnell abgelenkt – was aber früh da ist!

00:14:31: ist so etwas wie eine starke innere Unruhe oder auch Schwierigkeiten im Umgang mit Gefühlen und doch recht schnelle Wechsel zwischen Begeisterung und Frustration.

00:14:42: Und nach außen wirkt sie lange Zeit eigentlich ziemlich angepasst, ihre Leistungen sind zunächst eigentlich ganz gut nicht irgendwie auffällig, sie ist höflich sehr bemüht.

00:14:53: wenn sie emotional reagiert wird das eher als Laune oder vielleicht auch als Pubertät eingeordnet.

00:15:00: Innerlicher lebt sie aber ein ständiges Getriebensein, das Gefühl nie wirklich so richtig zur Ruhe zu kommen.

00:15:07: Braucht auch zum Einschlafen am Abend immer sehr lange Gedanken sind da die sich eigentlich überschlagen und auch starkes Selbstzweifeln.

00:15:18: Was diesen Fall noch ausmacht, ist dass Sarah Hohe Ansprüche an sich selbst hat ein Wunsch alles richtig zu machen.

00:15:25: Gleichzeitig merkt sie aber auch das sie dem oft nicht gerecht wird und das erzeugt einen ziemlich starken inneren Druck.

00:15:33: mit ungefähr vierzehn Jahren verändert sich dann das Essverhalten.

00:15:37: Anfangs vielleicht noch eher unauffällig mehr Süßigkeiten und heimliches Essen, also als Belohnung oder Trost.

00:15:46: aber relativ schnell entwickelt sich daraus ein Muster.

00:15:50: Und sie beginnt in kurzer Zeit große Mengen zu essen häufig abends wenn sie allein ist.

00:15:56: Sie beschreibt diese Momente später so als wäre sie ferngesteuert Als würde etwas in ihr übernehmen quasi das Ruder übernehmen und während des Essens fühlt es sich kurzfristig auch ruhiger Weniger angespannt, fast ein bisschen wie betäubt.

00:16:12: Im Kopf ist es dann auch leise, weniger Gedankenkreisen.

00:16:16: Doch danach kommen leider ganz starke Stolzgefühle, ganz viel Scham und vor allem auch Ekel vor sich selbst!

00:16:25: Und um diese Gefühle loszuwerden beginnt sie irgendwann zu erbrechen weil sie auch bemerkt hat dass sie mit diesen Essenfällen schon ein bisschen zugenommen hat was sie nicht wollte.

00:16:35: So entsteht einen Kreislauf aus Anspannung-Essenfall kurzfristiger Entlastung Schuldgefühle, Scham- und Ekelgefühlen erbrechen.

00:16:46: Und dann wieder erneute Anspannung als ein ganz furchtbarer Teufelskreis!

00:16:51: Und hier ist die Essstange jetzt nicht zufällig entstanden sondern sie erfüllt tatsächlich eine ganz bestimmte Funktion.

00:16:57: Sie hilft Sarah kurzfristig mit ihrer inneren Unruhe und dieser Überforderungen, die sich ständig spürt und dem Gefühl auch nicht zu genügen umzugehen Und langfristig verstärkt sie aber genau diese Gefühle.

00:17:11: In der Schule zieht sich zunehmend zurück, ihre Leistungen schwanken oder wird insgesamt eigentlich erschöpfter und ist gereizter als erlaunischer.

00:17:23: Vieles wird dann oft auch als normale Pubertät abgetan während die eigentliche Dynamik dahinter lange unerkannt

00:17:31: bleibt.".

00:17:32: Erst als die Essernfälle zunehmen und dadurch auch körperliche Symptome auftreten, wird dann genauer hingeschaut.

00:17:39: Und in der Diagnostik zeigt sich dann dass die ADHS-Symptomatik hier eine ganz zentrale Rolle spielt Also die Impulsivität, begünstigte Essenfälle.

00:17:50: Emotionale Dysregulation erzeugt das Bedürfnis und ein starkes Bedürfen nach Entlastung.

00:17:57: Und der innere Druck führt dann zu einem kompensatorischen Verhalten also zu einem Verhalten was das Ganze wieder aufhebt.

00:18:06: Und Sarah beschreibt später dann dass das Essen das Einzige war was ihren Kopf ihre Gedanken für einen Moment leise gemacht hat.

00:18:17: Also es war dann einfach mal kurz ruhig.

00:18:20: Und im weiteren Verlauf ist es dann wichtig so ein multidisziplinäres Setting, zu gewährleisten, also Psychotherapie, ärztliche Begleitung, Dietologie und entscheidend ist dabei das eben nicht nur die S-Störung behandelt wird sondern auch die ADHS Symptomatik berücksichtigt wird.

00:18:40: Das ist ganz wichtig!

00:18:43: Würde man da jetzt nur die Störungen in den Blick nehmen würde man einen ganz zentralen Aspekt von den Ursachen einfach Ja, auf die Seite schieben nicht berücksichtigen.

00:18:56: Das wäre ein riesiger blinder Fleck und in der Therapie lernt sie dann ihre Emotionen besser zu verstehen, alternative Strategien zur Spannungsregulation zu entwickeln

00:19:08: usw.,

00:19:08: Zusammenhänge auch zwischen ADHS-und S-Verhalten zu erkennen.

00:19:12: Und das ist eben so wichtig!

00:19:13: Da gilt es viel Psychoeducation zu machen.

00:19:16: einerseits was ADHS sammelt an eine Funktion hergenommen wird, um quasi die ADHS-Symptomatik auszuhalten.

00:19:31: Und wir wissen oft bei ADHS – man kann in der Psychotherapie schon auch vielen Strukturen an Orientierung und so weitergeben – aber je nach Ausprägung Und auch Alter und Anforderungen vom Alltag macht es auch Sinn, sich Medikamentös eventuell unterstützen zu lassen.

00:19:49: In Absprache natürlich immer mit dem Arzt oder der Ärztin aber das kann in verschiedensten Fällen durchaus Sinn machen um den Menschen einfach ein Stück weit zu entlasten.

00:19:59: Mit der Zeit wenn es so funktioniert wie man sich das wünscht ist das Ziel die Essernpfeile zu reduzieren Und das eben für Sarah möglich ist, mit dieser Anspannung anders umzugehen.

00:20:14: Ihren Alltag generell vielleicht auch ein bisschen anders zu organisieren, dass sie gar nicht erst in so eine Riesenanspannung permanent hineinkommt.

00:20:22: und es ist natürlich auch wichtig am Selbstbild zu arbeiten.

00:20:26: also ein ganz zentraler Schritt ist wirklich auch diese innere Stimme, diese innere Abwertung von sich selbst.

00:20:35: Die Erwartungshaltung an sich selbst ein bisschen aufzuweichen.

00:20:39: und wichtig ist ganz oft einfach ein Verständnis zu entwickeln dass die Menschen oder auch die Sarah hier nicht schwach sind sondern das Nervensystem da einfach anders funktioniert und man deswegen auch ein bisschen anders mit banden Dingen umgehen muss.

00:20:58: Und wenn man von diesem Beispiel wieder ein Stück zurückgeht, lässt sich daraus eigentlich eine übergeordnete Einordnung ableiten könnte man sagen.

00:21:07: Ich finde das Beispiel zeigt ganz gut wie eng ADHS und S-Störungen miteinander verbunden sein können.

00:21:14: So Fälle habe ich schon einige in der Praxis gesehen.

00:21:16: Wie gesagt dieses Fallbeispiel ist so ein bisschen ein Zusammenstückchen von verschiedenen Personen einfach damit Genau.

00:21:23: Ist auf jeden Fall was Anonymes ist und sich niemand angesprochen fühlt, fühlt sich jemand angesprochen dann ist das tatsächlich einfach Zufall weil sich Dinge natürlich auch immer wieder beschneiden und bei mehreren Menschen zu sehen sind.

00:21:37: Wichtig ist aber auch in dem Fallbeispiel von Sarah, dass man eben eine umfassende Diagnostik gemacht hat.

00:21:45: Um tatsächlich halt nicht nur die S-Störung herauszufinden sondern eben auch Komorbiditäten und das da die ADHS einfach erkannt wurde.

00:21:56: Das heißt ich finde das Beispiel zeigt wirklich ganz gut wie ADHS und S-Steuerungen miteinander verbunden sein können wie lange solche Zusammenhänge leider oft auch übersehen werden und wie wichtig es ist, eben beide Ebenen zu betrachten.

00:22:12: Und gleichzeitig gilt aber natürlich auch das nicht jede Person mit ADHS eine S-Störung entwickelt und auch nicht jede S-Sstörung mit ADHs zusammenhängt.

00:22:20: Ich glaube, dass ist klar, aber es war mir trotzdem wichtig, das jetzt einfach noch zu sagen.

00:22:24: Wenn beides jedoch gemeinsam auftritt dann ist es wichtig einen genaueren Blick auf die Verbindung zu legen.

00:22:33: Und wenn man das jetzt noch einmal konkret auf einzelne Störungsbilder bezieht, zeigen sich bestimmte typische Muster.

00:22:41: Bei Binge Eating zeigt sich häufig impulsives Essen zur Emotionsregulation eben oft verbunden mit einem Kreislauf aus Scham und erneutem Essen.

00:22:51: bei Ulimi treten Essenfälle in Kombination mit einem kompensatorischen Verhalten auf, häufig begleitet von einem eher kurzfristigen Gefühl von Kontrolle.

00:23:03: Was für viele aber auch sehr hilfreich ist.

00:23:06: im ersten Moment im Umgang mit all den Gefühlen und bei der Anorexie spielen vor allem Kontrolle Perfektionismus und auch die Restriktion.

00:23:15: also das gezielt weniger Essen als Strategie ist da ganz wichtig.

00:23:20: Und daraus ergibt sich dann natürlich auch die Frage nach der Behandlung und der Perspektive.

00:23:29: ADHS an sich ist nicht etwas, was heilbar ist sondern es ist einfach eine Art des Seins.

00:23:37: aber Man, wir wissen immer mehr darüber und die Welt ist leider so wie sie ist.

00:23:43: Nicht immer gemacht für Menschen mit ADHS.

00:23:46: das heißt nicht dass Menschen mit adhs falsch sind sondern dass einfach das umfällt manchmal dann nicht zu ihnen passt Und es ist auch nicht immer ganz so fair dass die denn lernen müssen wie sie in dieser welt da draußen zurechtkommen können.

00:24:01: Aber ja, in der Therapie bedeutet es halt wirklich einfach den Menschen zu helfen, deren Lebenssituationen zu betrachten.

00:24:08: Ein besseres Selbstverständnis zu entwickeln, selbst mit Gefühl zu stärken.

00:24:13: passende Strategien zu finden, um mit den verschiedensten Emotionen wie Wut oder Trauer umgehen zu können.

00:24:21: Oder eben auch manchmal mit dem Gefühl der Unfairness dass die Welt sogar keine Rücksicht nimmt auf ADHS Personen und vielleicht ändert sich dabei in Zukunft ein bisschen was umso mehr darüber geredet wird.

00:24:37: Das war's auch mit dieser Folge.

00:24:39: Vielen Dank fürs Zuhören und ich würde mich natürlich freuen, wenn du meinen Podcast unterstützt!

00:24:45: Wenn ihr dir gefällt dann gerne teilen oder auch bewerten.

00:24:50: Danke schön und bis zum nächsten Mal.

00:24:53: Tschüss.

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