Wenn Scrollen am Selbstwert kratzt: Social Media und Körperbild

Shownotes

Social Media beeinflusst, wie wir unseren Körper wahrnehmen und das oft stärker, als uns bewusst ist. In dieser Folge spreche ich darüber, warum idealisierte Körperbilder so viel Druck erzeugen, wie soziale Vergleiche entstehen und weshalb gerade im Zusammenhang mit Essstörungen besondere Vorsicht gefragt ist. Gleichzeitig geht es auch darum, wie ein bewusster Umgang mit Social Media aussehen kann und warum es weniger darum geht, ob wir es nutzen, sondern wie.

IG: @psychotherapie.wien Homepage: www.praxis-verhaltenstherapie.at

Links: Österreich: Essstörungshotline: https://www.wig.or.at/selbsthilfe-beratung/hotline-fuer-essstoerungen Österreichische Gesellschaft für Essstörungen: https://www.oeges.or.at/Essstoerungen/Hilfe-fuer-Betroffene/Beratungsstellen/

Deutschland: Hilfe bei Essstörungen: https://essstoerungen.bioeg.de/hilfe-finden/ Deutsche Gesellschaft für Essstörungen: https://www.dgess.de

Schweiz: Essstörungsinfos: https://www.pepinfo.ch/de/anlaufstellen/index.php Schweizer Gesellschaft für Essstörungen: https://sges-ssta-ssda.ch

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00:00:01: Herzlich willkommen zu meinem Podcast Lebenskunst, dem Podcast über Essstörungen und allem was damit verbunden ist.

00:00:17: Herzlich willkommen zu meinem Podcast Lebenskunst, Esssteuerungen im Fokus.

00:00:22: Schön dass du heute wieder dabei bist.

00:00:24: in dieser Folge möchte ich über ein Thema sprechen das würde ich mal sagen sehr viele Menschen täglich begleitet und gleichzeitig leider oft unterschätzt wird und zwar den Einfluss von Social Media auf unser Körperbild.

00:00:39: vielleicht kennst du auch von dir selbst diesen Moment, man öffnet eigentlich nur kurz Instagram oder TikTok?

00:00:47: Eigentlich auch ohne große Absicht und man möchte nur so ein bisschen scrollen und ein paar Bilder anschauen.

00:00:53: Und irgendwann verändert sich aber etwas!

00:01:02: Ein Gefühl.

00:01:03: Der eigene Körper wirkt plötzlich vielleicht nicht mal ganz so richtig oder nicht schlank genug, nicht definiert genug und nicht schön genug.

00:01:12: Der eigene Kleidungsstil ist vielleicht auch dann viel zu uncool oder viel zu banal oder viel normal... Und genau darüber möchte ich heute eigentlich mit euch sprechen, warum soziale Medien so stark ein Einfluss darauf haben wie wir unseren Körper wahrnehmen und weshalb dieser Einfluß gerade im Zusammenhang mit Essstörungen besonders relevant ist.

00:01:34: Unser Körperbild beschreibt nicht nur wie unser Körper aussieht, sondern auch wie wir ihn bewerten.

00:01:41: Welche Gedanken wir über unseren Körper haben, welche Gefühle damit verbunden sind und auch wie sehr unser Selbstwert daran geknüpft ist – dieses Körperbild entsteht nie isoliert!

00:01:53: Es entwickelt sich immer im Austausch mit unserer Umwelt Und Social Media ist heute einfach ganz klar ein zentraler Teil dieser Umwelt geworden.

00:02:06: Da gibt es einen entscheidenden Punkt, würde ich mal sagen auf den ich jetzt eingeben möchte und zwar auf sozialen Medien sind einfach idealisierte Körpertypen ganz massiv überrepräsentiert.

00:02:20: Dadurch entsteht ein verzerrtes Bild davon wie Körper angeblich auszusehen haben – was wir sehen wirkt!

00:02:28: plötzlich normal, obwohl es statistisch gesehen oft die Ausnahme ist.

00:02:33: Und genau daraus entsteht Druck besonders vor allem bei jungen Menschen.

00:02:37: aber ich würde nicht sagen dass das nur bei jungen Menschen der Fall ist sondern dass sich das tatsächlich auch über den Lebensalter hinweg immer wieder zeigt.

00:02:45: Dennoch im Bezug auf Essstörungen gelten Jugendliche als Hochrisikogruppe.

00:02:52: könnte man sagen Ja, junge Menschen vor allem im Alter zwischen vierzehn und neunzehn Jahren.

00:02:58: Weil diese Lebensphase einfach so massiv geprägt ist von der Identitätssuche, von ganz viel Unsicherheit – und vor allem eben vom Wunsch auch dazu zu gehören!

00:03:08: Und Attraktivität scheint dabei häufig wie eine Art soziale Eintrittskarte zu funktionieren.

00:03:16: Also ja, wenn ein Mensch schön ist hat man es leichter und ich glaube dass das teilweise wirklich so stimmt in der Gesellschaft Attraktivität für viele ein ganz massiver Bonus ist und wenn soziale Anerkennung scheinbar einfach mit Aussehen verknüpft ist, bekommt natürlich der Körper eine ganz enorme Bedeutung.

00:03:38: Und was passiert jetzt aber, wenn wir über längere Zeit hinweg mit idealisierten Körpern konfrontiert werden?

00:03:45: Und hier gibt es würde ich mal sagen wie zwei Mechanismen!

00:03:49: Der erste ist die sogenannte Internalisierung, also das Verinnerlichen.

00:03:55: Je häufiger wir ein bestimmtes Schönheitsideal sehen, desto vertrauter und normaler erscheint es uns!

00:04:03: Und unser Gehirn beginnt dieses Ideal als Maßstab quasi wie zu übernehmen und wenn die eigene Wahrnehmung dann davon abweicht entsteht bei vielen Menschen ganz viel Unzufriedenheit.

00:04:17: Der zweite Mechanismus sind soziale Vergleiche.

00:04:22: Menschen tendieren dazu, sich ständig zu vergleichen.

00:04:26: Und wie intensiv sie aussehen mit anderen Vergleichen bzw.

00:04:31: wie ausgeprägt diese Vergleichstendenz ist.

00:04:34: und je stärker Schönheitsideale verinnerlicht werden desto höher wird das Risiko dafür, so eine Unzufriedenheit im Körper zu spüren.

00:04:43: Und an dieser Stelle ist etwas ganz Wichtiges, finde ich zu betonen.

00:04:48: Die Körperunzufriedenheit an sich ist zunächst eigentlich total menschliches Gefühl.

00:04:53: Fast jede Person – ich darf mich jetzt nicht sagen alle Personen aber ich würde mal sagen schon sehr viele Menschen kennen so Momente in denen sie sich einfach im eigenen Körper nicht wohlfühlen und das ist auch okay.

00:05:06: es kann schon nochmal vorkommen es ist nicht gleich alles pathologisch und krank oder so.

00:05:12: Ein Problem wird, dass dann oder im Achtsammer sollte man werden, wenn diese Gefühle aber nicht mehr gut reguliert werden können.

00:05:19: Wenn es nicht mehr aufhört, wenn plötzlich ganz viel Scham im Alltag da ist, wenn ganz viel Selbstkritik da ist oder auch man beginnt sich selbst immer stärker abzulehnen so das sich auch das Verhalten verändert zum Beispiel das Essen eingeschränkt wird oder die Bewegung plötzlich zwanghaft wird und auch soziale Situationen vermieden werden.

00:05:41: Und Menschen mit einer ausgeprägten Körperbildstörung nehmen häufig ganz viele Marken wahr, die für andere kaum oder gar nicht sichtbar sind.

00:05:53: Manchmal entwickeln Menschen so eine starke Scham gegenüber ihrem eigenen Körper, dass sie Spiegel vermeiden und sich aus einem sozialen Leben zurückziehen.

00:06:03: Das versuchen Sie einfach wirklich gar nicht mehr anzuschauen!

00:06:09: und ihren Körper versuchen eigentlich zu vermeiden, was natürlich schwierig ist weil man trägt ihn überall hin mit.

00:06:17: A ist dann im Alltag einfach dieses Gefühl von einer permanenten... Ich bin unattraktiv ich bin hässlich!

00:06:25: Ich bin nicht schön genug.

00:06:26: also ganz viel Körperabwertung da was zu einem starken Leid führt.

00:06:33: Und ein weiterer wichtiger Aspekt ist die zunehmende Objektivierung des Körpers.

00:06:37: Wenn Körper einfach ständig fotografiert werden, bewertet werden, kommentiert werden beginnen ganz viele Menschen sich selbst von außen zu betrachten.

00:06:44: der Körper wird sozusagen zu etwas das beurteilt werden muss statt zu etwas dass erlebt wird.

00:06:50: und man fragt sich nicht mehr wie sich der Körper anfühlt sondern eher Wie wirkt mein Körper?

00:06:56: Dabei spielt nicht nur Social Media eine wichtige Rolle.

00:06:59: Auch das unmittelbare Umfeld prägt ganz klar unser Körperbild stark, vor allem durch Kommentare über Gewicht, Überaussehen und Überkleidung.

00:07:08: Selbst ganz beiläufige Aussagen wie Darin sehe ich dick aus können langfristig eine Wirkung haben!

00:07:15: Auch Kinder lernen Körperbewertung oft nicht durch die direkte Kritik, sondern durch Beobachtungen.

00:07:21: Wenn Bezugspersonen ihren eigenen Körper ständig kritisch betrachten oder vergleichen und auch selbst kommentieren kann sich diese defizitorientierte Sichtweise ganz unbewusst übertragen.

00:07:33: Und gleichzeitig stellt sich aber die Frage nach Verantwortung – Studien zeigen inzwischen deutlich dass Social Media das Körperbild messbar negativ beeinflussen können!

00:07:45: Und Plattformen funktionieren aber über diese Algorithmen, die Aufmerksamkeit belohnen.

00:07:51: Das heißt bearbeitete ästhetische oder extreme Inhalte erhalten wesentlich mehr Reichweite und deswegen wird auch zunehmend diskutiert ob eben bearbeiteten Bilder stärker gekennzeichnet werden sollten und ob Algorithme solche Inhalten weniger bevorzugen müssten Denn viele der gezeigten Körper bilden einfach die Realität nicht ab.

00:08:20: Und da kommt auch noch ein gesellschaftlicher Faktor dazu, über den selten gesprochen wird mit Körperunzufriedenheit lässt sich enorm viel Geld verdienen!

00:08:29: Eine ganze Industrie basiert darauf, Menschen das Gefühl zu vermitteln nicht ausreichend zu sein.

00:08:34: Nicht schön genug zu sein, nicht gut genug Schönheitsprodukte Diäten, Fitnessprogramme oder Optimierungsversprechen keine Ahnung was alles.

00:08:43: die leben davon dass die Zufriedenheit immer ein Stück weit nicht erreichbar bleibt.

00:08:48: Das Problem liegt daher nicht allein beim Individuum selbst sondern auch in strukturell und gesellschaftlichen Dynamiken.

00:08:58: Und trotz all dessen ist Social Media trotzdem nicht ausschließlich negativ.

00:09:04: Viele Menschen finden dort natürlich Aufklärung und Austauscht, Unterstützung und auch gute Recovery Accounts – Nicht alle sind gut!

00:09:14: Da muss man immer sehr, sehr gut aufpassen.

00:09:17: aber es gibt schon auch Accounts die auf eine realistische Körperdarstellung schauen offene Gespräche über psychische Gesundheit und so weiter.

00:09:26: Entscheidend ist letzten Endes nämlich einfach, wie wird das Ganze genutzt?

00:09:31: Also die Art der Nutzung!

00:09:34: Und Untersuchungen zeigen, dass Menschen sich häufig wohler fühlen wenn sie ihre Social Media Zeit einfach ganz bewusst reduzieren oder auch ihren Feed aktiv gestalten.

00:09:44: Also eine hilffreie Frage kann tatsächlich sein welche Inhalte tun mir gut?

00:09:49: Was inspiriert mich wirklich und was löst eher Druck- oder selbst Zweifel aus?

00:09:57: Und ebenso wichtig bleibt die Verbindung außerhalb quasi Das digitalen Raums, das heißt Beziehungen in denen Wertschätzung nicht vom Aussehen abhängt wirken tatsächlich wie ein Gegengewicht.

00:10:11: Ein stabiles Körperbild entsteht selten durch Likes oder Bestätigung von außen sondern durch die Erfahrung im eigenen Körper und durch echte soziale Zugehörigkeit.

00:10:20: Und deswegen sind im echten Leben durchaus einfach Beziehung egal in welcher Art freundschaftliche Beziehungsbeziehungen Liebesbeziehung Also einfach der Austausch im echten Leben mit Menschen ist ganz, ganz wichtig und ein sehr gutes Gegengewicht.

00:10:38: Vielleicht lässt sich diese Folge so zusammenfassen, Social Media verstärkt Vergleich beschleunigt ideale und beeinflusst unser Körperbild stärker als uns das glaube ich oft bewusst ist.

00:10:51: Körperunzufriedenheit ist dabei aber trotzdem kein persönliches Versagen sondern es entsteht einfach im Zusammenspiel von verschiedenen Faktoren.

00:11:00: Aber die bewusste Nutzung und auch das kritische Hinterfragen und eine, würde ich mal sagen stärkere Orientierung haben, eigenen erleben.

00:11:08: Und am eigenen realen Leben können helfen diesen Einfluss etwas einzugrenzen bzw.

00:11:14: dem etwas entgegenzusetzen.

00:11:17: Vielleicht ist es am Ende ein guter Gedanke der eigene Körper kein Projekt zur permanenten Optimierung sondern der Körper ist notwendig und wichtig dass wir leben können gut durchs Leben gehen können, unsere Ziele hereinkönnen und unsere Wünsche uns erfüllen können.

00:11:35: Genau!

00:11:35: Also unser Körper hilft uns am Leben teilzunehmen.

00:11:39: Das war's auch mit dieser Folge.

00:11:41: Vielen Dank fürs zuhören Und ich hoffe du hörst auch in der nächsten Folge wieder mit rein Bis zum nächsten Mal Tschüss.

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