Wer bin ich ohne die Essstörung?

Shownotes

Was bleibt von mir übrig, wenn die Essstörung geht? Wenn Regeln, Kontrolle und das Kreisen um Essen plötzlich wegfallen, kann das Angst machen, weil die Essstörung oft mehr ist als Verhalten: Sie wird zu Identität.

IG: @psychotherapie.wien Homepage: www.praxis-verhaltenstherapie.at

Links: Österreich: Essstörungshotline: https://www.wig.or.at/selbsthilfe-beratung/hotline-fuer-essstoerungen Österreichische Gesellschaft für Essstörungen: https://www.oeges.or.at/Essstoerungen/Hilfe-fuer-Betroffene/Beratungsstellen/

Deutschland: Hilfe bei Essstörungen: https://essstoerungen.bioeg.de/hilfe-finden/ Deutsche Gesellschaft für Essstörungen: https://www.dgess.de

Schweiz: Essstörungsinfos: https://www.pepinfo.ch/de/anlaufstellen/index.php Schweizer Gesellschaft für Essstörungen: https://sges-ssta-ssda.ch

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00:00:01: Herzlich willkommen zu meinem Podcast Lebenskunst, dem Podcast über Essstörungen und allem was damit verbunden ist.

00:00:16: Hallo und Willkommen zur Lebenskunstesstörung im Fokus!

00:00:21: Diese Folge möchte ich ein bisschen anders starten und zwar mit einer Frage eine Frage die eben therapeutischen Prozess Mitbetroffen von Essstörungen ganz zentral ist und zwar wer bin ich ohne meine Essstörung?

00:00:37: ohne die Regeln, ohne die Kontrolle und vor allem auch ohne dieses permanente Gedankenkreisen rund um Essen Körper und Gewicht.

00:00:46: Die Frage könnte man auch ein bisschen anders stellen und zwar was passiert wenn sich die Essstörung nicht mehr anfühlt wie etwas das ich habe sondern wir etwas dass Ich Bin!

00:01:04: Für viele Patientinnen und Patienten sind diese Fragen sehr schwer zu beantworten.

00:01:08: meist bleiben sie ohne eine konkrete Antwort.

00:01:12: Viele empfinden eher ein Gefühl von Verunsicherung oder auch Angst.

00:01:18: Essstörungen sind nicht ausschließlich verhaltensweisen und vor allem, umso früher sie beginnen und um so länger eine Essstörung andauert, um so höher bekommt die Essstöhrung eigentlich eine identitätsstiftende Funktion.

00:01:33: Und in dieser Folge geht es genau um diesen Prozess, um den Übergang von ich habe eine Esssstörung hinzu.

00:01:40: Ich bin die Essstörung oder das bin ich.

00:01:45: Weder eine Essstörung, noch eine Identität entwickeln sich über Nacht – ich glaube, das wissen wir eh alle!

00:01:52: Es handelt sich dabei um Prozesse, die sich über einen längeren Zeitraum hinweg entwickeln.

00:02:00: Bei Essstürungen ist es häufig, dass bereits vor dem Beginn konkrete Verhaltensweisen in verschiedenen Lebensbereichen meistens Schwierigkeiten bestehen, welche das dann genau sind.

00:02:10: Das ist ganz unterschiedlich von Mensch zu Mensch.

00:02:14: In der Regel übernimmt aber die Kontrolle über Essen oder die Instrumentalisierung von Essen vor allem zu Beginn eine ganz wichtige Funktion.

00:02:24: Sie gleicht etwas aus dass davor irgendwie nicht ganz so gepasst hat Und am Anfang ist meistens noch nicht so eine komplette Essstörung mit allen möglichen Symptomatiken zu erkennen, sondern es beginnt langsam und schleichend.

00:02:42: Oft mit einzelnen kleinen Veränderungen wie ein bisschen weniger Essen bestimmte Lebensmittel weglassen, ein bisschen mehr Kontrolle ausüben vielleicht auch ein Tracking App runterladen gelegentlich mal Mahlzeiten kompensieren einen Diätplan heraussuchen und so weiter.

00:03:02: Und einerseits ist das halt einfach auch eine echt gute Beschäftigung, weil es nimmt sehr viel Zeit den Anspruch und nimmt sehr viele Raum ein und lenkt vor allem davon ab von den Dingen mit denen man sich vielleicht eigentlich beschäftigen sollte – und somit muss man sich in dem Moment eben nicht mit schwierigen Themen auseinandersetzen!

00:03:25: Mit der Zeit aber... Wenn man sich immer mehr in diese Welt hineinbegebt, passiert etwas ganz Entscheidendes.

00:03:32: Die Essstörung beginnt sich auszuweiten – es bleibt nicht bei diesen anfänglichen kleinen Verhaltensveränderungen!

00:03:40: Die Esssteuerung weitet sich auf unser Denken aus und weiteres auf die Gefühlswelt.

00:03:45: Das heißt auch im Denkprozess im Alltag nimmt das immer mehr Raum ein Und das beeinflusst wiederum unsere Gefühle und das wiederum wie wir die Welt wahrnehmen, wie wir Dinge erleben.

00:03:57: Wie wir Situationen wahrnehmen und empfinden.

00:04:01: Das heißt von einzelnen Verhaltensweisen geht es über in die Gefühlswelt, in der Gedankenwelt, In die Weltwahrnehmung usw.

00:04:12: Je länger und intensiver sich alles aber um Essen kreist, um Essenfigur gewicht die Zahlen auf der Waage, um Kalorien oder Regeln.

00:04:22: Je mehr diese Themen die Lebenswelt eines Menschen bestimmen und je stärker sich der Alltag danach ausrichtet desto größer wird tatsächlich die Gefahr dass so viel Zeit vergeht das man sich selbst kaum noch ohne diese Regeln, ohne diese Verhaltensweisen und ohne diese Denkmuster oder auch Ängste- und Kreislauf verkennt.

00:04:45: Und bei vielen Betroffenen geht die Essstörung dann allmählich in die Identität über.

00:04:50: Das zeigt sich dann ganz oft den Aussagen wie zum Beispiel, ich weiß eigentlich gar nicht mehr, wie ich ohne die S-Störung wäre oder auch wie ich davor war.

00:05:01: Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen was da wäre wenn meine Gewohnheiten, die ich mir jetzt da quasi aufgebaut habe, nicht mal da sind.

00:05:12: Und hinzu kommt einfach oft auch das Betroffene teilweise, natürlich nicht alle aber teilweise auch sehr jung sind wenn die Essstörung beginnt.

00:05:22: Ja ich hatte schon, glaube die Jüngste die ich mal hatte war neun Aber viele sind hier so dreizehn vierzehn fünfzehn auch Wenn die Ess-Störung beginn sich ein bisschen also zu etablieren Zu entwickeln und dann vergeht Zeit meistens Jahre Und die Essstörung kann sich einfach chronifizieren.

00:05:41: Es kann sich verfestigen und allein die Pubertät, wenn man sich das mal anschaut bringt ja eigentlich eine enorme Veränderung mit sich.

00:05:49: da werden wir kognitiv reifer Die Haltungen verändern sich meine twickelplätzlichen Meinung Werte entwickeln sich zunehmen.

00:05:58: Das bedeutet dass viele Betroffene aber auch gar nicht wirklich auf eine zeit davor zurückblicken können Nicht nur wegen der Essstörung, sondern auch weil sie damals schlicht einfach noch sehr jung waren.

00:06:10: Wenn ich jetzt zum Beispiel deine siebzenjährige bei mir in der Therapie habe die schon seit drei vier Jahren in diesem Essstörungsstrudel drin ist dann ist die Zeit davor eigentlich ihre Kindheit gewesen und natürlich ist sie mit siebzehn nicht mehr so wie sie mit zwölf gewesen ist.

00:06:29: das heißt auf die Zeit zurückblicken, ist dann schwierig.

00:06:32: Weil dann schaut man natürlich zurück auf das Kind sein und somit gilt es tatsächlich sich ganz neu zu entdecken.

00:06:40: wie bin ich aber vielleicht mit siebzen?

00:06:42: Wie bin ich wenn ich volljährig werde?

00:06:44: also... Das ist manchmal dann ein bisschen eine Herausforderung auch weil die Leute halt wirklich nicht wissen okay wie wäre ich denn ohne meine Essstörung?

00:06:55: anders verhält er sich bei Menschen die aus dem Erwachsenenalter eine Essstörungen entwickeln.

00:06:59: Hier besteht in der Regel die Möglichkeit auf frühere Lebensphasen wirklich zurück zu blicken und viele kennen sich selbst eben dann auch von früher noch.

00:07:09: Und das kann in der Therapie meistens eigentlich ganz gut aufgegriffen werden, und auch genutzt werden.

00:07:16: Also Essstörungen sind etwas was alle Lebensbereiche... quasi beeinflusst, als beeinflußt das Verhalten.

00:07:24: Das Denken, das Fühlen es beinflusste selbstbild und genau hier beginnen auch ein bisschen die Grenzen zu verschwimmen.

00:07:31: aber was bedeutet das?

00:07:33: Normalerweise gibt es eine innere grenze zwischen.

00:07:36: dass bin ich als Person Und das ist etwas da sich tu oder habe.

00:07:44: Ich gebe mal ein Beispiel um es vielleicht ein bisschen zu verdeutlichen.

00:07:47: Was ich meine wenn wir einen Fehler machen etwa jemanden an Lügen, obwohl das eigentlich nicht unserem Wesen entspricht wissen wir in der Regel sehr genau.

00:07:58: so bin ich eigentlich nicht.

00:08:00: Wir erkennen dass das Verhalten falsch war ohne daraus aber unsere gesamte Person abzuleiten.

00:08:07: ob wir uns dann entschuldigen können ist eine andere Frage aber das Beispiel verdeutlicht diese Trennung zwischen dem Sein und den Verhalten.

00:08:15: ein anderes Beispiel wenn ich krank werde oder mir einen Bein breche Bin ich im Alltag eingeschränkt?

00:08:22: Vielleicht habe ich zum Beispiel einen Gips oder muss auch eine Zeit lang Krücken verwenden.

00:08:26: Vieles richtet sich dann danach aus und dennoch weiß ich, Ich bin nicht mein gebrochenes Bein sondern ich habe ein gebrochene Bein!

00:08:37: Und bei einer lang anhaltenden S-Störung wird diese Grenze zunehmend mit der Zeit unscharf.

00:08:45: Die Erkrankung wird nicht mehr als etwas Fremdes erlebt, sondern als Teil der eigenen Persönlichkeit.

00:08:50: Und dann kommt es eben dazu dass statt ich habe eine Essstörung entsteht innerlich eher ein Ich Bin-Halt zu oder ohne das wäre ich vielleicht auch nicht mehr ich.

00:09:02: und ab diesem Moment wird Veränderungen nicht nur schwierig, sondern eigentlich ist es eine ganz existenzielle Bedrohung.

00:09:10: Und um zu verstehen, warum Essstörungen so eine starke Identitätsstiftende Wirkung haben können müssen wir vielleicht zunächst mal klären was Identität überhaupt ist.

00:09:21: Identität ist nichts fixes das ist kein fixer Kern der oder etwas was einmal entsteht und dann unveränderlich bleibt.

00:09:30: In der Psychologie verstehen wir Identität eigentlich als einen lebenslangen Prozess, der nie zur Gänze abgeschlossen ist.

00:09:37: Das macht ja auch Sinn, weil mit fünf Jahren ist unsere Identität eine andere wie mit fünfzen oder fünfundzwanzig, fünfunddreißig und fünfundsechzig.

00:09:47: Das heißt, die Identität entsteht aus Erfahrungen.

00:09:51: Aus Beziehungen, die wir haben in unserem Leben.

00:09:54: Aus verschiedenen Rollen oder Rollenzuschreibungen.

00:09:58: Die Identität entsteht auch aus inneren Überzeugungen.

00:10:02: Also der Kultur, in der wir aufwachsen und der Art, wie wir uns selbst verstehen.

00:10:08: Und das Problem im Jugendalter ist, jugendliche Stehen leider vor mehreren gleichzeitigen Entwicklungsaufgaben.

00:10:18: Die Pubertät ist tatsächlich schon eine der schwierigsten Phasen im Leben, es gibt immer wieder schwierige Entwicklungsphasen im Laufe eines gesamten Lebens.

00:10:27: aber die Pubertat hat das schon in sich weil es da halt schon zu massiven Umbrüchen kommt.

00:10:32: Der Körper verändert sich nämlich einfach so stark und das ist nicht unwesentlich.

00:10:37: auch Emotionen werden viel intensiver, das Denken wird viel abstrakter Rückt quasi in den Mittelpunkt.

00:10:48: Und Jugendliche sind einfach permanent auf der Suche herauszufinden, wer es sind sie eigentlich?

00:10:53: Was mögen Sie?

00:10:53: Was können Sie nicht?

00:10:55: Was ist so Ihre Meinung, Ihre Haltung?

00:10:58: Wie kann ich mich integrieren?

00:11:00: Wo gehöre ich dazu?

00:11:02: Identität ist in dieser Lebensphase noch ganz stark im Aufbau.

00:11:06: Wenn wir dann schon älter sind – dreißig, vierzig, fünfzig... haben wir viele der Dinge durchaus auch schon abgeschlossen und ein besseres Bild davon, wer wir sind.

00:11:14: Auch körperlich verändern wie uns zwar natürlich aber gerade so in diesem mittleren Teil unseres Lebens im Erwachsenenalter.

00:11:23: bevor wir uns dann wieder körperliche verändern weil wir ält also alt werden haben wir eine relativ lange Zeit wo unser Körper sich wenden nur langsam verändert.

00:11:33: Aber in der Pubertät ist das eben sehr stark Und somit gibt es einfach in der Puppertät in dieser Lebensphase kein stabiles Inneres geröst, an dem sich Betroffene orientieren können.

00:11:48: Ja weil sie.

00:11:48: einerseits ist das was die Eltern sagen irgendwie richtig und wichtig.

00:11:53: auf der anderen Seite wollen sie sich davon distanzieren und ablösen dann braucht man sie aber wieder dann will man aber nicht.

00:12:00: also es da auch in einer ganz starken Ambivalenz zwischen Nähe und Distanz setzen sich viel intensiver mit Gleichhaltrigen auseinander, das heißt der Vergleichsaspekt rückt nochmal um einiges mehr in den Vordergrund.

00:12:15: Dann werden Werte hinterfragt, Rollenbilder hinterfragt, Normen hinterfragt.

00:12:20: nichts hat mehr quasi seinen fixen Platz was an sich schon sehr verunsichert und viele beginnen ein inneres Bild von sich selbst zu formen.

00:12:30: Und die Pubertät würde ich mal sagen ist einfach eine Phase.

00:12:33: die ist sehr experimentell.

00:12:35: Jugendliche probieren sich aus, um eben halt all diese Fragen von wer bin ich?

00:12:39: Wie will ich sein?

00:12:40: Wo gehöre ich dazu?

00:12:41: Was macht mich wertvoll?

00:12:43: zu beantworten.

00:12:45: Und wie gesagt, wenn man vielleicht so an die eigene Pubertät und diese Zeit zurückdenkt... Kann man sich vielleicht selbst noch daran erinnern, wie unsicher man auch immer wieder war.

00:12:55: Wie stark das Selbstwert geschwankt hat.

00:12:58: Wie hoch die Abhängigkeit eigentlich war von äußeren Rückmeldungen?

00:13:02: Wie wichtig Anerkennung war?

00:13:04: Wie Wichtig es war dazu zu gehören ja nicht anders zu sein oder irgendwie uncool also ständig auch in so einem Modus von.

00:13:13: ich muss mich anpassen um dazuzugehören.

00:13:18: Neurobiologisch kommt dazu, dass eben emotionale Systeme sehr aktiv sind.

00:13:23: Während so dieses regulierende reflektierende Strukturen sind da leider einfach noch nicht ganz vollständig ausgereift.

00:13:30: mit siebzen schon besser wie mit vierzen.

00:13:33: Also das braucht wirklich einfach Zeit.

00:13:35: Das Gehirn macht dann nochmal enorme Entwicklungssprünge, ich finde man in der Arbeit mit Jugendlichen merkt man das meistens auch total wie plötzlich von einem Jahr aufs andere, da einfach auch in der Reflexionsfähigkeit beispielsweise sich enorm getan hat und das ist einfach, da merkt Und das Ganze macht aber jugendliche emotional offener, verletzlicher und auch sehr lernfähig.

00:14:03: Deshalb können aber so ganz klare Konzepte Regeln und Rollen eine sehr starke stabilisierende Wirkung haben – genau hier liegt diese Verletzlichkeit für psychische Symptome unter anderem Essstörungen!

00:14:19: Und jetzt ist es aber trotzdem nicht so, dass alle die Jugendliche irgendwie eine Essstörung entwickeln und nicht jede jugendliche Krise mündert in einer psychischen Erkrankung.

00:14:28: Das wirft dann halt schon so die zentrale Frage auf Warum sind manche Jugendliche besser geschützt?

00:14:35: Andere tun sich da schwerer?

00:14:37: Was schützt Jugendliche?

00:14:38: Es gibt schon Schutzfaktoren Die in dieser sensiblen Entwicklungsphase stützen können auch wenn sie natürlich jetzt keine Garantie darstellen.

00:14:50: Und da gibt es auch sehr viele Studien dazu und man hat halt rausgefunden, dass beispielsweise verlässliche Bezugspersonen ganz wichtig sind also Bezugsspersonen die emotional erreichbar sind.

00:15:02: aber auch eine finanzielle Grundsicherung gibt den Jugendlichen sehr viel Sicherheit ein Umfeld in dem Gefühle benannt werden dürfen als auf die Erfahrung angenommen zu sein auch ohne Leistung oder sich anpassen zu müssen.

00:15:17: Genau so wichtig sind aber auch stabile soziale Beziehungen, funktionierende Freundschaften oder auch die Möglichkeit zur Selbstwirksamkeit.

00:15:27: Oder dass Jugendliche sich in Räumen bewegen, indem sie sich halt auch ausprobieren dürfen ohne beschämt zu werden.

00:15:35: Aber Hobbys haben einen ganz großen Schutz ist ein großer Schutzfaktor Weil damit einfach auch Zugehörigkeitsgefühl oft verbunden ist, gerade wenn man zum Beispiel in einem Verein ist.

00:15:47: Und bei jenen die psychisch gesund erwachsen werden zeigt sich oft rückblickend das solche Faktoren zumindest teilweise und zeitweise vorhanden waren nicht perfekt meistens nicht durchgängig aber ausreichend umzustabilisieren und soweit halt zu geben dass einfach ihr die Personen sich gut entwickeln konnten und ja, die Krisen, die sie zu meistern hatten auch gut meisternt konnten.

00:16:15: Wenn wir uns nun aber den Betroffenen zuwenden, die da massiv ins Banken geraten aus unterschiedlichen Gründen über Forderungsstressausgrenzung, Diskriminierung oder aufgrund von verschiedenen Traumataer- oder unsichere Lebenssituationen

00:16:29: usw.,

00:16:30: dann sehe ich in der Praxis meist Personen innere Stabilität nicht wirklich aufbauen konnten und ganz viel Unsicherheit verspürt haben über einen langen Zeitraum.

00:16:41: mit Situationen auch konfrontiert wurden, die sie total überfordert haben und mit denen sie eigentlich nicht zurechtgekommen sind.

00:16:48: Und dann kommen halt die Grundbedürfnisse noch dazu, die manchmal dann auch nicht ganz so befriedigt wurden und vor allem eben das Bedürfnis nach Orientierung und Kontrolle – und vorallem auch ein ganz starker Wunsch nach einem Gefühl der Sicherheit!

00:17:04: Genau hier werden Essstörungen besonders

00:17:06: attraktiv.".

00:17:08: Das ist wirklich so der Punkt, wo die Essstörung dann zugreift.

00:17:11: Weil die Esssteuerung eben Kontrolle bietet über den sich verändernden Körper.

00:17:16: Die Essstimmung strukturiert den Alltag.

00:17:20: Sie hilft tatsächlich auch bei Entscheidungen da es sich alles danach beginnt auszurichten.

00:17:24: Es hat ganz klare Regeln Egal wie chaotisch die Zeit ist Gibt die Möglichkeit dadurch zu Emotionsregulation?

00:17:33: Es ist wie ein innerer Kompass, könnte man auch noch ein bisschen sagen.

00:17:36: Oft wird die komplexe Welt einfach sehr stark reduziert und vereinfacht.

00:17:41: Und oft beantwortet es ab einem gewissen Zeitpunkt auf Fragen, die offen waren, was darf ich nicht, was ist richtig oder falsch.

00:17:52: Und dafür kann es leider sehr hilfreich sein.

00:17:54: Das heißt, am Anfang ist so eine Essstörung und die Auseinandersetzung im Körper und sich zu optimieren und möglichst gesund essen extremst verlockend weil es so viel Löcher oder Wunden schließt, die davor einfach da waren Ja?

00:18:12: Und wenn Essstörungen dieser Phase eben entstehen können sie besonders tief mit der Identität verknüpft werden Esstörungen eben häufig Funktionen übernehmen, die eigentlich eine gesunde Identität tragen sollte.

00:18:24: Die Gefühlsregulation, die Struktur, die Orientierung des Selbstwerts und die Anerkennung.

00:18:31: Und somit wird die Essstörung zu einer, würde ich mal sagen, funktionalen Identitätsrolle und genau deshalb ist das Loslassen dann so schwer!

00:18:40: Man gibt nicht nur einen Verhalten auf sondern einen Teil des eigenen Selbstverständnisses ein Teil dessen, wie man sich selbst sieht.

00:18:48: Und vor allem wenn es eben in der Jugend recht früh entwickelt wurde, wurde man mit einer Essstörung halt gefühlt erwachsen.

00:18:57: Zumindest ein bisschen älter und ein wichtiges Ziel in der Therapie ist somit eine stabile Identität und somit ne innere Stabilität zu entwickeln Abseits der Essstörung.

00:19:08: Das heißt ein Gefühl eben von Orientierung, von Sicherheit, von emotionalen Halt, Vertrauen, Geborgenheit und so weiter.

00:19:19: Und da gibt es zwei Konzepte die total wichtig sind, die ich euch jetzt vorstellen möchte.

00:19:24: Und zwar ist das eine die Selbstkoherenz – das klingt jetzt nach einem sehr schwierigen Begriff aber ich erkläre gleich was das ist.

00:19:30: Damit ist das Gefühl gemeint innerlich stimmig zu sein.

00:19:34: Also das heißt, dass Gedanken, Gefühle und Handlungen zusammenpassen.

00:19:38: Man erlebt sich selbst als nachvollziehbar und zusammenpassend.

00:19:42: Und wenn dieses Gefühl fehlt entsteht eigentlich eine innere Zerrissenheit.

00:19:49: Das zweite Konzept ist die Selbstkontinuität.

00:19:52: Das beschreibt das Gefühl über die Zeit hinweg derselbe Mensch zu sein.

00:19:57: zum Beispiel ich habe mich verändert aber mein Kern ist geblieben.

00:20:01: Das finde ich sehr gut zusammen.

00:20:04: Aber ich habe jetzt trotzdem noch eine Metapher für euch vorbereitet, um es nochmal besser zu erklären Man kann sich selbst wie ein Haus vorstellen das sich über die Lebenszeit hinweg aufbaut.

00:20:16: Und die Selbstkoherenz ist dabei das Gefühl dass dieses Haus einen inneren Zusammenhang hat Dass die Räume miteinander verbunden sind Dass man weiß wo man steht in diesem Haus Dass man weiss wie man sich in den Räumen bewegen kann in welchem Raum man sich befindet.

00:20:31: Also es passt alles zusammen und die Selbstkontinuität bedeutet, dass dieses Haus über die Zeit hinweg wieder erkennbar bleibt.

00:20:39: Es wird aber ganz sicher im Laufe des Lebens vielleicht umgebaut renoviert oder erweitert durch neue Räume weil neuer Erfahrungen.

00:20:47: Aber man hat dennoch das Gefühl Das ist immer noch mein Haus.

00:20:53: Ich hoffe das war nachvollziehbar.

00:20:55: Bei vielen Menschen mit einer S-Störung ist dieses innere Haus eben nicht stabil gebaut.

00:21:00: Manche Räume fehlen, andere sind vielleicht brüchig oder es gibt Tabu-Zonen wo man gar nicht erst hineingeht und es gibt meistens auch sehr wenig tragende Wände Und dann kommt die S-Sstörung ins Spiel.

00:21:12: Die S-Steuerung tritt dann nicht einfach als Störung auf sondern sie wird zu einem provisorischen Gerüst wie eine Art Baugerüst.

00:21:21: Dieses Gerüst gibt Halt Es schafft Ordnung Es strukturiert den Alltag und dieses innere Leben durch klare Regeln, Grenzen, Aufgaben.

00:21:31: Und wenn wir uns das Haus eben anschauen es ist ein Gerüst um dieses Haus zu stabilisieren.

00:21:37: Er setzt tragende Wände vielleicht auch eine Verstärkung der Bodenplatte.

00:21:43: Es bildet eine Art Decke damit man nicht nass wird dass man halt gut geschützt ist.

00:21:51: Das Problem ist aber, dieses Ersatzgerüst verhindert leider dass sich dahinter das eigentliche Haus neu aufgebaut werden kann oder halt stabilisiert werden kann.

00:22:06: Dieses Gerüst ist kein Zuhause und es hält auch nicht auf Dauer und es erlaubt einfach kein freies Leben im Inneren.

00:22:14: und wirklich je länger es stehen bleibt desto schwerer wird es das eigentliches Haus einfach fertigzubauen.

00:22:21: Das heißt, die therapeutische Arbeit bedeutet in diesem Bild nicht das Gerüst jetzt einfach wegzureißen.

00:22:26: Weil das wäre absolut fatal – es würde nicht gehen!

00:22:30: Es bedeutet nach und nach aber tragende Wände zu richten.

00:22:35: Also ein stabileres Selbstgefühl zu lernen.

00:22:39: wie kann ich mit Emotionen umgehen?

00:22:42: Auch dass man Emotionen spüren darf, dass Emotonen kommen in Wellen, dass man sie aber schon aushält durch Beziehungserfahrungen, positive Beziehungserfahrungen und so weiter diese Auseinandersetzung mit sich selbst.

00:22:57: Und dann beginnt man einmal einfach an einer Ecke.

00:22:59: Man reist nicht das ganze Essstörungsgerüst ein aber vielleicht wenn jemand dann schafft sich ein bisschen darauf einzulassen darf man mal an einer ecke beginnen und mal schauen was braucht denn das Haus quasi innerhalb dieses Gerüsts um zumindest mal eine tragende Wand aufbauen zu können?

00:23:20: Und erst, wenn das eigentliche Haus – also die eigene Identität – es hinkriegt sich selbst zu tragen, dass dann wird dieses Gerüst, also die Essstörung überflüssig.

00:23:31: Und genau darum geht es bei Selbstcoherenz und Selbstkontinuität nicht darum, nie zu wackeln sondern darum ein inneres Zuhause halt zu entwickeln.

00:23:39: Dass auch dann stehen bleibt wenn sich außen etwas verändert oder mal einen Sturm aufzieht weil das Leben ist ja nicht immer leicht Es bringt Schwierigkeiten mit sich und dafür braucht man die Ressourcen und die Stabilität dem auch standhalten zu können ohne dass gleich alles einstürzt.

00:23:57: Das heißt Das bedeutet eigentlich, ich kann mich entwickeln ohne mich selbst zu verlieren oder ich kann auch neue Schritte gehen ohne meine Identität zu verliern.

00:24:08: Also Essstörungen sind selten wirklich nur ein Thema rund ums Essen, Gewicht oder Körper.

00:24:13: ganz häufig ist sie einfach Ausdruck von viel tiefer liegenden Bedürfnissen und Einbedürfnis.

00:24:22: von den Menschen ist ihre Identität zu finden.

00:24:25: Und wenn das nicht gegeben ist, dann kann da die Essstörung einfach eine gute Ersatzidentität liefern und eben gerade in sensiblen Entwicklungsphasen wieder puppeteert.

00:24:35: aber auch später kann eine Essstimmung Funktionen übernehmen, die eigentlich dem selbst zustehen sollten.

00:24:41: also das heißt eben diese Struktur, die es gibt, diese Orientierung und all das was ich hier schon öfters gesagt habe.

00:24:49: Therapie ist also deswegen auch so wichtig, dass man da einfach wirklich gut hinschaut und die Identitätsarbeit ist eine ganz ganz ganz zentrale.

00:24:59: Und ich gehe damit dem Ansatz heran.

00:25:01: nicht etwas Falsches muss korrigiert werden weil das finde ich nichts sondern es darf vielleicht was Neues entstehen und etwas Älteres oder Alters das mal wichtig war vielleicht auch ein bisschen abgelöst werden.

00:25:15: Genau, ich hoffe ich konnte euch einen guten Einblick geben wie die S-Störung sich in die Identität hinein entwickeln kann und warum die S Störung dann auch so wichtig ist.

00:25:25: Ich danke euch dass ihr bis zum Schluss zugehört habt und ich hoffe ihr hört auch bei der nächsten Folge wieder mit rein!

00:25:32: Bis zum nächsten Mal, Tschüss!

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