Die schwierige Rolle der Angehörigen

Shownotes

Es ist schwer mitanzusehen, wenn ein nahestehender Mensch sich selbst in Gefahr bringt. Solche Momente verursachen Schmerz und lösen Hilflosigkeit aus. Man möchte eingreifen, helfen oder etwas verändern, spürt jedoch oft eine Ohnmacht, weil einem die Möglichkeiten fehlen. In solchen Situationen entstehen häufig Unsicherheit, Sorge und das Gefühl, nicht zu wissen, wie man sinnvoll unterstützen kann. Diese Folge betrachtet die Dynamiken von Essstörungen im familiären und sozialen Umfeld, thematisiert typische Herausforderungen sowie Wege, wie Angehörige damit umgehen können.

Viel Spaß beim Hören!

IG: @psychotherapie.wien

Homepage: www.praxis-verhaltenstherapie.at

Links: Österreich: Essstörungshotline: https://www.wig.or.at/selbsthilfe-beratung/hotline-fuer-essstoerungen Österreichische Gesellschaft für Essstörungen: https://www.oeges.or.at/Essstoerungen/Hilfe-fuer-Betroffene/Beratungsstellen/

Deutschland: Hilfe bei Essstörungen: https://essstoerungen.bioeg.de/hilfe-finden/ Deutsche Gesellschaft für Essstörungen: https://www.dgess.de

Schweiz: Essstörungsinfos: https://www.pepinfo.ch/de/anlaufstellen/index.php Schweizer Gesellschaft für Essstörungen: https://sges-ssta-ssda.ch

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00:00:01: Herzlich willkommen zu meiner Podcast Lebenskunst, dem Podcast über Essstörungen und allem, was damit verbunden ist.

00:00:18: Hallo und herzlich willkommen zu meiner Podcast Lebenskunst Essstörungen im Fokus.

00:00:23: In diesem Podcast dreht sich alles rund um das Thema Essstörungen und heute möchte ich eine ganz bestimmte Personengruppe ansprechen, und zwar die Angehörigen.

00:00:33: Denn Essstörungen betreffen nicht nur die betroffenen Personen selbst, sondern wirken sich oft auch ganz, ganz stark auf das Umfeld aus.

00:00:40: Das heißt auf Partner und Partnerinnen, auf die Eltern, auf Geschwister und auf Freundschaften.

00:00:46: Ganz oft sind starke Gefühle da, Gefühle von Hilflosigkeit.

00:00:50: Viele machen sich wirklich viele Sorgen oder fühlen sich auch total unsicher darüber, wie man angemessen unterstützen kann.

00:00:57: Und in dieser Folge möchte ich einerseits so die Dynamik von Essstörungen im familiären und sozialen Kontext genauer anschauen, aber auch typische Herausforderungen für das Umfeld besprechen.

00:01:09: Und ich versuche ein bisschen Impulse zu geben, wie man damit umgehen kann.

00:01:20: Dabei zuzusehen, wie jemand, der einem wichtig ist, wie jemand, der einem wirklich nahesteht, sich selbst in Gefahr bringt oder vielleicht sogar auch in einen lebensbedrohlichen Zustand, ist meines Erachtens kaum auszuhalten.

00:01:34: Es tut weh, es macht hilflos und es ist oft für Angehörige eigentlich einfach erschreckend.

00:01:43: Man steht daneben, man möchte eigentlich helfen, möchte irgendwas tun und merkt aber gleichzeitig, dass einem eigentlich die Hände gebunden sind.

00:01:56: Und dieses Gefühl, unmächtig zusehen zu müssen, kann unglaublich belastend sein.

00:02:04: Für die Eltern, für die Beziehungspersonen, für Freundinnen und Freundinnen, für Geschwister.

00:02:13: Und manchmal kommt dann auch Wut dazu oder Frustration oder die Frage, warum machst du das?

00:02:19: Warum hörst du nicht einfach auf?

00:02:22: Und diese Frage ist aber oft Ausdruck einfach von Verzweiflung.

00:02:27: Und genau in diesem Punkt ist es aber wichtig zu verstehen, eine Essstörung ist kein Trend, es ist keine Marotte, es ist auch nicht einfach eine Diät, um schlanker zu werden.

00:02:39: Und das ist auch keine Phase, die einfach wieder vorbeigeht, sondern eine Essstörung ist eine Krankheit.

00:02:45: Es ist eine Erkrankung und zwar eine sehr ernsthafte, eine sehr komplexe psychische Erkrankung oder besser gesagt eigentlich eine psychosomatische Erkrankung.

00:02:55: Und so wie bei anderen Erkrankungen auch, braucht es professionelle Behandlung.

00:03:01: Es braucht professionelle Hilfe.

00:03:05: Und es ist auch so, dass Essstörungen nicht aus dem Nichts heraus entstehen.

00:03:09: Sie haben meistens eine Geschichte.

00:03:12: Also es gibt eigentlich immer irgend eine Geschichte, einen Hintergrund.

00:03:16: Irgendwo in der Essstörungslogik macht die Entwicklung der Essstörung meistens auch irgendwie Sinn, auch wenn das von außen nicht zu erkennen ist oder sehr schwer zu verstehen.

00:03:27: Essstörungen sind eigentlich Ausdruck von einer tiefer liegenden Problematik oder auch von einer emotionalen Überforderung, die da im Hintergrund besteht.

00:03:37: Weil Essstörungen zeigen eigentlich, dass jemand Schwierigkeiten hat.

00:03:42: mit vielleicht einem inneren Druck umzugehen, vielleicht ist da ganz viel innere Anspannung, viel Ängste, viel Scham, starke Gefühle von Minderwertigkeit, Überforderung.

00:03:53: Und Betroffene wissen meist nicht, wie sie sonst anders oder besser damit umgehen können.

00:03:58: Und die Essstörung ist dann sozusagen ein Versuch, mit etwas umzugehen, das sich innerlich kaum aushalten lässt.

00:04:05: Und dann rückt der Fokus aufs Essen, auf das Gewicht, auf den Körper und wird wie zu einer Art Ersatzstrategie zu einem Weg, der wenigstens irgendwo irgendwie Kontrolle gibt oder zumindest ist eine Art Gefühl der Kontrolle zu spüren für die Betroffenen, wenn sich vor allem alles innerlich eher chaotisch anfühlt, unsicher oder vielleicht auch leer.

00:04:31: Genau darin liegt aber eigentlich die Tücke dieser Erkrankung, denn was nach außen wie Disziplin oder Kontrolle aussieht, ist eigentlich ein verzweifelter Versuch, Ordnung in ein Gefühl zu schaffen oder zu bringen oder auch Ordnung in ein innerliches Chaos.

00:04:49: Und viele Betroffene berichten auch, dass eben durch die vielen Regeln, auch das restriktive Essen oder bestimmte Rituale kurzfristig ein Gefühl von der Leichterung kommt.

00:05:01: Also das ist ja etwas Angenehmes.

00:05:03: Und dass es sich ein bisschen so anfühlt, das würde das eigene Leben für einen Moment vielleicht auch greifbarer werden, kontrollierbarer werden, was angenehm ist.

00:05:14: Betroffene, die an Essernfällen leiden, beschreiben, dass zu Beginn das Essen oft tröstend wirken kann und auch eine Form der Erleichterung bringt.

00:05:24: und dass da das eigene Leben dann einfach vergessen wird, dass es in den Hintergrund rückt, all die Verpflichtungen, all das, was sonst da ist, bis der Kontrollverlusteinsatz und im Anschluss neue Gefühle wieder aufkommen, wie Gefühle der Scham oder Schuldgefühle oder auch starke Traurigkeit.

00:05:44: Aber jetzt egal, welche Form der Essstörung dieser scheinbare Halt oder diese Methode Emotionen zu verarbeiten, ist trügerisch, denn Je mehr sich das Essverhalten ein Stück weit auch verselbstständigt oder die Regeln sich verselbstständigen, desto stärker verliert eigentlich die betroffene Person genau das, was sie eigentlich sucht, und zwar Kontrolle, Sicherheit und auch so eine Art innere Ruhe.

00:06:09: Und dann verselbstständigt es sich.

00:06:12: Das heißt, das Denken kreist immer mehr um Kalorien, es kreist immer mehr um das Gewicht, um Körperbewegung oder auch erlaubte und verbotene Nahrungsmittel und Betroffene können es nicht mehr wirklich abschalten.

00:06:27: Und ein Nebeneffekt ist, dass dann halt so Sachen wie Freude oder Spontanität verloren gehen.

00:06:32: Soziale Kontakte werden tendenziell mehr gemieden, weil die oft auch Angst besetzt sind oder auch zu anstrengen.

00:06:41: Und ja, wie man vielleicht jetzt an dem auch merkt, eine Essstörung ist eigentlich eben nicht nur ein Problem des Essens oder des Körpers, sondern es ist wirklich ein ganz komplexes Zusammenspiel aus Emotionen, aus Gedanken, aus Bedürfnissen, aus... tief verwurzelten Mustern.

00:06:57: und genau deshalb ist es halt auch so schwer, das Ganze zu durchbrechen, weil die Essstörung zumindest anfangs eine Funktion erfüllt.

00:07:06: Sie lindert Schmerzen, weil sie betäubt Gefühle.

00:07:09: Sie gibt Struktur, sie verschafft ein subjektives Gefühl von Kontrolle und macht das Leben ein Stück weit bewältigbar, wenn er sich sonst vielleicht nicht so anfühlt.

00:07:21: Und wieso sage ich das jetzt zu Beginn gerade dieser Folge, wo es doch eigentlich um Angehörige geht?

00:07:28: Wenn man das versteht, was eine Essstörung tatsächlich ist, kann man beginnen, die Essstörung als das zu sehen, was sie eben im Kern ist, ein Hilferuf, ein Versuch mit etwas fertig zu werden, das auf anderer Weise noch nicht gelingt.

00:07:46: Und dieser Blickwinkel oder dieser Ja, doch Blickwinkel ein anderer kann helfen, mit Gefühl zu entwickeln.

00:07:55: Sowohl mit der betroffenen Person als auch mit sich selbst.

00:08:00: Weil die Ästerungen sind eigentlich keine Gegner der Angehörigen.

00:08:04: Es ist nicht der Feind per se, auch wenn das manchmal genauso erlebt wird.

00:08:09: Die Erkrankung kann sich wirklich krass zwischen Menschen drängen, Nähe erschweren und Beziehungen auf eine echt harte Probe stellen, aber sie ist letzten Endes eine... Erkrankung, und das muss genau als das gesehen werden.

00:08:21: Und nicht, also als Gegner oder Feind meinte ich nicht, die Person in Kombi mit der S-Störung.

00:08:28: Die S-Störung darf schon nicht gemocht werden, das ist vollkommen in Ordnung.

00:08:32: Aber es ist wichtig, dass man da ein bisschen differenzieren kann.

00:08:36: Ja, die S-Störung ist nicht die betroffene Person selbst, sondern die S-Störung ist ein Symptom oder ein Ausdruck von etwas dahinterliegende.

00:08:45: Daneben besteht aber nach wie vor eigentlich die Person mit ganz viel funktionierenden Anteil, nämlich auch.

00:08:54: Und gerade für Angehörige, aber auch sonst ist es oft eine ganz enorme Herausforderung, diese Trennung eigentlich klar zu sehen.

00:09:01: Also wenn das eigene Kind oder der Partner, die Partnerin sich verändert, wenn Gespräche schwierig werden, wenn gemeinsame Mahlzeiten eigentlich zum absoluten Kraftakt werden, die Stimmung in der Familie immer wieder kippt, es dann auch teilweise eskaliert, dann löst das natürlich etwas aus, und zwar in allen Beteiligten.

00:09:21: Und dann sind mehrere Menschen mit ganz vielen Gefühlen.

00:09:25: Dann ist da oft Angst, dann ist da Ärger, dann ist da Hilflosigkeit oder Wut, Schuldzuweisungen vielleicht auch.

00:09:32: Und vielleicht kommt man mal aus ein Verhalten im Sinne von Resignieren, also Resignation.

00:09:40: Aber auch das ist ein Stück weit eine normale Reaktion auf eine belastende Situation.

00:09:45: Es zeigt halt unterm Strich eigentlich nur, da ist eine starke Bindung, da ist Liebe da, da ist Fürsorge da, da ist Angst da und Sorgen.

00:09:56: Und damit umzugehen, ist nicht leicht.

00:09:58: Deshalb ist es wichtig, sich über die Erkrankung zu informieren.

00:10:04: Das kann helfen, das Verhalten der betroffenen Personen besser einzuordnen und zu verstehen, was ist der Teil der Essstörung und was ist die Persönlichkeit des eigenen Kindes oder des Partners der Partnerin.

00:10:17: Und dieses Wissen kann nämlich helfen, Abstand zu schaffen.

00:10:22: Es ermöglicht... dass man Mitgefühl fühlen kann, ohne sich in dieser teilweise echt schrecklichen Essstörungsdynamik zu verlieren.

00:10:33: Auch der Austausch mit anderen Angehörigen kann sehr entlastend sein.

00:10:38: Dieses Feedback habe ich auch schon ganz oft bekommen, dass das sehr gut getan hat, wenn Menschen diese Angebote auch in Anspruch genommen haben.

00:10:48: Es gibt auch immer mehr spezielle Gruppen oder Beratungsstellen oder auch Online-Angebote, die sich ganz gezielt an Eltern, Partner, Partnerinnen oder Freunde, Freundinnen richten.

00:10:59: Und dort entsteht einfach ein Raum für Verständnis, Austausch.

00:11:04: Und das wirkt sehr entlastend.

00:11:05: Einfach schon rein.

00:11:06: Die Tatsache, dass man merkt, okay, man ist nicht alleine damit.

00:11:09: Da gibt es auch noch andere Menschen da draußen, die in einer ähnlichen oder gleichen Situation sind.

00:11:14: Und allein diese erkennt, dass man Wissen tut, man es.

00:11:17: Aber das auch zu sehen und zu spüren und zu hören, ist dann einfach schon noch mal was anderes und kann noch mal wesentlich mehr Erleichterung schaffen.

00:11:26: Also wie nur die Information darüber.

00:11:27: Ja, ja, da draußen sind andere, denen geht es eh auch genauso.

00:11:33: Ein anderer Punkt im Umgang mit der erkrankten Person, was sich viele wünschen, ist, dass Bewertungen möglichst vermieden werden und dass stattdessen eher Dinge beschrieben werden, also Beschreibungen, was wahrgenommen wird.

00:11:50: Eine ehrliche Sorge darf nämlich schon ausgesprochen werden, aber es ist wichtig in einem ruhigen Ton und auch in einem respektvollen Rahmen.

00:12:00: Es geht nicht darum, einen Menschen zu überreden oder zu überzeugen, sondern einfach nur darum da zu sein, präsent sein, ansprechbar, aber Druck vermeiden.

00:12:10: Sobald vor allem auch ein Helfersystem da ist, darf man ein Stück weit auch die Verantwortung dann an die behandelenden Personen übergeben.

00:12:22: Sorge darf man aber ausdrücken.

00:12:26: Und ja, manchmal kann die Hilfe von Angehörigen, von den Betroffenen einfach nicht angenommen werden.

00:12:32: Und das gehört auch dazu.

00:12:34: Das ist schmerzhaft.

00:12:35: Das heißt aber nicht, dass man als Angehöriger irgendwie was falsch gemacht hat oder dass man gescheitert ist.

00:12:41: Das bedeutet lediglich, dass der richtige Zeitpunkt für Veränderung vielleicht noch nicht gekommen ist oder dass der Mensch in dem Moment an dem Tag einfach gerade nicht dafür bereit ist, sich das anzuhören und kann es deswegen nicht annehmen.

00:12:56: Es stören ganz einfach so komplex.

00:12:59: Und bei der Genesung braucht es eigentlich so gut wie immer professionelle Unterstützung.

00:13:06: Es störungenbetreffenden Körper, es betrifft die Psyche, es betrifft das soziale Umfeld und genau deshalb braucht es häufig auch mehrere Berufsgruppen, die einfach gemeinsam an einem Strang ziehen.

00:13:19: Es braucht verschiedene Ärztinnen und Ärzte.

00:13:23: Psychotherapie, es braucht manchmal auch eine umfassende Diagnostik durch klinische PsychologInnen, Ernährungsberatung usw.

00:13:32: Das heißt, es ist keine Aufgabe, die eine Familie allein bewältigen kann und das sollte die Familie auch nicht.

00:13:40: Die Behandlung erfordert einfach viel Fachwissen, Erfahrung, aber es braucht auch ganz klare Strukturen, die es ermöglichen, dass man Grenzen setzen kann.

00:13:51: Es ist wichtig, Betroffene ab und zu auch zu konfrontieren, aber das muss behutsam eingesetzt werden und in einem sicheren Rahmen.

00:13:59: Und meines Erachtens kann das halt in so einem professionellen Rahmen auf eine gute Weise geschehen, die für die Betroffenen dann auch hilfreich ist und zugleich aber für die Angehörigen entlastend sein kann, weil sie das nicht übernehmen müssen.

00:14:14: Also wisst ihr, wie ich meine, man kann da einfach auch ein bisschen... das abgeben und jemand anderer übernimmt schwierige Gespräche, Konfrontationen und das Arbeiten an den dahinterliegenden Problemen.

00:14:29: Und wenn innerhalb der Familie dann jemand versucht, diese therapeutische Rolle zu übernehmen, ganz ehrlich, da geraten eigentlich alle schneller ihre Grenzen.

00:14:38: Selbst wenn man als angehörige Person eine Psychotherapeutin zum Beispiel wäre oder ein Psychotherapeut.

00:14:45: Man hat dann nicht diese Rolle.

00:14:47: Man ist da eine Privatperson.

00:14:49: Mutter, Vater, weiß ich nicht, große Schwester, großer Bruder, was auch immer.

00:14:55: Und auch da kann man nicht in die Therapeut in eine Rolle rutschen.

00:15:00: Das ist nicht passend.

00:15:03: Die Verantwortung ist auch zu groß, es würde dann zum Beispiel auch Rollenkonflikte geben, aber generell ist die Verantwortung für eine Familie, das zu tragen, einfach zu groß.

00:15:13: Die emotionale Nähe zur Person ist eigentlich viel zu intensiv und es kann einfach niemand gleichzeitig Elternteil, Partner, Partnerin, Freund, Freundin und Therapeut sein.

00:15:26: Für Angehörige ist daher entscheidend, sich auch selbst Unterstützung zu holen.

00:15:32: Also ich finde, das ist auch ein wichtiger Punkt, wie sich Angehörige einerseits selbst helfen können und dann aber gleichzeitig eigentlich auch damit den betroffenen Personen helfen.

00:15:42: Das kann in Form von Beratung sein oder psychotherapeutische Begleitung.

00:15:46: Das muss auch nicht unbedingt wöchentlich sein, sondern das kann ganz individuell entschieden werden, einfach was hilfreich ist, was man sich vielleicht auch wünscht, weil man auch dann einfach selbst die Chance hat, in einem geschützten Rahmen um eigene Gefühle anzusprechen.

00:16:02: Sorgen zu teilen oder auch wieder Kraft zu tanken.

00:16:05: und auch das kann eine sehr große Entlastung sein.

00:16:11: Und dann ist dann noch ein Punkt, der leicht vergessen wird, aber eigentlich so wesentlich ist, ja, das ist die Selbstversorge.

00:16:17: Also der Punkt, davor jetzt sich Selbstunterstützung zu holen, ist schon ein Teil davon natürlich von der Selbstversorge, weil nur wer auf sich selbst achtet, kann auf Dauer tatsächlich halt auch für andere da sein.

00:16:29: Es ist wichtig, die eigenen Grenzen zu erkennen, auch für sich selbst Pausen einzuplanen, trotzdem Dinge zu tun, die einem gut tun, dass man selbst nach wie vor auch Freundinnen und Freunde sehen darf, dass man Hobbys nachgehen darf.

00:16:42: All das ist nicht mangelnde Fürsorge oder Desinteresse, sondern wenn man auf sich selbst schaut, kann man auch mehr Halt geben und somit ist es eigentlich eine Voraussetzung.

00:16:55: Wenn es mir selbst besser geht, wenn ich selbst stabiler bin, dann kann ich auch mehr Halt geben, mehr Geduld aufbringen, präsenter sein.

00:17:06: Selbstversorge bedeutet also sich zu erlauben, vielleicht auch mal müde zu sein, sich Unterstützung zu holen, wenn es zu viel wird oder auch zu akzeptieren, dass man eben nicht alles kontrollieren kann oder dass man auch nicht jemanden retten kann.

00:17:24: Selbstversorge bedeutet auch Mitgefühl zu haben.

00:17:28: Vor allem auch Mitgefühl mit sich selbst.

00:17:31: Ja, und dann ist es auch leichter Mitgefühl für die betroffene Person zu haben.

00:17:36: Denn der Genesungsprozess oder dieser Heilungsweg, da ist in keinster Weise irgendwie gerade.

00:17:44: Es passiert in kleinen Schritten oft auch im, ja, wie soll man sagen, mit Rückschritten und Rückfallen, dann geht es wieder nach vorne, es sind Schleifen, es braucht viel Geduld.

00:17:57: Es braucht ja Ausdauer und es ist halt wirklich ein Zusammenspiel von ganz viel Geduld aufbringen, Vertrauen, Präsent sein und so weiter.

00:18:05: Angehörige können dabei eine sehr wichtige Rolle spielen, aber sie sind nicht als Retter da, sondern als Begleiter.

00:18:15: Sie stehen zur Seite, können Halt geben ohne die Dinge für die Personen.

00:18:22: erledigen zu wollen oder für sie quasi, ja, ihnen was abzunehmen, was man ihnen aber nicht abnehmen kann.

00:18:30: Also noch mal ganz kurz zusammengefasst.

00:18:33: Meine Erfahrung nach Empfinden Angehörige ist erleichtern, wenn sie viel über die Erkrankung wissen.

00:18:38: Das heißt, sich informieren, irgendwie an Wissen zu kommen, sich Wissen aneignen kann.

00:18:46: Total helfen, die Situation einfach besser einzuordnen und die Situation besser zu verstehen.

00:18:51: Und wenn ich was weiß und verstehe, gibt mir selbst das auch ein Gefühl von Sicherheit.

00:18:56: Ebenfalls positives Feedback habe ich bisher von Angehörigen gehört, wenn sie sich die Möglichkeit gegeben haben, sich mit anderen auszutauschen, zu wissen, wie es anderen geht, die die gleichen oder ähnliche Sorgen haben, wirkt einfach sehr erleichtern.

00:19:12: Dann, der dritte Punkt, sich selbst auch Unterstützung zu holen, wirklich in Form von psychotherapeutischer Begleitung, um selbst einfach auch den Raum zu bekommen für die eigenen Gefühle.

00:19:23: Kann auch als Paar gemacht werden, kann auch zusammen mit den Geschwisterkinder gemacht werden.

00:19:28: Das hängt einfach sehr davon ab, wer ist da involviert, um was geht das, was wird gewünscht.

00:19:34: Und dann kann man die Familiendynamik vielleicht auch besser verstehen.

00:19:38: Die eigene Rolle zu kennen und in der zu bleiben, als Mutter, als Vater, Als große Schwester, als Partner oder Partnerin ist ganz wichtig.

00:19:48: Angehörige sind nämlich einfach keine Therapeuten an, sie sind keine Ärztinnen, sie sind keine Ernährungsberaterinnen.

00:19:55: Das ist nicht deren Beruf und das ist auch vollkommen in Ordnung, sondern das muss man abgeben, um einfach als Familie sein zu können.

00:20:05: Genau.

00:20:06: Und letztens.

00:20:07: Was ich jetzt noch sagen möchte, selbst versorge bitte wirklich nicht vernachlässigen.

00:20:11: Es ist in Ordnung, den eigenen Hobbys nachzugehen, sich mit Freunden zu treffen, sich auszeiten zu nehmen.

00:20:18: Um so besser es einem selbst geht, desto besser kann man für andere da sein.

00:20:24: Ja, und das war's auch mit dieser Folge.

00:20:27: Vielen lieben Dank fürs Zuhören.

00:20:29: Ich hoffe, ihr konntet oder du konntest das für dich mitnehmen.

00:20:33: Ich freue mich über Unterstützung, wenn dir die Folge gefallen hat.

00:20:36: Freu ich mich auch, wenn du vielleicht meinen Podcast bewertest oder ihn anderen empfielst.

00:20:42: Ja, und ich hoffe, wir hören uns dann beim nächsten Mal.

00:20:45: Ja, schönen Tag noch.

00:20:47: Tschüss!

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