Erste Schritte, wenn eine Essstörung im Raum steht

Shownotes

Was tun, wenn der Verdacht auf eine Essstörung im Raum steht, wenn also bemerkt wird, dass da ein Problem ist? In dieser Folge möchte ich euch Informationen darüber geben, was die allerersten Schritte sein können, wohin man sich wenden kann, um die ersten Fragen beantwortet zu bekommen, und wie es in den darauffolgenden Schritten weitergeht. Eine kleine Orientierungshilfe für Betroffene und Angehörige sowie für Personen aus verschiedenen Berufsgruppen, die mit dem Verdacht auf eine Essstörung konfrontiert sind und nicht weiterwissen. Ich hoffe, ich kann mit dieser Episode einen guten Einblick geben und Orientierung vermitteln.

Viel Spaß beim Hören!

IG: @psychotherapie.wien

Homepage: www.praxis-verhaltenstherapie.at

Links: Österreich: Essstörungshotline: https://www.wig.or.at/selbsthilfe-beratung/hotline-fuer-essstoerungen Österreichische Gesellschaft für Essstörungen: https://www.oeges.or.at/Essstoerungen/Hilfe-fuer-Betroffene/Beratungsstellen/

Deutschland: Hilfe bei Essstörungen: https://essstoerungen.bioeg.de/hilfe-finden/ Deutsche Gesellschaft für Essstörungen: https://www.dgess.de

Schweiz: Essstörungsinfos: https://www.pepinfo.ch/de/anlaufstellen/index.php Schweizer Gesellschaft für Essstörungen: https://sges-ssta-ssda.ch

Transkript anzeigen

00:00:01: Herzlich willkommen zu meinem Podcast Lebenskunst, dem Podcast über Essstörungen und allem, was damit verbunden ist.

00:00:18: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge meines Podcasts rund um das Thema Essstörungen.

00:00:23: In dieser Folge geht es um eine besonders wichtige und oft auch ziemlich herausfordernde Phase, nämlich Die ersten Anzeichen dafür, dass vielleicht etwas nicht ganz stimmt und die Erkenntnis oder möglicherweise besteht da ein Problem.

00:00:41: Entweder bemerkt man selbst oder man ist vielleicht eine Bezugsperson, ein Elternteil, eine Freundin, ein Freund, ein Partner, Partnerin, man macht sich Sorgen, spricht die Person drauf an und die Erkenntnis ist da.

00:00:53: Okay, da besteht irgendwie ein Problem zum Thema Essen, Körper und so weiter.

00:00:59: Nur dann stellt sich oft schnell die Frage, na was machen wir jetzt?

00:01:03: Wie geht es weiter?

00:01:04: Wo finde ich oder wo finden wir Hilfe?

00:01:08: Welche Möglichkeiten der Behandlung gibt es überhaupt?

00:01:11: Und genau darüber möchte ich heute sprechen, also welche Schritte einerseits zu einer Diagnose führen, wie man überhaupt dorthin kommt, welche Formen der Unterstützung es gibt.

00:01:21: Und ich möchte euch auch ein bisschen was zu den verschiedenen Behandlungssettings erzählen.

00:01:35: Dann starten wir los.

00:01:37: Wenn der Verdacht aufkommt, dass vielleicht eine Estörung vorliegen könnte.

00:01:43: Sei es jetzt bei einem Selbst- oder bei einer nahestehenden Person, stellt sich eben oft die Frage, was ist jetzt der nächste sinnvolle Schritt?

00:01:52: Im österreichischen Gesundheitssystem führt der erste Weg meistens über die Hausärztinnen.

00:02:00: Es ist aber auch möglich, sich direkt an eine Psychotherapeutin oder einen Psychotherapeutin zu wenden oder auch an eine Klinische Psychologe innen.

00:02:10: Wenn es in der Nähe aber auch eine Spezialisierte zum Beispiel Beratungsstelle gibt oder eine Essstörungsambulanz, was vor allem in größeren Städten, öfters der Fall ist, kann man sich auch dorthin wenden.

00:02:23: Viele dieser Einrichtungen bieten nämlich Erstgespräche an und Beratungsgespräche, um einfach die aktuelle Situation mal einzuschätzen und auch passende Unterstützungsangebote vorzuschlagen.

00:02:36: Bevor man aber Kontakt aufnimmt, lohnt es sich schon zuerst mal einen Blick auf die jeweilige Webseite zu werfen, weil dort steht meistens recht genau.

00:02:46: beschrieben, wie der erste Kontakt erfolgen soll.

00:02:50: Manchmal kann man vielleicht direkt hingehen, oft sind aber gerade Ambulanzen, Terminambulanzen, da muss man schauen, kann man sich da telefonisch zuerst an die wenden.

00:02:59: Ist ein Mail möglich, brauche ich vielleicht auch zusätzlich noch eine ärztliche Zuweisung, dann wäre vielleicht doch der Gang zuerst zum Hausarzt oder zu Hausärztin dann wiederum wichtig.

00:03:10: In Österreich, und das finde ich ja richtig gut, gibt es außerdem eine Telefonhotline.

00:03:15: die Essstörungshotline, die für erste Fragen auch echt hilfreich sein kann.

00:03:21: Also das ist einfach super niederschwellig, man kann mal erste Fragen stellen, man kann auch da anonym anrufen.

00:03:28: Werfen wir mal den Blick über die Landesgrenzen in Deutschland.

00:03:33: Nach Deutschland, in Deutschland ist der Ablauf soweit ich weiß, recht ähnlich.

00:03:37: Auch dort gibt es verschiedene Behandlungszentren, die auf S-Störungen spezialisiert sind und auch Beratungsstellen, die wie in Österreich einfach erste Orientierung bieten.

00:03:48: Und genauso wie hier, also in Österreich steht auch in Deutschland eine Telefonhotline für Fragen zur Verfügung.

00:03:56: Als ich das herausgefunden habe, habe ich mich sehr gefreut, weil ich weiß, dass das auch wirklich gerne in Anspruch genommen wird, weil es einfach auch so niederschwellig ist.

00:04:05: Ja, einfach mal schnell irgendwo anrufen, ist doch irgendwie was anderes als direkt hinzugehen.

00:04:12: Aber meiner Erfahrung nachbiete neben den Hotlines meistens eben die Hausarztin oder der Hausarzt oder bei Kindern Jugendlichen der Kinderarzt den einfachsten ersten Zugang.

00:04:22: Weil dort kann man besprechen, welche Untersuchungen und nächsten Schritte sinnvoll sind und welche Angebote es auch in der Umgebung gibt.

00:04:31: Die sind meistens schon auch informiert.

00:04:35: In den Show-Nauts werde ich euch auf jeden Fall nützliche Links hineingeben, damit ihr, falls ihr euch gerade an eine S-Störungshotline wenden wollt, ihr dann nicht lange selbst suchen müsst.

00:04:48: Wenn dieser erste Schritt mal geschafft ist, geht es weiter mit der Diagnose-Stellung.

00:04:54: Eine Diagnose kann entweder die Psychotherapeutin oder auch ein Ärztin stellen und das wird gemacht auf Basis eines ausführlichen diagnostischen Gesprächs.

00:05:07: Dabei werden vor allem Fragen gestellt zum Esverhalten, zu den Gedanken, die man im Alltag hat, zur Einstellung zum Körper, welche Gefühle vorherrschend sind, aber auch Fragen zu begleitenden Belastungsfaktoren, die werden da auch berücksichtigt.

00:05:24: Und Ziel ist es, ein ganz umfassendes Bild von der Situation zu bekommen.

00:05:30: Also wie schaut es da gerade im Leben dieses Menschen aus?

00:05:34: Das heißt, das werden nicht nur Symptome erfasst, sondern in der Regel auch einfach die ganz persönlichen Lebensumstände, die Belastungen, die da sind.

00:05:42: Sie hat einen Blick in die Biografie geworfen, was könnte möglicherweise auch dazu geführt haben, dass man jetzt in der Gegenwart dort ist, wo man ist.

00:05:51: Für die Planung einer wirksamen Behandlung ist aber gerade in dem Punkt, gerade wenn es auch um die Diagnose Stellung geht, Offenheit sehr wichtig.

00:06:03: Und ich weiß, dass das auch schwer ist, dass man meistens die Person vielleicht erst ein, zwei, drei Mal gesehen hat.

00:06:09: und gerade bei Essstörungen können Gefühle wie Scham oder die Angst vor Bewertung das sprechen über bestimmte Themen extremer schweren.

00:06:19: Und ich finde das auch nachvollziehbar.

00:06:21: und deshalb ist Vertrauen ein ganz, ganz zentraler Teil des therapeutischen Prozesses und das braucht aber Zeit.

00:06:29: um sich zu öffnen.

00:06:30: Es braucht Zeit, eben dieses Vertrauen aufzubauen.

00:06:34: Und deswegen schaue ich und höchstwahrscheinlich auch meine Kollegen.

00:06:38: Ich nehme sehr darauf, dass bereits beim Erstgespräch einfach eine Atmosphäre auch in der Praxis herrscht, die ja einladend ist, die irgendwie im Gefühl von Sicherheit auch bietet, dass man sich halt wohlfühlt, weil man doch recht schnell einfach auch Fragen beantworten.

00:06:57: müssen jetzt nicht, ja, aber ohne Infos wird es halt dann auf unserer Seite leider super schwierig.

00:07:04: Aber deswegen achte ich da immer total drauf und ich weiß auch im Austausch mit all meinen Kolleginnen, dass die da auch immer sehr bedacht drauf sind, dass sich der Mensch wohlfühlt.

00:07:14: Zusätzlich macht es total Sinn eine klinisch-psychologische Diagnostik zu machen, um auch mögliche Begleiterkrankungen wie beispielsweise Depressionen oder Angsterkrankungen oder Zwangsstörungen zu erkennen und auch ein vollständigereres Bild zu bekommen.

00:07:34: Klinisch-psychologische Diagnostik wird von klinischen Psychologinnen und Psychologen gemacht, nicht von Psychotherapeutinnen.

00:07:43: Es ist tatsächlich ein anderer Beruf, auch wenn wir verwandt sind quasi, aber die klinisch-psychologische Diagnostik macht mittels standardisierter Testverfahren einfach ein Ja, Tests, eine Überprüfung, eine Diagnostik, der aktuellen Situation, wo umfassend hingeschaut wird.

00:08:05: Und das ist sehr hilfreich, weil damit das Risiko, das etwas übersehen wird, einfach deutlich gesenkt wird.

00:08:12: Ich persönlich finde einen klinisch-psychologischen Befund für die Behandlungsplanung immer sehr, sehr hilfreich.

00:08:20: Wenn also eine betroffene Person nach dem Hausarztbesuch zuerst den Weg zu mir in der Praxis findet und sonst vielleicht jetzt noch nirgends war, besprechen wir immer gemeinsam, welche zusätzlichen Berufsgruppen eingebunden werden sollen.

00:08:38: Bei Jugendlichen, also ich bin jetzt in Wien schicke ich die Familien häufig in die S-Störungsambulanz, weil dort dann halt einfach an einem Ort verschiedene Berufsgruppen tätig sind und man nicht zu viel herumfahren muss und die auch ein tolles Programm für Eltern haben.

00:08:56: Wenn die gesundheitliche Stabilität es aber erlaubt, kann auch alles, was notwendig ist für die Person im niedergelassenen Bereich organisiert werden.

00:09:05: Das heißt, man kann sich Personen aussuchen, und die halt in der jeweiligen Praxis aufsuchen und sich so begleiten lassen.

00:09:14: Also wenn zum Beispiel von den Ärztinnen eine Internistin oder ein Internist notwendig ist, sucht man sich die Person raus.

00:09:22: Facharzt für Psychiatrie ist oft sehr wichtig, dass man sich diatologisch begleiten lässt, ist ebenfalls wichtig.

00:09:30: Und für die klinisch-psychologische Diagnostik kann man sich dann auch jemanden selbst raussuchen.

00:09:36: Dafür braucht es aber einfach eine gesundheitliche Stabilität, dass man das auch hinkriegt.

00:09:42: Somit sind manchmal so Essstörungsambulanzen, ja, vielleicht auch ein bisschen leichter.

00:09:49: Ganz wesentlich ist aber in jedem Fall, dass eine medizinische Abklärung stattfindet.

00:09:55: Essstörungen sind einfach viel zu komplex und der Körper ist so stark betroffen, und zwar ganz egal, um welche Form der Essstörung es sich handelt.

00:10:05: Und ohne ärztliche Anbindung hätte ich wirklich starke Bauchschmerzen und so würde ich eine Therapie nicht starten wollen.

00:10:14: Dass man ein bisschen Angst davor hat, das ist normal, dass man auch ambivalent ist, also sehr hin und her gerissen, das ist auch normal, aber es braucht unbedingt eine ärztliche Begleitung.

00:10:27: Der Körper ist so ein zentraler Bestandteil in dieser Behandlung, dass das einfach nicht ausgeklammert werden kann.

00:10:37: Ja, das heißt, die medizinische Untersuchung, da geht es einfach um die Abklärung körperliche Ursachen der Symptome einerseits auszuschließen und einen allgemeinen Gesundheitszustand zu erfassen.

00:10:50: Und jetzt ohne Anspruch auf Vollständigkeit und vor allem im Bewusstsein, dass ich selbst nämlich eben keine Ärztin bin, sondern Psychotherapäute, habe ich aber mal zusammengefasst, welche Untersuchungen da oft vorkommen oder ich halt immer wieder mitkriege.

00:11:06: Einerseits wird das Körpergewicht gemossen und auch die Körpergröße, um den BMI zu berechnen.

00:11:12: Meistens wird der Blutdruck gemessen, Puls, Körpertemperatur, Auch Kontrolle der Durchblutung oder ob es Abwassereinlagerungen gibt, also sogenannte Udeme, oft wird auch das Herz untersucht, also die Herzfunktion, Blutuntersuchung, wenn man einfach mal die Blutwerte sich genauer anschaut.

00:11:33: Der Urin wird untersucht, manchmal auch Leber und Nieren.

00:11:38: Diese Untersuchungen sind also, wie soll man sagen, so ein gesundheitlicher Rundumcheck, einfach um zu sehen, wie der Körper aktuell auf die Belastung durch die Essstörung reagiert.

00:11:50: Bei einer Binsch-Eating-Stören können zusätzliche Untersuchungen nötig sein, um etwa einfach übergewicht oder mögliche Stoffwechselerkrankungen und Stoffwechselveränderungen abzuklären.

00:12:00: Das heißt, es wird wirklich, also die medizinische Abklärung auf die Person, die vor einem sitzt, abgestimmt und geschaut, was da notwendig ist.

00:12:10: Ziel dieser medizinischen Diagnostik ist eigentlich immer körperliche Folgeschäden frühzeitig zu erkennen und dass man die auch gut einschätzen kann, also dass man die Situation gut einschätzen kann, ob bereits auch gesundheitliche Risiken bestehen, die in der jetzt Situation, also im hier und jetzt besondere Aufmerksamkeit brauchen.

00:12:33: Genau.

00:12:34: Also, das ist total wichtig, ein wichtiger Bestandteil vor allem zu beginnen.

00:12:38: Und wenn die diagnostische Abklärung mal abgeschlossen hat, dann wird gemeinsam besprochen, ob tatsächlich einerseits eine Essstörung vorliegt und welche Behandlungsmöglichkeiten in Frage kommen.

00:12:50: Bei Minderjährigen sind bei diesem Gespräch in der Regel auch die Erziehungsberechtigten dabei oder Ob-Sorgeberechtigten.

00:12:58: Das heißt, wenn ein klinisch-psychologischer Befund vorliegt, wird dieser gemeinsam besprochen.

00:13:04: Die Ergebnisse der medizinischen Untersuchung werden ebenfalls mit der Familie, mit den Eltern, der Bezugspersonen und der betroffenen Person besprochen.

00:13:15: Bei Erwachsenen können sich die Erwachsenenpersonen natürlich aussuchen, ob ein Angehöriger noch dabei sein soll oder nicht.

00:13:23: Und in der Psychotherapie wird dann alles zusammengeführt und gemeinsam geschaut.

00:13:29: Was wurde da von ärztlicher Seite gesagt?

00:13:31: Was ist bei der klinisch-psychologischen Diagnostik rausgekommen?

00:13:36: Was ist so die eigene Diagnostik, die man da erfasst hat?

00:13:39: Und dann wird überlegt, welcher Behandlungsweg ist jetzt für die Person sinnvoll?

00:13:46: Und damit ist mal so der erste Schritt, also der erste Zugang erledigt.

00:13:51: Schritt zwei, die Diagnostik haben wir jetzt auch geschafft.

00:13:54: Aber was passiert jetzt?

00:13:57: Behandlungen von S-Störungen können in unterschiedlichen Umfällen dann stattfinden.

00:14:02: Das nennt man auch eben Setting und diese unterscheiden sich eigentlich in der Intensität, in der Struktur, in der Dauer und bestehen meistens aus mehreren Bausteinen, die individuell kombiniert werden.

00:14:16: Das, was ich jetzt vorher schon ein bisschen vorgestellt habe, wäre das, was man ambulante Therapie nennt.

00:14:22: Aber grundsätzlich kann man Behandlungen unterscheiden in ambulanter Behandlung, tagesklinisch auch teilstationär genannt oder vollstationär.

00:14:32: Und welches Setting aber am besten passt, hängt von vielen Faktoren ab.

00:14:36: Etwa von der Schwere der Essstörung, von den Begleiterkrankungen, den Lebensumständen, der Veränderungsmotivation und aber auch, was halt tatsächlich regional verfügbar ist, welche Möglichkeiten man auch einfach in der Unmittelbahn nähe hat.

00:14:59: Gehen wir kurz auf das ambulante Setting ein.

00:15:01: Im ambulanten Setting bleibt die betroffene Person zu Hause im gewohnten Umfeld und hat regelmäßig vereinbarte Termine.

00:15:08: Das ist das, was ich jetzt vorher vorgestellt habe.

00:15:11: Das heißt, man kommt in der Regel einmal in der Woche zu mir, hat parallel entweder in einer Essstörungsambulanz oder in einem... Esstörungszentrum mit anderen Berufsgruppen regelmäßig Termine, aber man kommt von zu Hause dorthin.

00:15:30: Das ist so der ambulante Bereich.

00:15:33: Das heißt, die Ärzte kümmern sich um den medizinischen Teil und soweit die Diatologen um die Ernährung und Essenspläne, die Psychotherapeutinnen begleiten meist den gesamten Prozess, also auch die ganzen Lebensthemen, die im Hintergrund eine Rolle spielen.

00:15:50: In den ersten Sitzungen geht es eben zunächst darum, dass man einfach mal eine Beziehung aufbaut, die ist ganz entscheidend für den weiteren Verlauf.

00:15:58: Man lernt sich kennen, man entwickelt Vertrauen, man schafft, das nennt sich eine tragfähige Basis, eine tragfähige Beziehung.

00:16:06: Weil eben nur dann sich betroffene Personen öffnen, wenn sie sich wohlfühlen.

00:16:14: Ja, und auch nur dann kann Psychotherapie wirken.

00:16:17: Wenn man sich nicht wohlfühlt, oder das Gegenüber einem unsympathisches oder die Chemie einfach nicht passt, sollte man lieber wechseln.

00:16:26: Weil die Psychotherapie so nicht wirken kann, dann ist man immer geheim, man hält Dinge zurück.

00:16:32: Ja, gemeinsam werden dann eben die wichtigsten Informationen zur Essstörung, zu Begleitproblemen, zur aktuellen Lebenssituation eben besprochen.

00:16:38: Alle Befunde werden durchgesehen und diese Grundlage, auf dieser Grundlage entsteht dann eben dieser individuelle Behandlungsprozess.

00:16:46: Die betroffene Person ist dabei immer ganz aktiv daran beteiligt und zwar im gesamten Prozess.

00:16:52: Das ambulante Setting hat Vor- und Nachteile.

00:16:56: Ein Vorteil ist, dass man im vertrauten Alltag bleibt und Sozialkontakte erhalten bleiben.

00:17:04: Alltagsbelastungen können dadurch auch direkt in die Therapie eingebracht werden und es wird dadurch ein Krankenhausaufenthalt vermieden.

00:17:12: Ich finde auch, dass es die Selbstständigkeit und die Eigenverantwortung in dem Setting am besten gefördert wird, was wichtig ist für die Genesung.

00:17:23: Ein Nachteil kann sein, dass manchmal gerade der Abstand aber zum Alltag schon hilfreich wäre.

00:17:28: Und das würde dann fehlen.

00:17:30: Also es kommt da wirklich immer darauf an, was ist das, was der Mensch braucht.

00:17:34: Und was auch ein Nachteil ist, in manchen Regionen gibt es zu dem ganz lange Wartezeiten auf Therapieplätze, obwohl ein Rascherbeginn eigentlich ganz wichtig wäre.

00:17:46: Ja, und auch die medizinische Begleitung ist im ambulanten Setting einfach eingeschränkt ermöglicht.

00:17:51: Es sind meistens größere Abstände dazwischen, wo Dinge überprüft werden, was ein Unterschied macht, also das ist einfach der Zeitfaktor, der ein Unterschied macht.

00:18:02: Genau und deswegen braucht es eine gewisse körperliche Stabilität, um ambulant auch gut zurechtzukommen.

00:18:09: Wenn jetzt so eine ambulante Behandlung eben nicht ausreicht oder vor Ort auch keine passenden Angebote vorhanden sind, dann kann eine Tagesklinik oder auch eine stationäre Behandlung sinnvoll sein.

00:18:23: Im nächsten Punkt gehe ich jetzt zuerst mal auf die stationäre Behandlung ein.

00:18:27: Eine stationäre Behandlung wird vor allem dann empfohlen, wenn eine wenn der Körper, wenn die Gesundheit und der Körper einfach stark gefährdet ist.

00:18:38: Oder auch, wenn andere psychische Störungen hinzukommen oder wenn sich über mehrere Monate auch keine Verbesserung zeigt.

00:18:47: Das kommt auch immer wieder vor.

00:18:48: Man startet im ambulanten Setting, aber es verbessert sich einfach nicht, weil das Ambulant für die Person zu schwierig ist.

00:18:55: Und dann steigt man um auf tagesklinisch oder stationär.

00:19:03: Ja, auch wenn zum Beispiel sehr ausgeprägte und starre S-Rituale vorhanden sind, wo der Mensch nicht rauskommt und vielleicht tatsächlich aus dem gewohnten Umfeld zuerst mal rausgenommen werden muss, um überhaupt ein neues Verhalten lernen zu können.

00:19:18: Auch das kann ein Grund sein für eine stationäre Aufnahme.

00:19:22: Wichtig ist dabei, dass die Behandlung in einer Klinik stattfindet, die sich auf S-Störungen spezialisiert hat.

00:19:29: Dort arbeiten verschiedene Berufsgruppen sehr gut zusammen und es braucht einfach enorm viel Wissen, was das Thema Essstörungen anbelangt.

00:19:41: Manchmal kommt das auch zu einer Intervallbehandlung, also man ist stationär, kriegt aber zwischendurch auch immer wieder Tage quasi frei und Dampfungszeichen, man kann nach Hause und Dinge auch dann im Alltag selbst wieder zu erproben und geht dann aber wieder zurück auf die Station.

00:19:58: Natürlich gibt es da anfangs oft auch Unsicherheiten, finde ich nachvollziehbar, oder auch Ängste vor so einer stationären Behandlung.

00:20:06: Ja, finde ich absolut verständlich.

00:20:08: Viele fragen sich auch, wie streng sind da dann die Essensregeln oder wie läuft der Kontakt auch zu anderen.

00:20:13: Patientinnen ab, darf ich Besuch empfangen oder das Handy nützen?

00:20:18: Diese Sorgen und all diese Fragen sind berechtigt und dürfen aber auch einfach im Vorfeld besprochen werden.

00:20:24: In vielen Kliniken gibt es ja meist Vorgespräche und es ist immer wieder auch möglich, dass man sich die Station zuerst im Vorfeld schon mal anschaut, um ein Gefühl dafür zu kriegen, was passiert dort, wie schaut es dort aus, um nicht in was komplett Fremdes hineingeworfen zu werden.

00:20:44: Auch das stationäre Setting bietet Vorteile, hat aber auch Herausforderungen.

00:20:49: Zu den Vorteilen, würde ich mal sagen, zählt halt die Distanz zum belastenden Alltag, was für manche manchmal ganz, ganz, ganz wichtig ist und sich dadurch einfach auch die Möglichkeit auftut, sich viel mehr auf sich selbst und den Genesungsprozess zu konzentrieren, ohne dass diese Alltagsverpflichtungen da sind.

00:21:08: Es gibt auf der Station meist ganz klare Strukturen, was das Essen anbelangt.

00:21:12: Es gibt direkte Unterstützung im Umgang mit Mahlzeiten, was vor allem anfangs auch sehr entlastend sein kann.

00:21:21: Zudem hat man halt die Möglichkeit, auf verschiedene Therapieformen in Anspruch zu nehmen.

00:21:26: Man hat meistens Einzeltherapie, man hat Gruppentherapie, Bewegungstherapie.

00:21:32: Die medizinische Betreuung ist natürlich viel engmaschiger.

00:21:35: Es gibt Familiengespräche, was auch ein großer Vorteil ist.

00:21:39: Also man kriegt einfach viel mehr Therapie, als wie das im ambulanten Setting möglich ist.

00:21:46: Ja, das ist schon ein großer Vorteil.

00:21:48: Herausfordernd kann sein, dass Betroffene, wenn sie noch in die Schule gehen, nicht in die Schule gehen können, dass man halt auch nicht in die Arbeit geht oder nicht auf die Uni oder auf die Ausbildung unterbrochen wird.

00:21:59: Manche empfinden auch die Begegnung mit anderen Betroffenen als extrem schwierig.

00:22:06: Und bei sehr langen oder wiederholten Aufenthalten kann es auch passieren, dass man sich manchmal beginnt, ein bisschen wohlzufühlen im Krankenhaussetting.

00:22:17: Ja, das ist ein Thema, das ist allerdings bekannt, darauf wird auch immer gut geschaut.

00:22:23: Genau, das wäre das Stationäre, und dann gibt es aber noch was dazwischen, und zwar das Teilstationäre-Setting oder auch Tagesklinik genannt.

00:22:31: Und eine Tagesklinische Behandlung kann aus verschiedenen Gründen sinnvoll sein, vorausgesetzt, die Patienten oder die Patienten kann täglich von zu Hause zu Klinik kommen.

00:22:41: Da schlafen die Leute nämlich zu Hause, sind aber tagsüber im Krankenhaus.

00:22:47: Manche beginnen z.B.

00:22:48: die Behandlung direkt einfach tagesklinisch, wenn ihr körperlicher Zustand stabil genug ist, eben die Fahrten auch zu schaffen.

00:22:57: und manche schließen an eine Tagesklinikphase einen stationären Aufenthalt an, wenn man einfach auch da merkt, dass tagesklinisch vielleicht einfach nicht ganz so klappt.

00:23:08: oder manche wechseln dann, wenn sie sich gut stabilisiert haben, in das ambulante Setting.

00:23:13: Der große Vorteil von der Tagesklinik ist, man ist tagsüber in einer gestützten Struktur, würde ich mal sagen.

00:23:20: Man hat intensive Unterstützung, man hat wesentlich mehr Therapien als im ambulanten Setting, also da ist es sehr ähnlich wie im Stationären, kann aber abends und am Wochenende im vertrauten Umfeld sein, das heißt zu Hause.

00:23:36: Also es gibt wie bei vielen Dingen immer Vorteile und auch Nachteile.

00:23:42: Genau, also das wären die verschiedenen Behandlungssettings.

00:23:46: Was da eben jetzt passt, wird immer ganz individuell entschieden.

00:23:52: Ja, das ist das, was ich eben anfangs gemeint habe.

00:23:54: Zuerst ist mal die Erkenntnis, ich habe ein Problem.

00:23:56: Dann sucht man zuerst mal erste Informationen.

00:24:00: Sprich, ich wende mich an eine Telefonhautlein und frage mal nach.

00:24:04: Ich gehe zu einem Arzt, einer Ärztin meines Vertrauens und stelle mich mal den Thema.

00:24:10: Irgendwann findet man dann entweder eine S-Störungsambulanz oder zu einer Psychotherapeutin oder zu einem Facharzt für Psychiatrie und so weiter und dann kommt das ganze in die Gänge, weil die.

00:24:21: meistens wird man dann weiter verwiesen, es gibt eine Vernetzung und so weiter und dann ist so der erste Schritt mal geschafft.

00:24:27: Dann gibt sie Diagnostik und dann wird geschaut, was ist passend.

00:24:32: Kann die Person ambulant betreut werden?

00:24:34: Kann die Person tagesklinisch betreut werden oder sollte die Person tagesklinisch betreut werden?

00:24:39: Oder ist es notwendig, möglichst schnell stationär zu gehen?

00:24:42: Jetzt ist es natürlich oft der Fall, dass nicht immer bettenfrei sind, dann kommt man auf eine Warteliste.

00:24:47: Aber je nach Schweregrad wird geschaut, dass Personen, die recht schnell Hilfe brauchen, die auch bekommen.

00:24:55: Ich hoffe, das hat euch einen guten Einblick gegeben.

00:25:00: und ihr konntet viel für euch mitnehmen.

00:25:02: Ich freue mich, dass ihr bis zum Schluss zugehört habt und wünsche euch noch einen schönen Tag und bis zum nächsten Mal.

00:25:08: Tschüss!

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